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Kiel Kein Müll mehr in Kiel und San Francisco
Kiel Kein Müll mehr in Kiel und San Francisco
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13:13 27.09.2019
Von Karen Schwenke
Gemeinsamer Kampf gegen Abfallberge (v.li.): Zero-Waste-Expertinnen Alexa Kielty und Jennifer Kass aus San Francisco treffen auf Kiels Stadtpräsidenten Hans Werner Tovar und den Leiter des Umweltschutzamtes in Kiel Andreas von der Heydt. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Jennifer Kass, stellvertretende Direktorin des Umweltamtes in San Francisco, und ihre Kollegin, die Zero-Waste-Spezialistin Alexa Kielty, sind noch bis zum heutigen Freitag zu Besuch in Kiel. Ihre nordkalifornische Heimatstadt arbeitet schon seit 2004 an dem Plan, bis 2020 zur ersten müllfreien Großstadt zu werden. „Dieses Ziel war bewusst zu hochgesteckt, wir werden es nicht erreichen“, verriet Jennifer Kass am Mittwoch, als sie ihre Strategie vor Mitarbeitern des Kieler Umweltschutzamtes präsentierte. Bereits 2018 hatten beide Städte einen Wissensaustausch im Bereich Abfall vereinbart.

Obwohl die Stadt San Francisco ihr embitioniertes Ziel verfehlt hat, lobte Kass: „Wir haben die Sache trotzdem sehr gut gemacht.“ Zero Waste lasse sich leider nur durch eine veränderte Produktion erreichen und darauf hätten die Städte keinen Einfluss. „Wir können nicht kontrollieren, welche Produkte zu uns kommen, wir können nur kontrollieren, wie wir damit umgehen und die Bürger und Unternehmen aufklären.“ Bei diesem Vorhaben ist San Francisco die mit Abstand erfolgreichste US-amerikanische Stadt.

Wie San Francisco versteht sich auch Kiel als Vorreiterstadt in der Müllvermeidung

Auch „Kiel ist absoluter Vorreiter: Es gibt keine andere deutsche Stadt, die sich zu Zero Waste bekannt hat“, berichtet Andreas von der Heydt, Leiter des Umweltschutzamtes. Die Ratsversammlung hatte vor einem Jahr die Verwaltung beauftragt, ein Zero-Waste-Konzept zu erarbeiten. „Das wollen wir im April 2020 vorlegen und werden dann die erste Stadt sein mit einem umfangreichen Konzept, das Klimaschutz und Müllvermeidung verbindet.“

In San Francisco landen 40 Prozent aller Lebensmittel auf dem Müll

Der Recycling-Gedanke, der lange Zeit im Vordergrund stand, ist also in beiden Städten durch den Anspruch ersetzt worden, Abfälle gar nicht erst entstehen zu lassen. Oder Produkte zu verwenden, die im Kreislauf geführt werden.

Wie sich diese Ziele erreichen lassen, darüber tauschten sich die Partner jetzt aus. Zero-Waste-Expertin Kielty berichtete beispielsweise über die Herausforderung, mit der enormen Überproduktion in den USA umzugehen: „40 Prozent unserer Lebensmittel werden weggeschmissen. Wir müssen das dringend reduzieren.“ SF Environment, wie die lokale Umweltbehörde genannt wird, gibt zum Beispiel ökonomische Anreize für Produzenten, nur so viel herzustellen, wie auch verkauft wird.

Außerdem ist eine Technologie eingeführt worden, mit der Großküchen etwa in Hotels und Krankenhäusern fortlaufend Informationen über ihre Abfälle erhalten: „Wenn sie lesen, dass sie 15 Hühnerbrüste im Wert von 80 Dollar weggeschmissen haben, dann ändern sie ihr Verhalten.“ Der Umweltbehörde geht es auch in anderen Branchen um die Verantwortung der Produzenten, sie arbeitet mit Anreizen, Verboten und Gebühren.

Als gute Idee aus Kiel werten die US-Expertinnen das neue Kieler Pfandsystem „Cup and More“, mit dem Bäckereien die Einwegbecher verbannen. Kaffeepfandbecher können in allen teilnehmenden Läden zurückgegeben werden.

San Franciscos Umweltbehörde klärt die Bevölkerung auf

Bei den Konsumenten setzt San Francisco derzeit vor allem auf Aufklärung. 15 Abfallberater sind in der Stadt ständig unterwegs. Da ein Großteil der Einwohner nicht Englisch spricht, wird den Menschen in ihren Muttersprachen das Abfallsystem erklärt: Jeder Haushalt hat je eine große Tonne für unsortierte Recycling-Abfälle und für Kompost sowie eine kleinere für Restmüll. Restmüll ist am teuersten: Wer ihn reduziert, spart also Geld.

Da die kalifornische Stadt ihr ursprüngliches Ziel, die Restmülltonne bis 2020 ganz abzuschaffen, verfehlt hat, wurde nun ein neues definiert: Der Restmüll soll bis 2030 nochmal halbiert, der gesamte Müll soll um 15 Prozent gesenkt werden. Auch die Stadt Kiel ist dabei, sich konkrete Reduktionsziele zu setzen und Selbstverpflichtungen aufzuerlegen, kündigte von der Heydt an. Das sei der neue Weg der Städte.

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