Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Zirkus-Leute protestieren in Kiel
Kiel Zirkus-Leute protestieren in Kiel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 08.06.2013
Von Christian Hiersemenzel
Gegendemonstranten am Asmus-Bremer-Platz hatten sich zu einer Kundgebung versammelt. Quelle: Pregla
Kiel

Der Zug durch die Holstenstraße wurde von Musikern und bunt kostümierten Akteuren begeleitet. „Die Tiere im Zirkus haben immer eine Bezugsperson, die sie pflegt und trainiert“, hieß es in einem Flugblatt. „Oft werden sie von diesen Personen großgezogen, und es entstehen dabei sehr enge Bindungen zwischen Mensch und Tier.“ In die Haltung werde viel Liebe und Arbeit investiert – „dementsprechend werden sie behandelt“. Entsprechend appellierten die Demonstranten an Politik und Justiz: „Gebt uns unsere Tiere zurück.“

Das Land Schleswig-Holstein beurteilt die Haltung von Zirkustieren mehr als kritisch. „Der ‚Zauber der Manege‘ steht und fällt nicht mit der Zurschaustellung und Vorführung von anspruchsvollen Wildtieren“, heißt es auf den Internetseiten des Umweltministeriums. „Der ursprüngliche Schwerpunkt – das Zurschaustellen unbekannter wilder Tiere zur Volksbelustigung – ist schon lange nicht mehr die Attraktion eines Zirkusbetriebes.

In der Kieler Innenstadt sind am frühen Mittwochnachmittag gegen 14 Uhr Zirkusdemonstranten auf Tierschützer getroffen. Unter dem Motto „Lasst uns unsere Tiere!“ setzten sich die Zirkus-Vertreter dafür ein, Tiere auch weiterhin halten, dressieren und in der Manege zeigen zu dürfen.

Die mit den Leiden und Entbehrungen der Tiere erkaufte Besucherbegeisterung ist mit den ethischen und moralischen Ansprüchen einer modernen Gesellschaft nicht mehr vereinbar und vom Publikum nicht mehr gewünscht, denn unser Wissen über das Verhalten und Leiden der Tiere ist enorm gewachsen. Längst haben Zoos und Tierparks diese Aufgabe übernommen, die in der Regel diese Tiere artgerechter halten und dem Besucher eher das natürliche Verhalten und die natürliche Umgebung der Tiere näher bringen können.“

Gegendemonstranten am Asmus-Bremer-Platz hatten sich zu einer Kundgebung versammelt. Sie prangerten an, dass die Tiere auf sehr engem Raum leben und alle paar Tage umziehen müssten. Dressur bedeute, dass dem Individuum Tier der Wille des Dompteurs aufgezwungen werde. Insgesamt greife der Ansatz der Politik, nämlich Haltungsbedingungen engmaschig zu kontrollieren,  nicht weit genug. Es müsse nicht nur um eine Verbesserung der Haltungsbedingungen oder ein Wildtierverbot gehen, sondern um eine Abschaffung von Tierzirkussen im Allgemeinen – „denn Tiere sind nicht für uns Menschen da!“ Die Zirkusvertreter beriefen sich wiederum auf eine jahrhundertealte Kulturtradition.