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Kiel Schlaraffenland ist Teamwork
Kiel Schlaraffenland ist Teamwork
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14:47 21.06.2013
Von Anne Holbach
Ein begehbares Brathähnchen, ein Wald aus Lollis und jede Menge bunte Süßigkeiten: Die Krusenkoppel verwandelt sich für die Kieler Woche ins Schlaraffenland. Sven Blohm, Hannes Böckenhauer, Maik Böttcher, Nino Heermann, Max Sachse, Jan Koops und Florian Schröder (v.li.) vom Werkstatt-Projekt 8+3 haben einen Großteil der Deko gebaut. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Ein riesengroßes Füllhorn steht am Eingang der Spiellinie, daneben ein paar Jungs, bewaffnet mit Pinseln, Farbe und Kleister. Sie reparieren die kleinen Macken, die die Pappmaschee-Skulptur beim Transport abbekommen hat. Die Jugendlichen gehören zu den 37 Teilnehmern des Arbeitsprojekts 8+3, die schon seit einem Dreivierteljahr am farbenfrohen Zuckerwerk für die Spiellinie arbeiten.

 „Wir produzieren und basteln hauptsächlich für die Kieler Woche, aber auch für Stadtteil- oder Spielplatzfeste“, sagt Steffen Malter, Pädagogischer Leiter des KJHV-Projekts. Die Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren weist ihnen das Jobcenter zu, sechs bis neun Monate lang bleiben sie dann in der Maßnahme. Die Teilnehmer haben in der Regel weder Berufs- noch Schulabschluss. „Wir bieten ihnen eine Arbeitsgelegenheit und vermitteln in geschwächter Form einen Arbeitsalltag, um sie auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten“, so Malter. Bei 8+3 können sie sich kreativ einbringen und handwerkliche Tätigkeiten lernen.

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 Gemeinsam mit acht Anleitern stellten sie in ihrer Werkstatt in der Stoschstraße die Deko-Teile für die Spiellinie her. Im September ging es mit der Planung los, in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt entwickelten die Jugendlichen Ideen. Nach Skizzen und Modellen formten sie dann aus Kaninchendraht die Rohlinge für ihre Skulpturen, kleisterten sie mit Papier ein und bemalten sie bunt. „Alle haben daran mitgearbeitet. Das war Teamwork. Manche konnten halt besser malen, andere kleistern“, erzählt der 24-jährige Max Sachse. Er holt gerade einen Pappmaché-Pinguin mit einer Eistüte im Flügel aus dem Transporter. Noch ist das „Schlaraffenland“ auf der Krusenkoppel im Aufbau. „Wenn die Jugendlichen dann sehen, wie sich die Kinder darüber freuen, finden sie das toll“, sagt Nino Heermann, der als Anleiter mit ihnen in der Werkstatt arbeitet. Für viele sei es ganz neu, für ihre Arbeit Anerkennung zu bekommen.

 Auch während der Kieler Woche sind die Jugendlichen auf der Spiellinie aktiv: Sie helfen den Kindern an der Sägestation und flicken täglich ihre Werke. „Die Sachen sind ja aus Pappmaschee, und wenn die Kinder da rein pieksen und rundherum toben, geht viel kaputt“, sagt Heermann. Auch Dauerregen wäre daher schlecht für den Süßkram. Aber im Schlaraffenland fließen ja ohnehin eigentlich nur Milch, Honig oder Wein.