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Kiel Zurück ins Heimstudium? Wie Hochschulen in Kiel mit der Corona-Lage umgehen
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Zurück ins Home-Studium? Wie Hochschulen in Kiel mit der Corona-Lage umgehen

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14:27 24.11.2021
Von Jonas Bickel
Der Hörsaal ist fast leer, die Masken sind aufgesetzt: neue Normalität bei der Physik-Hybridvorlesung von Prof. Bernd Heber in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Der Hörsaal ist fast leer, die Masken sind aufgesetzt: neue Normalität bei der Physik-Hybridvorlesung von Prof. Bernd Heber in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Quelle: Frank Peter
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Die Vorfreude bei Lynn Kuhlwein war groß. Studieren, möglichst viel in Präsenz, hieß es zum Semesterbeginn im Oktober von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Etwas, das Kuhlwein zuvor erst ein Semester lang miterlebt hatte. Und das, obwohl sie mittlerweile schon im fünften Semester ihres Studiums der Sozioökonomie ist. Wegen Corona hat die 22-Jährige größtenteils von zu Hause aus studiert.

Studentin an der CAU Kiel: Nur noch ein Drittel der Veranstaltungen in Präsenz

„Das ist total schlimm. Man denkt, dass man was verpasst hat“, sagt Kuhlwein. Und jetzt? Wackelt das Studium an der Uni wieder. Während die Corona-Zahlen steigen, schleicht sich an den Hochschulen in Kiel teilweise wieder das Heimstudium ein.

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So finden an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der CAU viele Veranstaltungen wieder online statt. Für Kuhlwein bedeutet dies, dass sie zwei Drittel ihrer Lehrveranstaltungen in ihren eigenen vier Wänden verfolgt.

CAU Kiel: Fakultäten dürfen über Online-Veranstaltungen entscheiden

Möglich macht das eine besondere Regelung an der CAU: Die Fakultäten dürfen jeweils eigenständig entscheiden, einzelne Lehrveranstaltungen vorübergehend zunächst in Onlineformate zu überführen. „Durch die Fakultäten muss bei diesen Entscheidungen die Studierbarkeit gewährleistet werden“, sagt CAU-Sprecherin Eva Sittig.

An der gesamten Uni gilt bereits seit Beginn des Semesters die Empfehlung, Lehrveranstaltungen mit mehr als 200 Menschen online umzusetzen. Hybrid-Vorlesungen sind an der CAU ebenfalls ein gängiger Weg. „Fakultäten und Präsidium halten grundsätzlich am Präsenzbetrieb in der Lehre fest“, sagt Sittig. Der Präsenzanteil im bisherigen Wintersemester liege bei rund 80 Prozent.

Die Kieler Studentin Lynn Kuhlwein nimmt in ihrem Zimmer daheim an einer Online-Vorlesung teil. Das kommt in diesem Wintersemester immer häufiger vor. Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Bei der 3G-Regel bleibt es an der CAU, 2G sei keine Alternative, so Sittig. Allerdings gibt es strengere Auflagen für die Maskenpflicht: Der Mund-Nasen-Schutz muss in allen Gebäuden getragen werden, auch bei Lehrveranstaltungen. An studentischen Arbeitsplätzen, beispielsweise in den Bibliotheken, gilt ebenfalls Maskenpflicht.

Maskenpflicht an der Fachhochschule Kiel

Auch an der Fachhochschule Kiel gibt es Verschärfungen des Hygienekonzepts. Seit Montag gilt für Studierende eine Maskenpflicht in den Innenräumen. Die Maske darf auch am Platz nicht abgesetzt werden. Ins Home-Studium schickt die FH ihre Studierenden nicht. „Aktuell finden fast alle Lehrveranstaltungen in Präsenz statt“, sagt FH-Sprecherin Frauke Schäfer. Allerdings seien alle Veranstaltungen, die nicht der Lehre dienen, bis auf Weiteres abgesagt. Auch an der Fachhochschule gilt die 3G-Regel.

Muthesius Kunsthochschule will Präsenz aufrechterhalten

An der Muthesius Kunsthochschule bleiben die Corona-Regeln so wie zu Beginn des Semesters. Das heißt: 3G und Maskenpflicht in den Innenräumen, die Mund-Nasen-Bedeckung darf nur bei festem Verbleib am Arbeitsplatz in den Ateliers und Werkstätten mit ausreichendem Abstand abgesetzt werden. Für größere Räume hat die Kunsthochschule zudem Luftfilter angeschafft.

„Für uns als Kunsthochschule ist die Präsenzlehre von existenzieller Bedeutung. Es muss alles getan werden, damit sie trotz der sich verschärfenden Corona-Lage aufrechterhalten werden kann“, sagt Dr. Arne Zerbst, Präsident der Kunsthochschule. „Die Studierenden, Schülerinnen und Schüler sind lange genug ignoriert worden.“

Studentin aus Kiel: „Wir werden vergessen“

Das sieht auch Lynn Kuhlwein so. „Wir Studierenden werden regelmäßig vergessen“, sagt sie. Sie könne verstehen, dass nicht mehr alle Veranstaltungen in Präsenz stattfinden. Doch die fehlende öffentliche und politische Debatte über die schwierige Lage der Studierenden stört sie.

Ein Studium in Regelstudienzeit kommt für Kuhlwein nicht mehr infrage. Der Grund: Sie möchte das Uni-Leben noch mal richtig erleben – ohne Corona, ohne Unsicherheit, ohne Vorlesungen dauernd von zu Hause aus zu verfolgen.

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