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Kiel Seilbahn-Idee hoch im Kurs
Kiel Seilbahn-Idee hoch im Kurs
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18:35 05.11.2013
Von Annemarie Heckmann
Ein Projekt der Kieler Fachhochschule untersucht die Möglichkeiten einer Seilbahn. Unklar ist eine mögliche Streckenführung. Sie könnte auch von Mönkeberg oder Heikendorf auf das andere Fördeufer führen. Quelle: Foto Kuhl, Montage KN-online
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Kiel

„Erste Sahne“, lobt beispielsweise Uwe Wanger von Kiel-Marketing die Idee. Und das sagt er nicht allein, weil er mit Wehmut der Weipert-Bahn nachtrauert, sondern auch, weil eine Seilbahn ein richtiges „Highlight“ für die Stadt wäre. Wanger argumentiert insbesondere mit der geplanten Landesgartenwasserschau. Gerade bei solchen Gartenschauen hätten Seilbahnen eine lange Tradition – und würden meist von den Herstellern kofinanziert. Wanger verweist auf Koblenz, wo eine solche Verbindung am Deutschen Eck erst hochumstritten war und nach Ende der Bundesgartenschau zu einem der größten touristischen Magnete geworden sei. Dieses enorme touristische Potenzial würde er auch gern an der Förde ausschöpfen können.

Unterstützung bekommt die Idee auch vom Verein FördeFördern. Schon 2012 hatte der Verein dafür geworben, die Seilbahn-Idee in den Rahmenplan Kieler Förde aufzunehmen, allerdings ohne Resonanz. Umso erfreuter ist der Vorsitzende Michael Henry, dass nun die Fachhochschule Kiel frischen Wind in das Projekt bringe. Auch der Fraktionsvize der Grünen, Dirk Scheelje, hält eine Seilbahn für „eine tolle Idee“. Es wäre ein Aushängeschild und eine touristische Marke für Kiel. Vorausgesetzt, das Projekt sei technisch realisierbar – und vor allem finanzierbar. Auch Achim Heinrichs, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, spricht von „einer charmanten Idee“. Angesichts der Skandinavien-Fähren, des stetigen Windes und der Finanzierung seien aber noch viele Fragen ungeklärt.

Ratsherr Wolfgang Homeyer, bau- und verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion, lobt diese „Idee voll studentischer Verve“. Doch neben einigen Pluspunkten sei fraglich, ob eine Seilbahn tatsächlich das öffentliche Nahverkehrssystem verbessern und den Individualverkehr reduzieren könne. Viele Fragen seien offen, auch im Zusammenhang mit der Entwicklungsmöglichkeit des Hafens. Peter Helm, Geschäftsführer der FDP-Ratsfraktion, hält die Gondeln über der Förde für eine „reizvolle Alternative“. Diese sei durchaus „diskussionswürdig“. Ratsherr Marcel Schmidt, baupolitischer Sprecher der Ratsfraktion der Piraten, sieht neben den besten Ausblicken viel touristisches Potenzial und eine attraktive bauliche Verknüpfung der beiden Fördeufer – „der ernüchternde Blick auf den aktuellen Haushaltsentwurf holt uns aber mit einiger Härte wieder auf den Boden der Tatsachen zurück“, so Schmidt. Doch es sei zu prüfen, ob es eine privat finanzierte Option gebe. Was die Stellungnahmen eint: Eine Seilbahn dürfe nie als Konkurrenz zu der Fördeschifffahrt gesehen werden.

Unklar ist vor allem die mögliche Streckenführung. Michael Henry vom Verein FördeFördern favorisiert eine Querung vom Mönkeberger Ölberg zur geplanten Endhaltestelle der Stadt-Regionalbahn im Anscharpark/Maritimes Viertel. Nur so könne dem Bedarf des gesamten Westufers bei nur einer Seilbahn-Haltestelle Rechnung getragen werden. Da das gesamte Ölberg/Ölpiergelände in Mönkeberg derzeit erschlossen werden soll, könnte hier noch rechtzeitig eine Anbindung berücksichtigt werden.