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Kiel Zwischen Tarif und Extraparty
Kiel Zwischen Tarif und Extraparty
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10:45 23.11.2012
Von Carola Jeschke
Geld für Geschenke? Von ihrem Arbeitgeber Meislahn bekommt die angehende Dekorateurin Sophia Laloi einen Weihnachtsbonus in Form von Gutscheinen. „Damit habe ich mir schöne Handtücher und eine Fleecedecke gekauft“, erzählt sie. Quelle: Eisenkrätzer
Kiel

Laut einer Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung kann sich 2012 bundesweit jeder zweite Beschäftigte über Weihnachtsgeld freuen. Für rund sieben Millionen Arbeitnehmer falle das Weihnachtsgeld in diesem Jahr aufgrund höherer Lohnabschlüsse sogar höher aus, da es mit einem festen Prozentsatz an das Gehalt gekoppelt sei, heißt es weiter. Wer in einem Unternehmen arbeitet, das tariflich gebunden ist, hat Glück: Hier ist die Zahlung des weihnachtlichen Bonus klar vereinbart. „In der Metallindustrie heißt das Sonderzahlung, und die ist gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit“, erklärt Peter Seeger, Geschäftsführer der IG Metall Kiel-Neumünster. Maximal würden 55 Prozent eines vollen Gehaltes gezahlt. In Kiel seien zum Beispiel die Mitarbeiter von HDW, Caterpillar, GKN Driveline, Sauer & Sohn, Raytheon Anschütz oder der Schiffbaukonzern Abu Dhabi Mar (ADM) von der tariflichen Regelung betroffen. Vossloh geht nach Angaben von Geschäftsführer Jörg Greshake beim Weihnachtsgeld „einen Sonderweg“, zu dem er momentan noch keine Angaben machen möchte. Als „soziale Komponente“ schenke Vossloh seinen Mitarbeitern außerdem 100 Euro pro Kind zu Weihnachten.

 Auch im Bankenwesen ist die Zahlung des Weihnachtsgeldes tariflich festgelegt. „Wir zahlen ein dreizehntes Gehalt im November, das aber nicht als Weihnachtsgeld deklariert ist“, sagt Karin Heinicke, Personalchefin der Förde Sparkasse in Kiel. Es handele sich vielmehr um eine Summe, die das ehemalige Weihnachts- und Urlaubsgeld zusammenfasse. Gleiches gilt für die Kieler Volksbank. „Unsere Mitarbeiter erhalten ein dreizehntes Gehalt, verteilt auf die Monate März und Oktober“, sagt Vorstandsmitglied Caroline Toffel. Darüber hinaus gebe es bei der Volksbank zusätzlich ein freiwilliges Weihnachtsgeld, um besonderes Ergebnisse zu honorieren. Es handele sich um eine „pauschale Summe für alle Mitarbeiter“. Zahlen möchte Caroline Toffel jedoch nicht nennen.

 Das Weihnachtsgeld: Offiziell ist es in vielen Unternehmen nicht existent, beziffert wird es äußerst ungern. Auch Olaf Assenheimer, Geschäftsführer der KVP Pharma und Veterinär Produkte GmbH mit rund 500 Mitarbeitern, hält sich bedeckt. KVP zahle ein dreizehntes Monatsgehalt und – abhängig von der Leistung – eine Jahresprämie.

 Die Vater Unternehmensgruppe mit ihren unterschiedlichen Gesellschaften und Vergütungsmodellen spendiert ihren Mitarbeitern statt Geld eine rauschende Feier. „Wir machen jedes Jahr ein großes Fest mit Partnern und Programm“, berichtet Sprecherin Regine Schlicht. Man komme zusammen und stimme sich gemeinsam auf das neue Geschäftsjahr ein. „Das finden wir einfach schöner.“

 Und der Handel? „Bei uns gibt es ein halbes Gehalt im November“, sagt Famila-Sprecherin Bärbel Hammer. Gleiches gilt für das Autohaus Schmidt&Hoffman, auch hier „Sonderzahlung“ genannt. Das Modehaus Meislahn beschert seine Mitarbeiter mit Warengutscheinen für das eigene Sortiment. Bei der Stadt Kiel erhalten Angestellte gestaffelt nach Entgeltstufe laut Tarifvertrag 60 bis 90 Prozent des durchschnittlichen Monatsgehaltes, Beamte der Besoldungsstufen A2 bis A10 bekommen pauschal 660 Euro. Außerdem gibt es für jedes Kind 400 Euro extra. Dann kann Weihnachten ja kommen!