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Eckernförde Rebhühner erobern Natur im Wohld zurück
Lokales Eckernförde Rebhühner erobern Natur im Wohld zurück
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07:00 16.08.2019
Von Cornelia Müller
Werden sie den kleinen Bestand an Rebhühnern in freier Wildbahn zu festigen? Die Jungtiere finden, wie hier, auf Flächen der ehemaligen Kiesgrube Augustenhof in Osdorf gute Bedingungen vor, wenn sie ausgewildert werden. Jagdaufseherin Sorka Eixmann und andere Jäger des Hegerings Dänischer Wohld Ost beteiligen sich an dem Projekt für die Artenvielfalt. Quelle: Cornelia D. Mueller
Osdorf

Ein Regentag, an dem man sich nicht gern hinaus wagt. Trotzdem ist für 15 junge Rebhühner heute Umzugstag nach Augustenhof. Zwei Monate aufgewachsen in Dänemark, geht es zunächst in zwei Transportkäfigen ins vorübergehende Auswilderungsgehege.

Geschützt am Knick, weitgehend unzugänglich, unsichtbar von Straßen und Wegen wartet das Zuhause auf Zeit. Der Blick fällt aus ihrer Perspektive auf ein Paradies: Wildpflanzen aller Art auf magerem Standort, hohes Gras als Deckung, Samen und Körner, die sie mögen werden.

Die ehemalige Kiesgrube in der Gemeinde Osdorf bietet idealen Lebensraum

Sorka Eixmann ist Jagdaufseherin im Revier Augustenhof. Sie öffnet den Kofferraum des geländegängigen Wagens und holt die Boxen mit den Tieren heraus. Landeigentümer ist Wolf-Oliver Graf von Baudissin, auf dessen Gutsflächen sich an dieser Stelle früher eine Kiesgrube befand.

Die Gemeinde will die sich hier üppig entwickelnde Natur bewahren. Da ist man sich einig mit dem Gutsherrn. 

Die Jägerin und ihre Kollegen in den anderen Revieren des Hegerings Dänischer Wohld Ost haben heute alle dasselbe vor. Auch sie bringen je 15 der insgesamt 250 Jungvögel in vorbereitete Gehege, in denen sich die Tiere zunächst zwei Wochen bei geschlossener Tür an die neue Umgebung gewöhnen.

Die Jägerin betreut die Rebhühner am Gut Augustenhof zuerst täglich

„Ich sehe nun jeden Tag nach den Rebhühnern, versorge sie mit Futter und Wasser“, erläutert Eixmann. „Sie werden auch noch beringt. Nach und nach kann ich das Spezialfutter durch Nahrung ersetzen, die der in der Natur gleicht. Dann bleibt das Gehege offen. Ich erwarte, dass die Vögel dann in Kürze ihr Habitat auf eigene Faust erobern.“

Den Hintergrund erklärt von Baudissin: „Heimisches Niederwild, ob Feldhase, Fasan oder Rebhuhn, hat kaum noch Lebensraum in unserer heutigen Kulturlandschaft. Es fehlen Brachland, unzerschnittete Flächen, Vielfalt. Das große Gebiet hier soll daher sich selbst überlassen bleiben.“

Seit Stilllegung der Kiesgrube hätten sich Fasane und Feldhasen wieder angesiedelt. „Jetzt hoffe ich, dass auch das Rebhuhn es schafft. Meine Kinder sollen die heimische Natur in ihrer Vielfalt erleben und schätzen lernen. Was hier geschieht, ist also eine Aufgabe der Hege. Ich bin sehr froh, dass Frau Eixmann sich dafür so engagiert.“

Ganzjährig Schonzeit für Rebhühner im Dänischen Wohld und anderswo

Gejagt werden dürfen Rebhühner nicht. „Sie haben ganzjährig Schonzeit. Daran wird sich nichts ändern“, bestätigt René Hartwig, Sprecher des Landesjagdverbands. Die Dachorganisation unterstützt die Aktion.

Die Hühnchen sind jetzt aus den zwei Boxen gehüpft. Nach einer Kuschelphase in der Ecke wagen sich einzelne ans Futter und mustern das Terrain. Von Baudissin streut nochmals Sägespäne nach. Dann schließt er das Gehege.

Auf dem Rückweg huscht unerwartet eine Gruppe erwachsener Rebhühner vorbei und taucht ins Gebüsch ab. Die Jäger sind beglückt: „Ein gutes Zeichen. Wenn es hier schon eine Population gibt, haben auch die Neuen Chancen.“

Wildtierkataster: Nur 7000 Brutpaare in Schleswig-Holstein

„Der Bestand der Rebhühner ist dramatisch niedrig im Land“, sagt Dr. Ulrich Fehlberg vom Institut für Ressourcenschutz in der Landwirtschaft und Landschaftsökologie an der Uni Kiel. Er betreut das Wildtierkataster. Die Jäger im Landesjagdverband liefern die Daten. Fehlberg: „Gegenüber 1950-60 beträgt der aktuelle Bestand der Art nur drei bis vier Prozent. Wir schätzen ihn auf 7000 Brutpaare.“ Ursachen seien Zerstörung des Lebensraums, Futterverlust durch Artenrückgang, Zunahme natürlicher/eingewanderter Feinde (Fuchs, Marder/Marderhund, Waschbär). Die Schneewinter 1977-79 sorgten für einen Einschnitt, der nie ausgeglichen wurde. „Auswildern ist sinnvoll, wenn der Lebensraum da ist“, sagt er. „Aber man darf sich nicht täuschen: Wenn sich zehn Prozent der Tiere vermehren, ist es ein großer Erfolg.“

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Hier sehen Sie mehr Bilder von der Aktion der Jäger im Dänischen Wohld für den Schutz des Rebhuhns.

Das hätte vor einem halben Jahr niemand zu hoffen gewagt: Ein Uhu, der sich in einem elektrifizierten Stacheldraht schwere Verletzungen zugezogen hatte, wurde am Mittwoch in Schwedeneck wieder ausgewildert. Verbunden mit dem eindringlichen Appell, diese Zäune nicht mehr zu nutzen.

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