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Eckernförde Die etwas andere Großfamilie
Lokales Eckernförde Die etwas andere Großfamilie
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12:36 15.08.2019
Von Jan Torben Budde
Einfach mal vom Alltag abschalten: Der Wittensee liegt nur einen Katzensprung vom Haus der Familie Wallentin entfernt - dort genießt Mutter Alexandra Wallentin (rechts) mit den Sprösslingen die pure Idylle. Quelle: Jan Torben Budde
Groß Wittensee.

Nach dem Trampolinspringen im Garten braucht Nico eine Verschnaufpause. Pflegevater Thomas gibt ihm in der Küche ein Glas Mineralwasser als Erfrischung. Nach drei kräftigen Schlucken düst der Fünfjährige, der seit Mai in der Familie lebt, wieder nach draußen. Jana (11) und Pia (9), es sind Schwestern, wohnen seit 2015 in der Familie. Sie basteln gerade aus Holz, Federn und Muscheln ein Flugzeug.

Ihr Familienalltag lässt sich als lebendig bezeichnen, gleichwohl wollen Alexandra und Thomas Wallentin ihren Kindern ein behütetes Zuhause bieten. Das Ehepaar aus Groß Wittensee hat außer drei leiblichen auch drei Pflegekinder. Während die Mutter als Krankenschwester die Brötchen verdient, schmeißt der Vater den Haushalt. Ohne Geduld, Einfühlungsvermögen und Humor geht es nicht. „Alle müssen mitspielen, sonst funktioniert das nicht“, sagt der 46-Jährige. Seine Frau Alexandra ist überzeugt: „Bei uns ist Bullerbü.“

Wunsch nach großer Familie

„Es dauert etwa hundert Tage, bis ein Kind angekommen ist“, sagt Thomas Wallentin. Das Ehepaar kümmert sich seit 2012 um Pflegekinder. Er ist zwar gelernter Dreher, war früher auf Montage. Doch dann schlug er beruflich einen neuen Weg ein. Er arbeitete in den Eckernförder Werkstätten mit Menschen mit Behinderungen, absolvierte Schulungen zum Kindertagespfleger und im Altenheim zum Pflegeassistenten. Den Wunsch nach einer großen Familie hegte Thomas Wallentin schon lange. „Außerdem möchte ich Menschen helfen“, erklärt er. „Wer sonst, wenn nicht wir?“, fügt seine Frau hinzu. Nach Absprache mit den leiblichen Töchtern Lea-Sophie (22) und Hanna (20) sowie Sohn Thorge (15) entschied sich das Paar, Pflegeeltern zu werden.

Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer

Beide absolvierten ein Seminar in Rendsburg, legten polizeiliches Führungszeugnis und hausärztliches Attest vor. „Auch Haus und Umfeld wurden kontrolliert“, berichtet Thomas Wallentin. Beides lässt sich sehen, ist geradezu idyllisch: Vom 360 Quadratmeter großen Haus, wo die ganze Familie inklusive Eltern des Pflegevaters lebt, ist es ein Katzensprung zum Wittensee. Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer. Es gibt einen großen Garten mit Trampolin, Sandkiste und Pool. Zudem hat die Familie eine Schar an Haustieren: Meerschweinchen, Kaninchen, Schildkröten, Hunde und eine Katze. „Man kann alle streicheln, das beruhigt, man muss sie füttern und eine gewisse Verantwortung übernehmen“, sagt Alexandra Wallentin. Ihr Ziel ist es, dass ihre Pflegekinder später in der Lage sind, selbstständig zu leben.

Bisher fanden schon sieben Mädchen und Jungen bei ihnen ein Zuhause.

Die Kinder kommen oft aus schwierigen Verhältnissen. „In ihrer Entwicklung wurden sie nicht so stark gefördert“, so der Pflegevater. Er spielt auf Kenntnisse im Lesen, Schreiben oder Rechnen ebenso wie auf den Blick für Kleinigkeiten in der Natur an. Defizite gebe es aber nicht nur hinsichtlich des Wissens. „Es gibt Kinder, die kaum Emotionen zeigen“, sagt seine Frau. „Sie lernen bei uns, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.“ Alexandra und Thomas Wallentin sind Langzeitpflegeeltern, haben aber auch schon Kinder kurzzeitig in ihre Obhut genommen. Bisher fanden schon sieben Mädchen und Jungen bei ihnen ein Zuhause. Bevor ein neues Pflegekind durch Vermittlung vom Jugendamt bei ihnen einzieht, tagt der Familienrat. Es folgt dann ein Kennenlernen der leiblichen Eltern. Danach gibt es ein Treffen mit dem Kind auf einem Spielplatz oder am Strand. „Auf neutralem Boden“, sagt Alexandra Wallentin.

Es gebe auch Quengeleien wegen der Bettzeit, verrät der Pflegevater. Doch ohne Regeln und gelegentliche klare Ansagen gehe es nicht. Eifersüchteleien zwischen leiblichen und Pflegekindern hat Alexandra Wallentin bisher nicht erlebt. „Man muss offen über alles reden.“ Mitunter nimmt sich das Paar eine kleine Auszeit, geht ins Kino. Pflegeeltern möchten die Eheleute gern noch lange Jahre bleiben. Dabei blutete ihnen das Herz, als damals der Abschied von ihren ersten Pflegekindern anstand. „Es war kurz vor Weihnachten“, sagt Thomas Wallentin, „für mich brach eine Welt zusammen, ich habe geheult wie ein Schlosshund.“

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