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Eckernförde Kontroverse Diskussion über den Ortskern
Lokales Eckernförde Kontroverse Diskussion über den Ortskern
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07:31 07.11.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Diese Verkehrsberuhigung im Altenholzer Ortsteil Klausdorf hob ein Einwohner beim Runden Tisch als vorbildlich hervor. Unter anderem tragen dort Autos, die rückwärts ausparken, zur Temporeduzierung bei. Radfahrer und Fußgänger teilen sich auf einer Seite der Fahrbahn einen Weg. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Altenholz

Eigentlich wollten die Organisatoren die bisher stets sehr kritische Diskussion über das Zentrum nicht wiederholen, sondern Anregungen für Wege und Verkehrsflächen im Umfeld sammeln. Das gelang nur bedingt.

Fundamentalkritik bleibt

Viele Besucher kritisierten erneut die geplante Verschwenkung des Ostpreußenplatzes und das Verkehrskonzept. Dadurch werde der Ortskern mit seinen Grünflächen zerstört. Eine Initiative von Stifter Bürgern startete noch in der Versammlung eine neue Unterschriftensammlung gegen das Projekt. Schon 2018 hatten die Turmhausbewohner, in deren Richtung die Straße verschoben werden soll, 400 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. 

Situation auf dem Ostpreußenplatz

Wiebke Freudenberg wies als Anwohnerin des Pommernrings darauf hin, dass schon jetzt die Ausfahrt auf den Ostpreußenplatz durch parkende Autos erschwert wird. Diese Gefahr werde durch den Umbau dort und an anderen Stellen noch verschärft, fürchtet sie. So könnte es zu einem Stau kommen, wenn viele Schüler nach Hause radeln und zugleich zahlreiche Autos unterwegs sind.

Andere Altenholzer wiesen darauf hin, dass sie sich bei der bisherigen Trennung von Autos- sowie Fuß- und Radverkehr sicherer fühlen. Stadtplaner Stefan Escosura (AC-Planergruppe) erklärte, aufgrund der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sei es ein wesentliches Ziel, hier die Geschwindigkeit zu reduzieren. Doch bisher sei die Straße auf Tempo ausgelegt: „Da können Sie so viele Schilder aufstellen wie sie wollen.“

Die Rolle der Autofahrer in Altenholz-Stift

Einwohnerin Helga Tewes kritisierte, dass Autofahrer sich häufig nicht an Tempo 30 auf dem Ostpreußenplatz halten. Das führe dazu, dass die anderen Verkehrsteilnehmer eingeschränkt werden. Sie warnte davor, das Sanierungsprojekt einfach abzulehnen, ohne eine Alternative zu nennen.

Die Stifterin schlug vor, bei den Zebrastreifen und an der Ausfahrt Pommernring „Bremsen einzubauen“: zum Beispiel Bepflanzung oder Kunstobjekte. Zudem müssten die Parkplätze vor dem Supermarkt in der bisherigen Form erhalten bleiben. Denn auch rückwärts ausparkende Autos stoppen den Verkehr: „Dann brauchen wir die Straße nicht zu verschwenken.“ Einwohnerin und Gemeindevertreterin Silke Worth-Goertz unterstützte diesen Gedankengang. 

Vorbild Altenholzer Straße

Ein Mann lobte das Vorhaben, den Radweg an der Bundestraße 503 nicht mehr als Angstraum hinzunehmen, sondern attraktiv herzurichten. Weniger gut sei es deshalb, den Ostpreußenplatz durch die gleichberechtigte Nutzung aller Verkehrsteilnehmer zu einem gefährlichen Raum zu machen.

Aus seiner Sicht gibt im Ortsteil Klausdorf ein funktionierendes Modell für eine Verkehrsberuhigung. Dort gilt am Geschäftszentrum rund um den Famila-Markt Tempo 20 auf einer gepflasterten, teils etwas angehobenen Fahrbahn. Daneben, aber klar getrennt teilen sich Radfahrer und Fußgänger den Bürgersteig. Das könne doch auch ein Modell für Stift sein.

Verlegung der Bushaltestelle

Diese soll laut Konzept vom Teich am Herrenhaus ins Zentrum verlegt werden – vor den Edeka-Parkplatz. Denn es sei auch Sanierungsziel, das Ortszentrum zu beleben, erklärte Stefan Escosura. In Sachen Einzelhandel sei das nur begrenzt umsetzbar. Deshalb gehe es darum, viele Besucher auf den Platz zu konzentrieren. Dazu gehörten  die Jugendlichen, die sich bisher an der Bushaltestelle am Rand treffen.

Der Nachwuchs habe den Ortswechsel ins Zentrum bei einer Jugendbeteiligung „sehr begrüßt“, sagte Projektleiter Daniel Kreutz (Big-Städtebau). Eine Einwohnerin, die den morgendlichen Schulbus-Verkehr am Herrenhaus-Teich im Blick hat, zweifelt, ob dafür im neuen Zentrum genug Platz sei.

Ein Mann wies darauf hin, dass laut Verkehrsuntersuchung der Schulweg-Verkehr auf der Westseite der Danziger Straße gebündelt werden soll. Wenn man die Schüler künftig aber auf der Ostseite vor dem Supermarkt absetzt, schaffe man einen Gefahrenpunkt. „Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen“, räumte Moderator Klaus Mensing ein.

Fazit des Bürgermeisters

Er nehme viele konstruktive Hinweise mit, erklärte Carlo Ehrich. Allerdings wunderte er sich über Äußerungen in einer Bandbreite von „passiert hier überhaupt mal was?“ bis zu „wir wollen keine Veränderung“. 

Schon zu Zeiten der 2014 abgebrannten Ladenzeile habe es erhebliche Leerstände in Stift gegeben. Danach habe man sich jahrelang bemüht, einen Nahversorger anzusiedeln. Man habe sich gemeinsam entschieden, in die Städtebauförderung einzusteigen, um den Ortskern zu beleben: „Wollen wir nicht versuchen, dabei modern zu denken?“

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