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Eckernförde Bleibt der Bahnsteig-Umbau halbe Sache?
Lokales Eckernförde Bleibt der Bahnsteig-Umbau halbe Sache?
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06:08 16.11.2018
Von Cornelia Müller
Der Bahnhof Gettorf ist ganz und gar nicht barrierefrei. 2019 soll der Mittelbahnsteig endlich umgebaut werden. Jetzt muss der Fahrdienstleiter noch die Kette öffnen und Gehbehinderten übers Gleis helfen. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Gettorf

 „Dass es losgeht, darüber sind wir froh. Aber dass der nötige Zugang vom Mühlenplatz nicht gebaut werden soll, enttäuscht“, sagt Marco Koch (CDU), Chef des Bauausschusses der Gemeinde.

Das Gremium musste jetzt trotz allem positiv Stellung beziehen, damit der Umbau in absehbarer Zeit überhaupt realisiert wird.  „Sonst hätten wir das Projekt wohl ganz vergessen können“, sind Koch und Kollegen sicher.

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Heute muss der Fahrdienstleiter in Gettorf noch die Sperrkette öffnen

Die gut frequentierten Regionalzüge aus Kiel und Eckernförde begegnen sich zur halben und vollen Stunde in Gettorf. Auf Gleis eins steigt man vorm Bahnhofsgebäude aus und ein.

Die Sperrkette vor Gleis zwei muss der noch hier stationierte Fahrdienstleiter, der Weichen und Schranken bedient, öffnen, sobald der Kieler Zug gehalten hat.

Doch die Stufen vom Gleisbett auf den Bahnsteig sind unüberwindbar für Rollstühle und ein großes Hindernis für Gehbehinderte. Ihnen hilft der Fahrdienstleiter hinüber. Rollifahrer müssen mit dem Taxi weiter.

Der Mittelbahnsteig wird fürs Einsteigen in beide Richtungen verbreitert

Den Bahnsteig am Gleis zwei will die DB verbreitern und – wie in Kiel-Suchsdorf – mittels s-förmiger Rampe barrierefrei zugänglich machen. Ergänzt wird auch ein Unterstand.Die Schienen vor dem Bahnhof müssen dafür leicht verschwenkt werden.

Aus- und Einsteigen ist dann nur auf dem Plateau zwischen den Gleisen möglich. Angepeilt ist der Umbau parallel zu ersten Arbeiten 2019 für den Neubau der Levensauer Hochbrücke.

Ohnehin ersetzen in der Zeit Busse die Bahn. Bis dahin erfolgt auch die Automatisierung der Stellwerks- und Schrankentechnik. Die Fahrdienstleiterstelle in Gettorf fällt dann weg.

Auch der Verkehrsverbund Nah.SH fordert zwei Zugänge

Knackpunkt: Die meisten Gettorfer wohnen jenseits der Gleise. Sie müssen erst im Bogen die Übergänge Herrenstraße oder Bergstraße queren.Koch: „Das könnte man jetzt gleich ändern. Vom Mühlenplatz hätte man schnellen Zugang über Gleis zwei zum neuen Mittelbahnsteig.“

Nah.SH unterstützt die Forderung, beißt aber ebenfalls auf Granit. „Leider hat sich die DB AG bei der weiteren Konkretisierung der Planungen wenig kooperativ gezeigt“, heißt es im Schreiben an Bürgermeister Hans-Ulrich Frank (CDU).

Bahn AG argumentiert mit zu hohen Hürden gegen die Erleichterung

Der Konzern habe „ein Gebirge angeblich unüberwindbarer Rahmenbedingungen aufgetürmt“. Nah.SH habe großes Verständnis für die Verärgerung in Gettorf, bittet aber dennoch um Zustimmung. „Nur so ist es möglich, bereits 2019 die Barrierefreiheit zu erreichen“.

Ganz wollen Gettorfs Politiker die Hoffnung noch nicht aufgeben. Sie hoffen, dass sich die Bahn mittelfristig doch noch von einem zweiten Zugang überzeugen lässt.

Hier sehen Sie mehr Bilder vom Bahnhof in Gettorf.
Rainer Krüger 15.11.2018
Christoph Rohde 15.11.2018
Tilmann Post 15.11.2018