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Eckernförde Mastsetzen mit Ruhe und Konzentration
Lokales Eckernförde Mastsetzen mit Ruhe und Konzentration
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07:00 15.04.2019
Von Cornelia Müller
Hochsensibel: Der Verklicker, der auf Segelbooten die Windrichtung zeigt, ist beim Mastsetzen in Gefahr. Gerhard Schmidt kann ein Lied davon singen.  Quelle: Cornelia D. Mueller
Eckernförde

Hafenmeister Sven Drewes vom Segelclub Eckernförde (SCE) ist so einer. Sieben Grad Celsius, grauer Himmel, Wind aus West am Sonntagvormittag. „Sven, die Suppe wird kalt“, ruft jemand von der riesigen Bootshalle III herüber.

Der Hafenmeister des viertgrößten Segelclubs in Schleswig-Holstein nickt und schließt das Büro im Container unter dem Bootskran ab. „Erstmals genug gekrant“, sagt er. „Heute ist es entspannt. 14 Schiffe sind seit dem Morgen drinnen, die Halle ist schon mal leer. Gestern war mehr Gewühl.“

Im Segelclub Eckernförde sind Skipper trotz Kälte emsig 

Obwohl der April den Clubmitglieder am Sonnabend die kalte Schulter zeigte und das Quecksilber nur auf drei Grad kletterte, drängelten sich am Vortag Bootseigner mit Helfern zwischen Halle eins und Kran. Drewes blieb wie immer völlig gelassen.

Er ist es, der die Schiffe per Kranhaken von den Winterlagerböcken hievt. Jeweils einer seiner Helfer aus dem Klub transportiert sie mit dem Spezialtrecker heran. Sanft fährt er dann die Tonnenlasten an der Schiene des Portalkrans über die Kaimauer und senkt sie ins Wasser.

Jetzt gerade ist aber der Mastkran Objekt der Begierde aller Skipper, deren noch mastlose Boote seit Stunden oder Minuten wieder schwimmen. Sie und ihre Crews dürfen das große blaue Gerät mit den schweren Kurbeln selbst bedienen.

Der Verklicker auf dem Mast reagiert höchst sensibel auf Fehler

Wenn man genau weiß wie, scheint das auf den ersten Blick einfach. „Ist aber trotzdem so ’ne Sache“, brummelt „Schmiddi“ alias Gerhard Schmidt. „Ich sag’ nur Verklicker!“ Dann zieht er routiniert mit zwei Schlüsseln die Muttern unter dem Windanzeiger auf dem Masttopp fest.

Der Mast selbst ruht noch auf Holzböcken in erster Reihe vor dem Kran. Der filigrane Anzeiger, im Fachdeutsch Verklicker, ist wichtigster Assistent beim Segeln. Er verrät auf einen Blick, wie das Tuch eingestellt werden muss und ob die Crew auch ohne zu kreuzen Kurs halten kann.

Problem: Wird der noch am Haken hängende Mast nicht sachte in die Senkrechte geführt oder betritt ein Helfer unbedacht das schwankende Boot unter dem Mast, „dengelt garantiert was dagegen und köpft den Verklicker“, klärt Schmidt auf. „Wie viele Dinger ich bei meinem Boot in 50 SCE-Jahren versenkt habe, geht auf keine Kuhhaut.“

Nur Segeln auf der Ostsee ist für manchen das Echte

„Irgendwas ist immer“, winkt Segelkumpel Siegfried Poppe ab. Dabei grinst er und bleibt mindestens so ruhig wie der Hafenmeister. Lange waren „Siggi“ und „Schmiddi“ Liegeplatznachbarn.

Inzwischen hat Schmidt – im Klub als Skipper mit den selbst aquarellierten Logbüchern bekannt – sein Boot abgegeben. Jetzt steht er dem Freund zur Seite. „Ich habe viel von ihm gelernt“, sagt Poppe. „Ich bin erst in der 14. SCE-Saison, wohne in Bottrop. Vor der Pensionierung war ich in Holland auf dem Wasser, aber das hier ist das Echte.“

Ein stolzer Blick fällt auf seine „Coronado“, eine ältere Ketsch von 10,60 Meter Länge mit holzbelegtem Cockpit. Das Duo wird sich gleich dem Anbringen der Saling und der Wanten widmen.

Segler halten auch vor Beginn der Wassersportsaison zusammen

„Dürfen wir vor?“, fragt jemand dazwischen. „Wir könnten kurz mal unseren Mast setzen, wenn ihr noch Zeit braucht.“ Regattasegler Hinnerk Blenckner und Crew haben die „Jalapeno“, eine schnelle J 105, samt Mast schon komplett fürs Setzen. Poppe nickt. „Macht mal!“

Dafür muss der schwere Alumast der „Coronado“ aber weg. Kein Problem für die Sechs von der J 105. Kurzerhand packen alle an, heben Poppes Mast an und setzen ihn weiter hinten auf dem Platz vor dem Kran wieder auf Böcke. Hafenmeister Drewes hat das zufrieden beobachtet. Er hat Recht: Heute ist einfach alles entspannt im SCE.

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