Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Eckernförde Beim Segeln spielt Handicap keine Rolle
Lokales Eckernförde Beim Segeln spielt Handicap keine Rolle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:02 29.09.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Menschen mit und ohne Behinderungen starteten am Sonntag auf dem Wittensee beim „1. Venture-Cup der Inklusionspiraten“. Thomas Preuhsler, Vizevorsitzender des Vereins Meer bewegen, hatte die Veranstaltung organisiert. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Groß Wittensee

Die „Inklusionspiraten“ vom Verein „Meer bewegen“ haben zum ersten „Venture-Cup“ eingeladen. Dieser wird auf barrierefrei ausgerüsteten „RS Venture Connect“-Booten gesegelt. Ob die Teilnehmer ein körperliches, ein geistiges oder gar kein Handicap haben, ob sie viel oder wenig Segelerfahrung mitbringen: Das spielt hier keine Rolle. Eher schon das Wetter: Noch rollen die Wellen mit weißen Schaumkronen über den Wittensee. Auch beim Training am Vortag wehte es ordentlich. Es wird auch den ganzen Tag über relativ windig bleiben.

Großes Lob für die Helfer

Silke schiebt ihren Rollator über den Steg Richtung Bootseinstieg. Die 53-jährige Pinnebergerin ist an Multipler Sklerose erkrankt. Sie segelt sporadisch, war aber schon als Kind mit ihren Eltern auf dem Wasser unterwegs: „Ich werde überhaupt nicht seekrank“, sagt sie lachend zum Wetter. Es falle ihr eigentlich schwer, Hilfe anzunehmen, erzählt sie. Doch ohne Unterstützung kommt sie nicht ins Boot – und auch dort geht es „nur mit Vertrauen“.

Und das hat sie ins rührige Helferteam des "Venture-Cups": „Hier kriegt man Hilfe mit ganz viel Herz – die bekommen eine Eins plus“, schwärmt die 53-Jährige. Wenig später sitzt sie mit zwei weiteren Mitseglern im Boot – los geht’s! Gesteuert wird das Boot übrigens von den beiden Schalensitzen aus.

Teilnehmer mit und ohne große Erfahrung

Der 21-jährige Benedict kommt, wie einige weitere Teilnehmer, vom Hamburger Verein St. Pauli. In seinem Alltag arbeitet er in den Norderstedter Werkstätten als Gärtner. „Die Freiheit“ ist es, die er am Segeln schätzt. Der hochgewachsene Hamburger schließt den Gurt seiner Weste, lächelt strahlend.

Drinnen im Clubhaus wartet Lillemor Köper, die bisher nur zwei, drei Mal zum Schnuppersegeln mit dem FC St. Pauli auf der Alster unterwegs war – und am Vortag zum Training auf dem Wittensee. „War gut“, sagt sie. So eine Wettfahrt sei aber schon was anderes, findet die 35-Jährige.

Seit einem Fahrradunfall vor elf Jahren ist sie querschnittgelähmt. Beim "Venture-Cup" sind viele Rollifahrer dabei. Um an diesem stürmischen Tag ins Boot zu kommen, wählen sie ganz unterschiedliche Techniken. So nutzt zum Beispiel ein Rollifahrer eine Yoga-Matte, um sich darüber aufs Boot zu ziehen.

Gäste aus Hamburg

Lillemor Köper vertraut hingegen den helfenden Händen von Thomas Preuhsler, stellvertretender Vorsitzender von Meer bewegen, und Johannes Löschke. Der 32-jährige Hamburger ist mit dem Blindenstock unterwegs: Er verfügt nur über „minimalste“ Sehkraft. Zum Segeln kam er durch seine Frau Nadine, die im Rollstuhl unterwegs ist. 

Normalerweise segeln die beiden ebenfalls auf der Alster in Hamburg: „Da ist viel mehr los, viel mehr Lärm.“ Auf dem Wittensee höre man hingegen nur das Wellengeräusch: „Hier ist es ruhig, man ist mit sich und dem Boot beschäftigt.“ 

Wenige Regatten für Menschen mit Handicap

Die Kielerin Nora Neuenroth segelt seit ihrer Kindheit. Heute sitzt allerdings ihre Tochter Emma in einem der Boote. Die Zehnjährige gehört zu den Teilnehmern ohne Handicap. „Ich finde es wichtig, dass Emma alle Spielarten des Lebens kennenlernt“, erklärt die Mutter. Sie selbst engagierte sich 2018 bei den Special Olympics in Kiel in der Segelleitung. Die Regatta auf dem Wittensee findet sie „cool. Es gibt nicht so viele Regatten für Menschen mit Handicap.“

Auf dem Schwimmsteg wartet bereits die Altenholzerin Ingrid Thiel auf die Rückkehr ihres Sohnes Alexander. Er segelt im selben Boot wie Emma, ist aber auf den Rollstuhl angewiesen. Das Segeln sei allerdings eine Ausnahme, weil im Alltag zu aufwendig, erklärt seine Mutter: Normalerweise schwimmt ihr Sohn.

Organisator Thomas Preuhsler bereitet Rennen vor

Vorne am Bootssteg bereiten Organisator Thomas Preuhsler und Wettkampfleiter Dieter Gerngroß gerade das nächste Rennen vor, als eines der Boote immer näher Richtung Ufer segelt. „Fock auf, Fock auf“, ruft der 33-jährige Preuhsler immer wieder nachdrücklich in sein Funkgerät: „Es ist flach“, warnt er die Crew, die dann doch noch gerade rechtzeitig die Kurve kriegt.

Dann beginnen die Startvorbereitungen für die nächste Wettfahrt. Normaler Regattastress eben. „Wir sind froh, dass es überhaupt klappt angesichts der Wettervorhersage“, sagt der Mitgründer von Meer bewegen.

Landtagspräsident Schlie überreicht Wanderpokal

Nach fünf Wettfahrten und einem Finale lagen am Ende Susanne Krause, Ulf Gerlach und Silke Foßeck vorne. Landtagspräsident Klaus Schlie überreichte ihnen den von ihm gestifteten Wanderpreis und fand auch für Veranstaltung lobende Worte. Und auch Thomas Preuhsler sagt, er habe sehr viel positives Feedback bekommen. Er kann sich vorstellen, das Wettfahrtenformat fortzuentwickeln – nur sollte der Termin doch etwas näher an den Sommer rutschen.

Verein: Meer bewegen

Anfang 2015 gründeten die beiden Nautiker Eike Ketzler und Thomas Preuhsler den Verein Meer bewegen in Borgstedt. Ziel der gelernten Schiffsmechaniker war es, Segler und Menschen mit Behinderung zusammenzubringen. Denn beim Segeln geht es um Teamarbeit und Vertrauen. Ihnen ging es dabei durchaus auch um den sportlichen Aspekt des Segelns.

Allerdings sind Boote alles andere als barrierefrei, vor allem für Menschen mit Gehbehinderung: Die Räume sind eng und dicht gepackt mit Zubehör, die Leinen zur Steuerung der Segel an unterschiedlichen Stellen angebracht. Doch dank einer Sonderausstattung namens „Sailability Kit“ können auch Rolli-Nutzer die Boote von zwei sportlich geschnittenen Stühlen aus über einen Joystick lenken.

Auch die Leinen zur Steuerung der Segel sind nicht mehr an den gewohnten Stellen zu finden: Sie werden zu einem zentralen Punkt mit Umlenkrollen und Klüsen geführt. Zudem sind die Boote quasi kentersicher, da anstelle des Schwerts unter dem Kiel eine sogenannte Bombe hängt. Seit Mai kooperiert der Verein mit der Seglervereinigung Kiel (SVK), um auch Menschen mit Handicap in der Landeshauptstadt Kiel regelmäßiges Segeln zu ermöglichen. 

Weitere Nachrichten aus der Region Eckernförde finden Sie hier.

Eine rätselhafte Blutspur beschäftigt die Polizei in Gettorf. Ein Zeuge hatte am Sonntag, 29. September, gegen 0.40 Uhr einen Verkehrsunfall in Gettorf gemeldet. Als die Beamten an der Unfallstelle eintrafen, fanden sie nur eine beschädigte Leitplanke und Blutspuren. Jetzt werden Zeugen gesucht.

Annemarie Heckmann 29.09.2019

Es ist die letzte Ruhestätte des Grafen von Noer und seiner Gemahlin Carmelita. Ihre Särge stehen in einem Mausoleum, dessen Kuppel als sternenreicher Nachthimmel gestaltet ist. Zu dem Grabbau am Schloss Noer bot die Heimatgemeinschaft Eckernförde am Sonnabend einen Ausflug an.

Jan Torben Budde 29.09.2019

Weiß-blaue Gaudi im Golfclub Gut Uhlenhorst in Dänischenhagen: Fesche Madln und feierlustige Buam von der Ostseeküste ließen es im Festzelt auf einem Oktoberfest mächtig krachen. Bei Schweinshaxe und Leberkäs’-Burger, einer Maß Bier und einem Glas Weißwein kam ganz schnell „Wiesn“-Atmosphäre auf.

Jan Torben Budde 29.09.2019