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Eckernförde Die Ente aus Strande will immer mit
Lokales Eckernförde Die Ente aus Strande will immer mit
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11:46 24.08.2018
Von Manuela Schütze
Nach sieben Wochen haben sie Kleinarnold am Strand erfolgreich zu Flugversuchen animiert. Heute dreht die Stockente ganz normal ihre Flugrunden, wie jede andere Ente. Quelle: Manuela Schütze
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Strande

Es war Sonntag der 16. August vor drei Jahren, 6.30 Uhr morgens. Annette Brandner (48) ist joggen, ihr Mann Martin (60) beim Angeln. Er fängt nichts, sie findet ein Ei. „Als ich beim Restaurant im Strander Jachthafen vorbei kam, lag davor, offen im Gras, ein Ei“, erinnert sie sich lebhaft. Sie habe alles im weiten Umkreis abgesucht, Rasen und Hecken geprüft, ein Gelege war nicht zu finden.

Die 48-Jährige hatte 2001 den Jagdschein gemacht, wusste, dass es ein Entenei war. „Ich hatte immer großes Interesse an Wildtierkunde. Besonders Flugwild hat mich fasziniert“, erzählt die studierte Grafik- und Kommunikationsdesignerin. Zur Jagd gehe sie seit 2005 nicht mehr, sagt sie bestimmt. Und nun das Entenei. Was tun? Enten brüten im März, für dieses Ei war es die falsche Jahreszeit. Der Hafenbereich ist sogenannter befriedeter Bereich, das heißt, hier ruht die Jagd, einen zuständigen Jäger gab es nicht. Liegen lassen kann und will sie das Ei nicht „es war noch leicht warm“.

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Sie nimmt es mit nach Hause, legt es in eine Kiste mit Gras, stellt alles unter eine wärmende Rotlichtlampe und setzt sich daneben. Fast zwei Tage lang haben die beiden angehenden Enteneltern das Ei leicht feucht gehalten, es beständig gedreht. Am 18. August knackt das Küken die Schale auf. Es wiegt weniger als 20 Gramm. „Wir hatten uns vorher in Enten-Foren informiert. Als Futter war dort eine Mischung aus hartgekochtem Eigelb, Wasser und Vollkornhaferflocken empfohlen. Der Schnabel war so klein, da passte noch nicht einmal eine einzelne aufgeweichte Haferflocke hinein, wir haben die Flocke stückchenweise gefüttert“, erzählt Entenpapa Brandner.

Wärme und ständiger Körperkontakt

Noch am Schlüpftag sind sie mit dem kleinen Federball in den Kieler Botanischen Garten gefahren, „damit sie Licht erlebt. Dort gibt es keine Hunde, aber saftiges Gras.“ Später hätten sie sie noch ins Wasser einer Vogeltränke gesetzt. Wärme und ständiger Körperkontakt wären zu Beginn besonders wichtig gewesen. Nach sieben Wochen haben sie Kleinarnold am Strand erfolgreich zu Flugversuchen animiert. Heute dreht die Stockente ganz normal ihre Flugrunden, wie jede andere Ente. „Wir haben versucht, sie auszuwildern, aber es klappt nicht, sie kommt immer zurück. Wir haben auch festgestellt, dass sie andere Enten, auch Erpel, nicht erkennt.“

Bei den beiden Schilkseern erhält sie Futter, Schutz und Zuwendung. Mittlerweile wiegt die Stockente rund 900 Gramm, liebt besonders die kleinen, gelben Innenblätter des Eisbergsalates. Gefüttert wird sie mit Spezialfutter für Zuchtgeflügel aus dem Landhandel. Täglich ist das Ehepaar mit seinem Schützling am Strand zum Schwimmen, auch im Winter. Ob einkaufen oder Arbeit, Kleinarnold will mit. Beide arbeiten als Selbstständige, daher ist vieles machbar. Auf der Straße werden sie häufig angesprochen. Die meisten finden die Ente „süß“, auch der tätowierte Rocker wurde weich und ging buchstäblich in die Knie.

Kleinarnold ist eine drei Jahre alte Stockente. Annette Brandner hatte das noch warme Enten beim Joggen im Strander Hafen gefunden. Nachdem keine Gelege zu dem es gehörte, zu finden war, nahm sie es mit nach Hause und legte es unter eine Rotlichtlampe. Zwei Tage später schlüpfte das Entenkücken.
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