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Eckernförde Wenn die Nachbarn nur noch Gäste sind
Lokales Eckernförde Wenn die Nachbarn nur noch Gäste sind
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06:12 02.03.2019
Von Christoph Rohde
Immer mehr Ferienwohnungen in der Altstadt. Den Bewohnern geht zunehmend die Nachbarschaft verloren. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

Rita Hansen wohnt seit 33 Jahren in der Gudewerdtstraße. In dem Sechs-Parteien-Haus gibt es sie noch, die Nachbarschaft. Denn hier sind Mieter und keine Urlauber zu Hause. Doch rundherum schießen die Ferienwohnungen wie Pilze aus dem Boden. Die Gäste kommen und gehen. Die Eigentümer leben meist woanders, „haben keinen Bezug zur Altstadt“, bedauert Hansen. Vor sechs, sieben Jahren, da habe es angefangen mit dem Touristen-Boom. „Man kommt sich langsam fremd vor im eigenen Viertel“, sagt die 74-Jährige.

Früher war das anders. Da kannten die Bewohner ihr Gegenüber, achteten aufeinander. Ein Schnack an der Haustür, Nachbarschaftshilfe – das gehörte hier zum Leben dazu. Doch Nachbarn in der Gudewerdtstraße werden immer weniger. Und die Neuen, die Gäste auf Zeit, bleiben anonym. Das soziale Gefüge fängt an zu kippen. Hansen hofft, dass diese Entwicklung die politisch Verantwortlichen zum Handeln bringt. Sie meint, auch Eckernförder müssten in der Altstadt wohnen können, besonders Künstler würden sie beleben.

Über 100 Ferienwohnungen summieren sich in der Altstadt

Wie viele Ferienwohnungen es inzwischen im historischen Viertel gibt, weiß keiner so genau. Mitglieder des Altstadtvereins haben darum vergangenen Sommer selbst die Initiative ergriffen, gingen die Gassen ab, achteten auf Schilder. Das Ergebnis: Über 100 Ferienwohnungen summieren sich in der Gudewerdtstraße und den angrenzenden Straßen und Gängen. 43 von ihnen sind nach Angaben des Vereins bei der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH (ETMG) registriert. 60 bis 70 frei Vermarktete kommen noch dazu. „Soweit Ferienwohnungen von außen zu erkennen sind“, schränken die Altstadtschützer ein. Sie mahnen: „Hier geht wichtiger Mietwohnraum verloren“.

Nicht mitgezählt ist das Apartmenthaus an der Hafenspitze mit seinen 42 Ferienapartments sowie weitere 39 Wohnungen in den Neubauten (103 Wohnungen), die die Eigentümer in Ferienwohnungen umwidmen wollen. Diese Masse stieß zuletzt auch der Eckernförder Kommunalpolitik sauer auf. Sie erließ in der vergangenen Saison eine vorübergehende Veränderungssperre für die Hafenspitze. Denn nach Vorstellung der Stadt sollten nur rund zehn Prozent der Hafenspitzen-Wohnungen für Urlauber nutzbar sein. Auch für viele Eckernförder ist der Tourismus am Limit: Bei einer repräsentativen Befragung sprachen sich 68 Prozent für eine Begrenzung auf den Status quo aus.

Vom kleinen Gästezimmer bis zur teuren Hafen-Wohnung

Nach Angaben der Verwaltung gibt es 323 bekannte Ferienwohnungen in der ganzen Stadt. Doch die Gesamtzahl dürfte höher liegen, wie die Recherchen des Altstadtvereins zeigen. Schon wer im Internet auf Vermittlungs-Seiten wie Airbnb stöbert, bekommt unter Eckernförde „über 300“ Unterkünfte in Stadt und Umland serviert. Vom kleinen Gästezimmer für 16 Euro bis zur 130 Quadratmeter großen Hafenspitzen-Wohnung für 115 Euro.

Was aber tun, damit Eckernfördes Altstadt nicht zur Ferienwohnanlage wird? „Handlungsbedarf ist da“, sagt Bürgermeister Jörg Sibbel. Politik und Verwaltung beschäftigen sich bereits mit der Thematik. So ermöglicht der Paragraph 13A der Baunutzungsverordnung seit vergangenem Jahr eine Steuerung der Entwicklung von Ferienwohnungen. „Aber nur nach begründeten städtebaulichen Kriterien“, ergänzt der Verwaltungschef. Einvernehmen gebe es im Bauausschuss, dass zunächst die Fortschreibung des Tourismuskonzepts abgewartet werden soll. „Danach können wir die Zunahme von Ferienwohnungen bewerten“, so Sibbel.

Tourismus-Entwurf soll zum Sommer vorliegen

Im Sommer soll ein beschlussreifer Entwurf zur künftigen Tourismusentwicklung vorliegen. Anschließend will die Verwaltung städtebauliche Kriterien für die Steuerung erarbeiten. „Wir betreten damit Neuland“, sagt der Bürgermeister. Denn die Verteilung der Urlauberquartiere muss auch begründet sein. Konsens ist, dass in Neubaugebieten wie der Schiefkoppel Ferienwohnungen bereits von vornherein ausgeschlossen werden. Konsens ist aber auch, dass die Altstadt einen sensiblen und schützenswerten Bereich darstellt. Neu eingerichtete Ferienwohnungen müssen genehmigt werden und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen. „So verfahren wir zurzeit“, sagt Sibbel.

Bei auffälligen Verdichtungen, wie an der Hafenspitze, kann die Stadt zum scharfen Schwert der Veränderungssperre greifen. Doch die gilt dann für alle genehmigungspflichtigen Bauvorhaben in einem betroffenen Bereich – nicht nur für Ferienwohnungen.

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