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Eckernförde Ökö-Bäckerei ist tief verwurzelt im Dorf
Lokales Eckernförde Ökö-Bäckerei ist tief verwurzelt im Dorf
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06:00 08.06.2019
Von Cornelia Müller
Geschafft, aber glücklich nach einer langen Backnacht kurz vor dem Fest zum 30-jährigen Bestehen als Dorfbäckerei: Bäckermeisterin Gundel Halver, Dieter Schlieger-Halver sowie Bäcker Patrick Tomé und Mitarbeiterin Margarete Panten (von rechts). Quelle: Cornelia D. Mueller
Schinkel

Das war mutig Ende der 1980er Jahre: Zwei Sozialpädagogen mit Kind, die seit 1978 in Schinkel wohnen, schmeißen den Beruf. Gundel Halver und Dieter Schlieger-Halver sind frustriert, dass Engagement in Bürgerinitiativen nicht den Verzicht auf Kernkraft nach sich zieht.

Sie wollen nicht länger „nur reden, sondern tun“ – im eigenen Umfeld. Sie macht eine Bäckerlehre in der ersten Öko-Bäckerei in Kiel, ist erste Vollkornbäcker-Azubi überhaupt.

Auch ihr Partner ist beseelt davon, ein kleines Alternativmodell für die Alltagswelt im Einklang mit der Umwelt aufzubauen. Die Idee von der ökologischen Vollkornbäckerei Kornkraft ist geboren.

Brotgetreide aus der Region Schinkel

Dahinter steht der Wunsch, nur Getreide von kleinen Höfen rund ums Dorf zu verarbeiten. Ein junger Bäckergeselle aus dem Kieler Betrieb, Rüdiger Machande, steigt sofort mit ein.

Vielleicht spielt dem Trio zusätzlich in die Hände, dass „Bäcker Kruse“, wie der Dorfladen in Schinkel damals heißt, längst keine eigenen Brötchen und Brot mehr verkauft. Franz Kruse starb 1981. Ehefrau Irma Kruse führt das Geschäft als Tante-Emma-Laden bis 1993 weiter, und sie wird auch Kornkrafts Ware mit verkaufen.

„Schon vor der Bäckerlehre hatte ich zum ersten Mal ein Brot gegessen, dass mich glücklich machte: Vollkorn, ökologisch angebaut, kurze Zutatenliste und so richtig lecker. Ich hatte auf einmal eine klare Vorstellung, was Lebensmittel bedeutet“, erzählt Bäckermeisterin Halver.

Kornkraft-Bäckerei entwickelt Reinheitsgebot fürs Brot

„Leben heißt nicht, sich irgendwie zu ernähren. Für mich bedeutet unser Lebensmittel Brot so viel Geschmack und Genuss wie möglich, so wenige Zutaten wie nötig. Die müssen ausgezeichnet, vollwertig, natürlich, ökologisch, regional sein. Rüdiger hat dafür einen Begriff, den wir lieben: Reinheitsgebot fürs Brot.“

Dass dabei in der Backstube mit extrem viel Handarbeit und einem Minimum an maschinellem Einsatz Nacht für Nacht so viele Brötchensorten entstehen würden, Kuchen und Festtagsgebäck 30 Jahre weggehen würden wie warme Semmeln, ahnten die Drei nicht.

Auch nicht, dass Feinschmecker-Magazine ihre Brotpalette wiederholt auszeichnen würden. Dass das Deutsche Brotinstitut der kleinen Dorfbäckerei den Goldstandard für Dinkelbrote verleihen würde.

Bäckerhandwerk soll in Schinkel traditionell bleiben

Wie erreicht man das allein mit Vollkorngetreide, Wasser, Salz, Mehl, Sauerteig, Hefe, Backferment? Verkaufsleiter Schlieger-Halver lächelt. „Traditionelles Bäckerhandwerk “, sagt er nur.

Und sie, die Betriebsleiterin, ergänzt: „Das geht nur, wenn du vom Korn lernst. Jedes Jahr hat Getreide andere Bedingungen, reagiert anders. Wir geben dem Teig manchmal unendlich Zeit. Das Brot schult uns. Ich habe nie ausgelernt.“

Reich sind weder die Chefin noch Bäckermeister Machande, die oft allein in der Backstube standen, noch der Co-Chef damit geworden. „Aber zufrieden“, sagen sie strahlend.

Betriebe der Ökoregion Schinkel beteiligen sich am Jubiläum

Die Bilanz zählt: Engagierte Mitarbeiter fanden sie in drei Jahrzehnten für den nächtlichen Knochenjob, für den Verkauf auf Wochenmärkten, im Laden an der Bäckerei, der sich zum Mini-Biomarkt entwickelte, in der Filiale Eckernförde.

Viele Vollkornbäcker haben sie ausgebildet, das Erzeugernetz Öko-Region Schinkel mit initiiert, den Dörpsmarkt begründet, sich im Dorf engagiert, legendäre Kornkraft-Partys mit Kunden gefeiert.

Das Jubiläum am Sonntag setzt den furiosen Schlussakkord. 66-jährig dürfen die Halvers ihre Nachfolger vorstellen: Julia Scharbacher und Bäcker Tjak-Erik Barkmann, genau 40 Jahre jünger, werden Kornkraft Schinkel in Kürze weiterführen – nach dem Reinheitsgebots fürs Brot.

Programm zum Jubiläum in Schinkel

Die ökologische Vollkornbäckerei Kornkraft in Schinkel feiert ihr Jubiläum und den Neubeginn für die Nachfolger mit dem Dorf und Gästen. Am Pfingstsonntag, 9. Juni, beginnt der Tag mit einem kurzen Festgottesdienst in der Kirche, den die Basisgemeinde Wulfshagenerhütten in der Kirche Schinkel hält. Um 11 Uhr ist um die Bäckerei in der Raiffeisenstraße herum die Festmeile aufgebaut. Nach Ansprachen und Grußworten (12 Uhr) folgt die feierliche Betriebsübergabe (13 Uhr) an Julia Scharbacher und Tjak-Erik Barkmann Um 16 Uhr beginnt das bunte Kornkraftfest mit Kinderspielen, Hüpfburg, Marktsständen, Veggiemobil, Ziegenbratwurst-Grill, Quiz und Tag der offenen Tür in der Maschinenwerkstatt Martin Kurse sowie beim Tat-Team (Zeltmodulhersteller), beide neben der Bäckerei.

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