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Eckernförde Segeln über Grenzen hinweg
Lokales Eckernförde Segeln über Grenzen hinweg
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17:28 06.08.2019
Von Christoph Rohde
In Eckernförde bereitet sich die Brigg „Roald Amundsen“ auf die Ostsee-Saison mit Teilnahmen an Kieler Woche und Hanse Sail vor. Quelle: Christoph Rohde
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Eckernförde

Im Hafen des Ostseebads absolvierte die Stammcrew jetzt ihr turnusmäßiges Sicherheitstraining, bevor es zur weiteren Ausbildung auf See geht. Regelmäßig mit an Bord sind auch russische Jugendliche.

„Veter i Volny“ heißt soviel wie Wind und Wellen. Unter diesem Namen läuft seit vier Jahren ein russisch-deutscher Jugendaustausch zur See. Ist die politische Lage zwischen beiden Staaten derzeit auch schwierig, so soll die Begegnung unter Jugendlichen über Grenzen hinweg darunter nicht leiden. „Sail Training, das ist Völkerverständigung“, sagt Ulrich Komorowski, einer der ehrenamtlichen Kapitäne. Seefahrt sei schon immer international gewesen und die Besatzungen bunt gemischt.

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Manche finden hier Freunde fürs Leben

Für jeweils sieben bis zehn Tagen nimmt die Brigg 15 russische und 15 deutsche Jugendliche mit an Bord. Dazu gibt es Dolmetscher, denn die Sprache auf dem Schiff ist Deutsch. Letztlich sei die Verständigung aber kein Problem, sagt Kristina Sonnenberg, die als Deckshand bei der Stammcrew mitfährt. Im Gegenteil, es hätten sich auf der „Roald“ schon Freunde fürs Leben gefunden, die auch nach dem Törn Kontakt miteinander hielten, sagt die 26-jährige Studentin aus Dresden.

Um den Einstieg zu erleichtern, ist das Bordbuch mit den Segelanweisungen ins Russische übersetzt. „Das einzige deutsch-russische Segel-Werk überhaupt“, sagt Komorowski nicht ohne Stolz. Es gibt sogar Anfragen von Buchhandlungen aus St. Petersburg. Pro Jahr nehmen 180 Jugendliche an den internationalen Begegnungsfahrten teil. Darüber hinaus nutzen Schulen das Schiff als schwimmendes Klassenzimmer für ein bis zwei Wochen. Und alle zwei Jahre wird die „Roald“ zur Hochsee-Highschool, nimmt für sechs Monate Schüler samt Lehrer an Bord.

Frankfurterin ließ sich vom Windjammer-Virus infizieren

Weiter haben ganz normale Mitsegler jeden Alters, die sogenannten Trainees, die Möglichkeit, auf der Brigg das Windjammer-Segeln aktiv zu erleben und mit anzupacken. „Jeder trägt dabei auf seine Art zum Gelingen bei“, sagt Svantje Utsch. Die 48-jährige Frankfurterin ist seit zwölf Jahren vom Großsegler-Virus infiziert. Schon als Schülerin habe sie die Beseglung auswendig gelernt, erzählt sie. „Vom praktischen Segeln aber hatte ich keine Ahnung.“ Das änderte sich, als sie mit ihrem Mann auf der „Roald“ zunächst als Trainee, dann als Mitglied der Stammcrew einstieg. Nach wie vor ist sie vom speziellen Gemeinschaftsgeist an Bord begeistert. „Man lernt unmittelbar. Gerade für Jugendliche ist es eine Erfahrung, hier wirksam zu sein.“

Der Törnplan sieht für dieses Jahr nach Klassenfahrten unter Segeln unter anderem auch Schnuppertörns Anfang Mai ab Eckernförde vor. Nach der Kieler Woche nimmt die „Roald“ am Tall Ship Race nach Norwegen (Bergen) teil. Anschließend folgt die Hanse Sail in Rostock. Weitere Törns führen in die Ostsee bis nach St. Petersburg, bevor es im Winterhalbjahr wieder in wärmere Gefilde geht. Anfang 2020 sind Panama und Kuba Höhepunkte einer Atlantik-Überquerung Richtung Karibik.

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