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Eckernförde Diskussion: Integration stößt an Grenzen
Lokales Eckernförde Diskussion: Integration stößt an Grenzen
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18:56 01.12.2016
Von Cornelia Müller
Wie hier an der Theodor-Storm-Schule Kiel, wo Radoslav, Sherzad, Marzia, Nana, Klaudiusz, Araz (v.li.) Deutsch lernen, sind die Schüler hoch motiviert. Extrem schwierig wird es für viele beim Übergang aus der Daz-Klasse in die Regelklasse. Quelle: Frank Peter
Eckernförde

Mit Andrang hatte der SPD-Ortsverein gerechnet bei der offenen Diskussion mit der Ministerin. Um höchstens drei Vertreter pro Lehrerkollegium hatten die Genossen vorab gebeten. Tatsächlich sind etliche Schulleiter gekommen – und etwa 20 Parteimitglieder. So blicken nicht nur der Vorsitzende Jonas Kramer und seine Truppe, die sich mit Heiner Petersen als Moderator intensiv zur Bildung in Eckernförde umgehört und Meinungen von Eltern gesammelt haben, erstaunt in die kleine Runde. „Auch ich bin überrascht“, reagierte Ernst. „Dass es nicht viel Uneinigkeit gibt, ist ja ein Zeichen der Bestätigung.“

 Nach 45-minütigem Aufriss aktueller Themen wie Kriterien für Berichtszeugnisse, Ausbau der Ganztagsschule oder Vergleichsstudien zu guten Deutsch- und Englischleistung wie miserablen Mathekenntnissen der Schüler im Lande betont die Politikerin: „Trotz aller Debatten belegen Umfragen, dass unsere Schüler mit ihren Schulen zufrieden sind.“ Und der Abbau des Lehrerfehlbedarfs in Höhe von 1600 Planstellen komme gut voran. „In spätestens drei Jahren haben wir überall 100 Prozent Unterrichtsversorgung.“

Anerkennendes Nicken bekommt die Rednerin für den sachlichen Vortrag. Dann legt Dirk Söhren, Leiter der Peter-Ustinov-Gemeinschaftsschule, den Finger in eine Wunde: Daz – Deutsch als Zweitsprache. Die schmerzt alle seine Kollegen. „Solange die Kinder und Jugendlichen im Basisunterricht sind, läuft alles. Sie sind sehr motiviert, Deutsch zu lernen. Es gibt dafür Lehrerstunden und gut vorbereitete Kollegen“, führt er aus. „Doch wenn wir sie nach einem Jahr in die regulären Klassen übernehmen, stehen wir vor unlösbaren Problemen. Wir haben dafür keine einzige Stunde zusätzlich. Das Gros der Flüchtlingskinder kann dem Unterricht noch lange nicht folgen. So funktioniert Integration nicht.“ Bettina Köpke, Rektorin der Richard-Vosgerau-Schule, bestätigt das ebenso wie die stellvertretende Leiterin der Fritz-Reuter-Schule, Sabine Herrmann. Dass die Schulen 12 000 Schüler zusätzlich unterrichten, hat Ernst selbst dargelegt.

 Britta Ernst hält dagegen, sie höre bisher „nur, dass die Integration an Schulen gut läuft“. Die Schulleiter haben die Erklärung: Die Schulen, die gerade Platz hätten, bekämen extrem viele Flüchtlingskinder zugewiesen. „Wir haben eine ungleiche Verteilung, so dass einige Schulen viel zu stark gefordert sind.“ Gespräche mit dem Schulträger seien bisher erfolglos. Die Politikerin verspricht, das Thema mit in die Fachgremien zu tragen.

 Das nächste Fass macht Holger Bohrmann, Leiter des Förderzentrum Pestalozzischule auf. „Wegen der Konzentration von Einrichtungen für Kinder mit Behinderungen in Eckernförde, schaffen wir es nicht, alle Kinder integrativ zu beschulen. Ich bin großer Befürworter der Inklusion, aber wir stoßen an Grenzen“, führt er aus. Dass der Schule dennoch zehn Planstellen gestrichen wurden, sei nicht nachvollziehbar. „Wir bekommen nicht mal Antwort auf die Anfrage.“ Die Ministerin bestätigt: „Ja, wir müssen bei Heimkindern genauer hinsehen. Schleswig-Holstein hat eine sehr gute Inklusionsquote, die noch wächst. Ich bekenne mich dazu, dass es Kinder gibt, für die das nicht die richtige Unterrichtsform ist.“

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