Büffeln unterm Blätterdach: So läuft Unterricht im Schulwald Surendorf
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Büffeln unterm Blätterdach: So läuft Unterricht im Schulwald Surendorf

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11:08 23.09.2020
Von Jan Torben Budde
Büffeln unterm Blätterdach: Grundschule Surendorf belebt Schulwald wieder. Im selbst angelegten Steinhaufen lassen sich prima kleine Krabbeltiere beobachten: Sophia, Bo (Mitte) und Oskar sind im Schulwald ganz bei der Sache.
Büffeln unterm Blätterdach: Grundschule Surendorf belebt Schulwald wieder. Im selbst angelegten Steinhaufen lassen sich prima kleine Krabbeltiere beobachten: Sophia, Bo (Mitte) und Oskar sind im Schulwald ganz bei der Sache. Quelle: Jan Torben Budde
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Das Büffeln im Wald ist ihnen lieber als der Unterricht im Klassenzimmer, gestehen die Viertklässler Mats und Paul ohne Umschweife. Zwischen den Bäumen für ein Projekt auf Schneckensuche zu gehen, das gefällt den Entdeckern.

Stolz zeigen ihre Mitschüler Oskar und Sophia einen Steinhaufen, den die Kinder für Krabbeltierchen angelegt haben. „Für Eidechsen und so“, erklären die Grundschüler, die gleich nebenan zum Beobachten hocken. 

Gerade in Corona-Zeiten habe sich der Schulwald bewährt, berichtet Rektorin Jessica Knop. Der Lernort unterm Blätterdach lasse sich vielfältig nutzen – egal, ob es nun in Mathe um Baumhöhen gehe oder in Kunst mit Naturmaterial gebastelt werde. „Wenn es im Sommer heiß war, fand der Deutschunterricht auch mal im Wald statt“, so die Schulleiterin. Dafür gibt es im geschätzt gut 2000 Quadratmeter großen grünen Klassenzimmer, das bloß einen Katzensprung vom Schulgelände entfernt liegt, eigens einen Sitzkreis mit Holzklötzen.

Grundschule Surendorf: Schulwald musste wieder auf Vordermann gebracht werden

In den 1990er-Jahren war die grüne Oase auf einer Koppel an der Seestraße auf Initiative eines Lehrers entstanden. Sein Sohn habe damals noch als Grundschüler mitgewirkt, erzählt Bürgermeister Sönke-Peter Paulsen (CDU) beim Ortstermin. Später geriet das Wäldchen jedoch in Vergessenheit – bis Schulsozialarbeiterin Maike Doerenberg das lauschige Flecken Erde wieder ins Bewusstsein brachte. Allerdings war schnell klar: Der Wald muss nach all den Jahren wieder auf Vordermann gebracht werden.

Die Schule nahm Kontakt auf zur Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Ein Ziel des Landesverbandes ist es, alte Schulwälder - und damit die Idee des Unterrichts im Grünen – zu retten. Vorsitzende Christel Happach-Kasan: „Gerade in der jetzigen Zeit ein unverzichtbares Projekt, da das Bewusstsein für Wald und Klima in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen werden muss und wird.“

Grundschule Surendorf: Einer von noch etwa 100 Schulwäldern

Waren es vor Jahrzehnten landesweit rund 1000 Schulwälder, sind es jetzt noch etwa 100. Der Besuch in Surendorf zeige, so Christel Happach-Kasan, dass die Schulwaldidee lebe. „Momentan reden alle von der Digitalisierung“, merkte Stellvertreter Johann Böhling aus Strande an, „doch Schüler sollten auch der Unterschied zwischen Buchen und Eichen kennen.“

Der SDW-Landesverband unterstützt jährlich zwei Schulen mit 1000 Euro für den Kauf von Unterrichtmaterialien. In Suredorf wurden davon laut Rektorin Knop unter anderem Astsägen, Lupen und Fachliteratur angeschafft. Dass das Geld in Surendorf gut angelegt ist, davon hatte sich Britta Gehlhaar von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Kooperationspartnerin der Schutzgemeinschaft, bei einem Besuch überzeugt. Die Folge: Im vergangenen Jahr beseitigten Forstwirte den ärgsten Wildwuchs im Surendorfer Schulwald.

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„Das haben die Kinder damals mit großer Faszination verfolgt“, berichtete Jessica Knop. Danach packten die Schüler mit der Unterstützung von Lehrern, Hausmeister und gemeindlichem Bauhof auch selbst an. Dabei entstanden unter anderem ein neues Eingangstor, Zäune, ein Fühl-Parcours und besagter Steinhaufen für Kleintiere.

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