Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Eckernförde Radwege, Zentrum, Verkehr in der Kritik
Lokales Eckernförde Radwege, Zentrum, Verkehr in der Kritik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:42 29.05.2019
Von Cornelia Müller
Wie sehr Gettorf ins Grüne eingebettet ist, das sich bis ins Zentrum zieht, sieht man am besten von oben. "Eine Qualität, die man berücksichtigen und weiterentwickeln muss bei der Ortsplanung", sagen die Planer. Die Bürger sehen es genauso. Quelle: Cornelia D. Mueller
Anzeige
Gettorf

Ein erstes Abtasten soll es sein von Seite der AC-Planergruppe. Sie soll den Beteiligungsprozess im Auftrag der Gemeindevertretung Gettorf und der für diesen Prozess gegründeten Arbeitsgruppe aus Bürgermeister, Fraktions- und Ausschussvorsitzenden organisieren, gestalten und zum Erfolg führen.

Kurz nach Beginn der Sitzung im proppenvollen Saal des Hotels Stadt Hamburg müssen sogar noch Stühle herein getragen werden. Über 100 Besucher - und es geht nicht etwa um ein Thema, das alle aufregt.

Anzeige

Die schon lange geplant Einwohnerversammlung, in der im Anschluss auch das Engagement der Gemeinde für ein Dörpsmobil auf der Agenda steht, ist fast eine Punktladung. Kürzlich hat die  Gemeindevertretung den Auftrag "Bürgerbeteiligung Masterplan" an die Stadt- und Landschaftsplaner aus Itzehoe erteilt.

Bürger von Gettorf werden in Wokshops die wichtigen Themen erarbeiten 

Landschaftsarchitekt Martin Stepany und Städteplanerin Grit Awiszus geben eine erste Einführung, was Beteiligung der Bürger bedeutet. Von den Planern moderierte und strukturierte Workshops soll es geben, in denen Einwohner mitreden bei der Weichenstellung für das Gettorf von morgen.

Themen werden sie zunächst festlegen, die ihnen wichtig sind. Danach soll es um Vorschläge für die Umsetzung gehen, Möglichkeiten müssen ausgelotet werden. Ihre Vision von einer lebenswerten Gemeinde, die sich bald an der Schwelle zur Kleinstadt befindet, dürfen mitarbeitende Bürger ebenso formulieren wie Kritik am aktuellen Stand.

Heute ist nur ein erstes Stimmungsbild gefragt. "Wir wohnen noch nicht lange hier", berichtet eine Einwohnerin. "Mir sind gleich die engen Radwege aufgefallen, die man sich mit Fußgängern teilt und in beiden Richtungen befährt. Die Süderstraße ist da ein Brennpunkt." Sofort pflichten andere bei.

Ist Gettorf eine Schlaf-Gemeinde oder ein lebenswerter Wohnort?

"Auch der viel zu schnelle Lastverkehr in Richtung Rendsburg ist ein Thema", ergänzt ein anderer. Eine junge Gettorferin bemängelt, dass viele hinzugezogene Familien "in der Gemeinde selbst nicht angekommen sind". Man sehe sie mit ihren Kindern nie im Ortskern.

Andere kritisieren: "Das Zentrum ist bis auf Wochenmarkt und Supermärkte tot. Treffpunkte verlagern sich zu Aldi, Edeka, Lidl und Rossmann." Ein Mann hebt "den schönen alten Baumbestand und das viele Grün" hervor, das man nicht großen Bauflächen opfern dürfe. Mit Entsetzen habe er in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen ansehen müssen, "wie der ganze Grüngürtel zugepflastert wurde".

Tourismus soll in Gettorf belebt und Grünflächen unbedingt erhalten werden

Das touristische Angebot für Gäste ausbauen, Senioren und Jugend im Blick behalten,  Generationen zusammenbringen, Mietwohnungen schaffen, eine weitere Sporthalle bauen werden spontan genannt.

"Was wir gemeinsam im Zeitraum von neun Monaten erarbeiten, hat verbindlichen Charakter", erläutert Stepany. "Die Workshops und zusätzliche Themen-Arbeitsgruppen, wenn sie gewünscht sind, sind aber kein Wunschkonzert. Es geht um realistische Ziele, von denen alle etwas haben."

Am Ende des Prozesses, den auch die politischen Gremien begleitet haben, stehe ein Zukunftskonzept, "auf das sich die Gemeinde verbindlich festlegen wird." Dass sich die Gettorfer schon in der Einwohnerversammlung vor Beginn des eigentlichen Prozesses so rege eingebracht haben, wertet er als "sehr gutes Zeichen".

Alle Nachrichten aus der Region Eckernförde finden Sie hier.

Hier sehen Sie mehr Bilder zum Thema Masterplan Gettorf.
Rainer Krüger 28.05.2019
Dieter Behrens 28.05.2019
28.05.2019