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Eckernförde Neuer Besitzer würde Gasthof verkaufen
Lokales Eckernförde Neuer Besitzer würde Gasthof verkaufen
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08:12 27.07.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Prägendes Duo im Zentrum von Dänischenhagen: der denkmalgeschützte Gasthof und der majestätische Baum. Der historische Gasthof steht von außen und innen unter Denkmalschutz. Quelle: Ulf Dahl
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Dänischenhagen

Das erklärte Detlev Koch, Technischer Leiter der Baugesellschaft Strande in Altenholz, die das etwa 4000 Quadratmeter große Grundstück im Frühjahr gekauft hatte, auf Anfrage. Über die Gestaltung der Fläche mit dem von außen und innen geschützten Gasthof habe man sich bisher noch keine Gedanken gemacht.

Es geht um vier Gebäude

Detlev Koch verfolgte als Zuhörer die Sondersitzung des Bauausschusses, in der über die Voranfrage für ein Doppelhaus und drei Einzelhäuser beraten wurde. Bürgermeister Horst Mattig (SPD) hatte die Sitzung einberufen, um für die zentrale Fläche ein Meinungsbild aus der Kommunalpolitik zu bekommen und um die Öffentlichkeit einzubeziehen.

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Tatsächlich war die Sondersitzung in den Ferien auch gut besucht. Vor allem Anwohner erhofften sich Informationen über das Bauvorhaben. Sie wünschen sich eine moderate Bebauung, nachdem es für das Areal in der Vergangenheit schon Ideen für eine höhere Bebauung gab.

Gasthof steht unter Denkmalschutz

Die zweigeschossigen Gebäude mit Spitzdach würden laut Bauvoranfrage auf der Fläche rechts neben dem historischen Gasthof entstehen – dort, wo derzeit unter anderem noch der alte Parkplatz liegt. Die Zufahrt soll direkt neben dem Gasthof verlaufen. Grundsätzlich dürfte auf diesem Areal eine Bebauung wohl auch leichter umzusetzen sein als bei der denkmalgeschützten Eiche.

Da es für die Fläche aber keinen Bebauungsplan gibt, gilt hier Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Demnach wären Projekte zulässig, die sich nach „Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung“ einfügen.

Fügt sich Vorhaben in die Umgebung ein?

Nach Einschätzung der Verwaltung fügen sich zwar das Doppelhaus an der Mühlenstraße und das Einfamilienhaus dahinter ein, die beiden weiteren Gebäude aber nicht. „Wenn es Ablehnungsgründe gibt, muss das Vorhaben abgelehnt werden“, erläuterte der Bürgermeister: Dabei sei die Zahl der Gründe unerheblich.

Das Bauvorhaben betrifft auch Wegerechte von Anwohnern. Der stellvertretende Bauausschuss-Vorsitzende Christian Seifert (CDU) wies darauf hin, dass die Gemeinde darauf keinen Einfluss habe: „Darüber müssen die jeweiligen Grundstückseigentümer verhandeln.“

Gemeinde hat Interesse an der Gestaltung im Zentrum

Auch die WIR sah Gründe für eine Ablehnung der Bauvoranfrage. WIR-Vertreter Thomas Waldeck regte an, „Kontakt zum neuen Eigentümer aufzunehmen, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen“. Denn die Gemeinde habe ja auch ein Interesse an der Gestaltung des Areals.

Der „Gasthof zur Eiche“ gehört zu den letzten prägenden Gebäuden des alten Dorfkerns in Dänischenhagen. Die Wurzeln gehen wohl auf das 16. Jahrhundert zurück. Das markante Vorderhaus stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Festsaal hinten entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Der Gasthof ist seit 2010 geschlossen, seine Zukunft offen.

Frage der Alternativen

Horst Mattig erklärte nach der Sitzung, bislang sei sein Eindruck ebenfalls, dass das Einvernehmen zu versagen sei. Er wolle die Eindrücke aus dem Bauausschuss aber noch einmal mit der Verwaltung besprechen, ehe er eine Empfehlung an den Kreis als zuständige Behörde gibt. 

Danach wolle er Kontakt zum Flächeneigentümer aufnehmen. Es sei die Frage, ob dieser sich auch Alternativen bei der Bebauung vorstellen könne: „Oder ob wir gemeinsam etwas entwickeln können – das könnte ja auch für ihn von Vorteil sein.“ Ziel wäre dabei möglichst, über die gesamte Fläche und nicht nur den bislang unbebauten Teil zu sprechen. 

Besitzer will Verwaltungsjuristen einschalten

Detlev Koch erklärte allerdings gegenüber KN-online, kein Interesse an einem gemeinsamen vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu haben. Er geht davon aus, dass sich die vorgeschlagenen Gebäude „eindeutig“ in die Umgebung einfügen. Dazu will er auch den Rat eines Verwaltungsjuristen einholen.

Hohe Hürden für Aufgabe eines Denkmals

Der Gasthof zur Eiche in Dänischenhagen wurde nach Angaben des Landesamtes unter Denkmalschutz gestellt, "um ihn zu langfristig als wertvolles materielles Zeugnis erhalten." Einer theoretisch möglichen Aufgabe eines Denkmals seien "sehr hohe Hürden vorgeschaltet". Der Eigentümer müsse dafür die Unzumutbarkeit der Erhaltung nachweisen.

Diese bezieht sich nach Angaben des Denkmalschutzes "auf die nicht gegebene technische Erhaltungsfähigkeit und die daraus resultierende wirtschaftliche Unzumutbarkeit". Beides sehe man aber bei dem "Gasthof zur Eiche" in Dänischenhagen als keinesfalls gegeben an. 

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