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Eckernförde 3000 gehen für Strandpartys auf die B 76
Lokales Eckernförde 3000 gehen für Strandpartys auf die B 76
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20:20 08.09.2019
Von Cornelia Müller
Etwa 3000 Menschen demonstrieren in Eckernförde für den Erhalt von auch lauteren Partys am Südstrand. Quelle: Cornelia D. Mueller
Eckernförde

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns den Spaß versaut!" Der abgewandelte Slogan der Bewegung Fridays for Future ist schon der radikalste Spruch, den die gut aufgelegten Demonstranten rufen.

Dass es 3000 werden würden, die für Partys und Open-Air-Festivals am Strand auf die Straße gehen, macht den Veranstalter Gerrit Baumeister und seine Mitstreiterin Heidi Krassowski "echt sprachlos". Mit gut 500 Unterstützern hatten sie gerechnet, vorsichtshalber 1000 angemeldet.

Die Facebook-Gruppe "Pro Kultur! Für Konzerte und Partys am Südstand", die Freizeit-DJ Baumeister initiiert hat, hat jetzt sogar schon 6000 Mitglieder.

Die Demo am Südstrand Eckernförde ist streng reguliert

Krassowksi findet die Worte schnell wieder, als sie vor den Massen am Strandpavillon ans Mikrofon tritt. Schnell zählt sie die Demo-Regeln auf: "Keine Beleidigungen, den Namen des Klägers nicht nennen, keine Verunglimpfungen, keine Pyrotechnik und Farbbeutel. Bitte haltet euch daran, sonst wird die Demo abgebrochen."

Ironisches Raunen geht durch die Menge, gespieltes Mitleid mit dem Kläger. Die hochgehaltenen Transparente sind tatsächlich zahm. "Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist, wenn der Boden unter den Füße bebt", ist ein Songtext von Herbert Grönemeyer auf dem Spruchband zittert.

Unter diesem Spruchband führen Baumeister und Krassowski den Zug an. Vorher  werfen sie kurze Schlaglichter auf andere große Sommerpartys am Wasser: Kieler Woche, Open-Air-Konzerte in Heiligenhafen oder in Damp. "Dort sind Kliniken. Man sagt, dass die Feste den Patienten gut tun", ruft Krassowski. "Aber hier wirft uns jemand vor, dass wir ihn krank machen."

Im Protestzug vor dem Sandkrug sind viele Familien und Senioren

Aus den Lautsprecherboxen heizt in moderater Lautstärke Stimmungsmusik ein. Großeltern mit Enkeln schunkeln mit. Familien schieben Kinderwagen. Vor dem Zug postieren sich Seniorinnen aus dem Betreuten Wohnen an der Reeperbahn, die mit ihrem Elektromobil oder dem Rollator gekommen sind.

"Es ist doch wichtig, dass wir dabei sind", unterstreicht Renate Petersen. "Am Kurpark gab es ja auch so einen, den es immer gestört hat, wenn andere fröhlich sind. Fürchterlich!"

Auch die Politik macht mobil. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix ist fasziniert. "Toll, dass Eckernförde sich so sehr engagiert", sagt er. Wilfried Wagner, Chef des Wirtschaftskreises Eckernförde, trötet an der Zugspitze mit.

Vertreter der Politik aus Eckernförde und dem Land demonstrieren mit

Bernd Hadewig, FDP-Ratsherr, und Barbara Devi von den Linken, die auch den Beirat von Menschen mit Behinderungen vertritt, sind sich einig wie selten: "Wir vertreten die Bürgerrechte!" Dabei ist auch der FDP-Landtagsabgeordnete Stephan Holowaty aus Hohenwestedt

Als kommunalpolitischer Sprecher macht er "die Spitze eines Eisbergs" aus. "Es greift um sich, mit  Paragrafen geselliges Leben und Festkultur im Lande zu zerstören", betont er. "Das ist ein Landesthema."

Baumeister hat es angekündigt: Vor dem Sandkrug gibt es eine Schweigeminute, und sein neunjähriger Sohn Jaret liest eine Frage an den Kläger vor: "Warum spielst du nicht mit deinen Enkelkindern, statt am Computer böse Briefe zu schreiben?"

Beifall brandet auf. Von einigen Balkonen oder Fenstern des Sandkrugs winken offenkundige Unterstützer der Aktion.

Initiator will einen Verein für Party-Kultur am Strand Eckernförde gründen

40 Polizisten sehen lächelnd zu, wie die Menge pünktlich nach einer Stunde wieder zum Strand zieht und sich langsam auflöst. Baumeister hat eine Band engagiert, die auf kleiner Flamme ein paar engagierte Lieder zum Abschied spielt.

"Ein wunderbares Ereignis", zieht einer der privaten Ordner Bilanz. Es ist Pastor Michael Jordan. "Politik und Juristen sind gefordert, eine Lösung zu finden", findet er.

Und Initiator Baumeister? "Ich bin überwältigt", sagt er strahlend. "Als nächstes werden wir einen Verein gründen, damit die Kultur am Südstrand im Fokus bleibt."

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