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Eckernförde Riesebyer protestieren für die Alte Post
Lokales Eckernförde Riesebyer protestieren für die Alte Post
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14:56 16.08.2019
Von Rainer Krüger
150 Demonstranten gingen am Donnerstag in Rieseby gegen den Verkauf der von vielen Vereinen genutzten Alten Post auf die Straße. Quelle: Rainer Krüger
Rieseby

Die Demonstranten gingen auf die Straße, um nicht auf die Straße gesetzt zu werden. Bei ihnen handelte es sich um Mitglieder und Unterstützer von Vereinen und Initiativen, die das kommunale Gebäude der bislang gratis nutzen können.

Emotionen gingen hoch vorm Tagungsort

„Stoppt den Verkauf der Alten Post! Schmeißt uns nicht raus aus diesem Haus, sonst sieht es im Dorf bald traurig aus!“, gaben Andrea Magnusson und Michaela Schulz vom DRK-Ortsverband zum Start an der Alten Post den Sprechchor vor. Auf dem Weg zum Riesby Krog, dem Tagungsort der Gemeindevertreter, erklang er noch mehrfach. Vorm Krog bezogen die Demonstranten Position. Insbesondere wenn Mitglieder der CDU und der Wählergemeinschaft Rieseby (WGR) eintraten, gingen die Emotionen hoch. Dann ertönte ein Konzert von Pfeifen und Vuvuzelas.

Auch Gesangsverein nutzt die Alte Post zum Proben

Die Klubvorsitzenden Waltraut Folge (DRK-Ortsverein), Karl-Heinz Lappöhn (Verein für Museums- und Chronikarbeit) und Lothar Oetken (Gesangsverein Rieseby) hatten zur Demo aufgerufen. Denn der Antrag sah vor, dass die Alte Post bis zum 1. November beziehungsweise 1. Dezember geräumt sein muss, damit ab 1. Januar 2020 der Verkauf möglich ist. Unter anderem sind dort die DRK-Kleiderkammer, das DRK-Soziallager sowie die Bücherstube und das Archiv des Museumsvereins untergebracht. Auch der Gesangsverein nutzt die Alte Post zum Proben.

Magnusson und Schulz formulierten die Ziele der Demonstranten im Detail. So sollte erst ein Raumnutzungskonzept für Vereine in der Gemeinde Rieseby erstellt werden, ehe die Alte Post verkauft werde. „Wir fordern, dass nicht der zweite Schritt vor dem ersten Schritt gemacht wird“, so die beiden. In diese Richtung ging auf der Sitzung auch ein Antrag, denn die SPD-Gemeindevertreter Jens Kolls und Martin Schlierkamp formulierten. Sie nannten keinen Auszugstermin. Zudem hätte sich am Donnerstag ein Sponsor gefunden, der ein Jahr lang die Unterhaltungskosten fürs Gebäude tragen würde. Laut Enrique Ruiz-Hampel liegen sie bei 8500 Euro pro Jahr. Ebenso wie Frank Dreves und Frank Frühling von der WGR erläuterte Ruiz-Hampel der Verkaufsantrag. „Wir wollen, dass der Ortskern belebt bleibt – und zwar wirtschaftlich“, sagte er. Zudem seien Verkaufspläne schon seit Jahren immer wieder angesprochen worden. Er legte dar, dass jeder betroffene Verein zudem fünf Jahre lang mit Sonderzuschüssen gefördert werden soll.

Knappe Mehrheit für den Verkauf

Einen neuen Aspekt in die teilweise hochemotionale Debatte brachte Thorsten Bastian (SSW). Denn wegen zu geringer Schülerzahlen könnte es sein, dass die Dänische Schule in Rieseby 2020 schließt. Wenn das der Fall ist, würde die dänische Minderheit den Vereinen Raume im Schulgebäude zur Verfügung stellen. Das Angebot beeinflusste die Entscheidung. Nach einer Beratungspause sah der Antrag eine Räumung bis zum 31. August 2020 vor. Er wurde mit einer 11:9-Mehrheit angenommen. CDU und WGR überstimmten die Vertreter von BVR, Grünen, SPD und SSW. Folges spontaner Kommentar zum Votum: „Ihr zerstört unsere Vereinsarbeit“.