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Eckernförde Kunden wollen keinen Kassenbon
Lokales Eckernförde Kunden wollen keinen Kassenbon
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09:47 09.01.2020
Von Cornelia Müller
Wochenmarktkundin Christiane Dürrbaum hat immer ihr eigenes Netz für den Obst- und Gemüseeinkauf dabei. Quelle: Cornelia D. Mueller
Gettorf

Ein Dienstag im Januar. Am kleinen Gemüsestand, an dem Krzísztof Zolínski heute zum ersten Mal im Auftrag seines Chefs aus Kiel verkauft, hat die Elektronik noch gar nicht Einzug gehalten. Hier steht ein kleines abschließbares Kästchen für die Geldscheine, daneben die Holzlade mit Fächern fürs Kleingeld.

Auch mit klammen Fingern, die Markthändler an diesem Tag automatisch bekommen, kann er Wechselgeld flott herausgeben. Ganz altmodisch. Ganz wie Kinder den Marktstand mit dem dick eingemummelten Händler hinter den Obst- und Gemüsekisten malen würden. Ein Bon kommt in dem Bild gar nicht vor.

Kunden beschäftigen sich mehr mit der Frage nach dem Beutel

Zolínski stammt aus Polen und steht sonst auf dem Vinetaplatz in Kiel-Gaarden. All die bürokratischen Regeln sind an seinem Stand so fremd wie aus einer anderen Welt. Eher geht es hier um Plastik-, Papier- oder gar keine Beutel für die Ware. Ein Kundin zieht Gemüsenetze und Baumwollbeutel aus ihrem Einkaufskorb. Kartoffeln, Äpfel, Bananen, Petersilie, Weintrauben sind im Nu sicher darin verstaut.

Bezahlen und wieder los. Dass alles heute schnell bei ihr gehen muss, spürt man. „Ich kaufe immer auf dem Markt und in den Unverpackt-Läden in Kiel. Milch hole ich immer beim Bauernhof, in der Pfandflasche“, sagt sie rasch. „Ich will all diese Verpackungen nicht mehr.“ Trotz vorbildlicher Verpackungsmoral bleibt sie lieber anonym.

Verpackungen werden häufig abgelehnt

Marktverkäufer Zolínski nickt. Dass Kunden immer häufiger die Plastik- oder Papiertüte für Obst und Gemüse ablehnen, fällt ihm auch auf. Heute, an seinem ersten Tag in Gettorf, scheint das besonders ausgeprägt. „Die Hälfte“ der Einkäufer nehme eine Verpackung sonst noch an. Auch er muss sich umstellen, tut es aber gern.

Prompt landen die nächsten Bananen noch in der Tüte, denn die Kundin hat nichts gesagt. Sie nimmt die Früchte wieder heraus, gibt den Beutel „zum Wiederverwenden“ zurück und holt die Einkaufstasche aus der Ablage ihres Kinderwagens hervor.

Eigenes Gemüse- und Obstnetz ist im Trend

Am großen Nachbarstand von Marco Böttiger und Familie aus Dätgen bei Nortorf das gleiche Spiel. Christiane Dürrbaum aus Gettorf hat sich mit Möhren und Kartoffeln eingedeckt. Dafür kommt „natürlich mein Gemüsenetz“ zum Einsatz.

Sie kauft am liebsten an Marktständen, „weil Frische und Qualität unschlagbar sind und ich keinen Plastikkram mitnehmen muss“, bekennt sie. „Sollte ich nun aber einen Bon mitnehmen müssen, würde der Umweltschutz wieder zunichte gemacht. Das wäre absurd.“

Kassenbons werden meist nicht mitgenommen

Was sie nicht sieht: Aus der elektronischen Registrierkasse mit Waage, die Anika Böttiger und Mitarbeiterin Katia Lienemann bedienen, quillt längst eine papierne Kassenbon-Schlange bis zum Boden. Denn auch für Markthändler gilt: Wer so ein System hat, muss auch ausdrucken. Und registriert wird der Einkauf ohnehin – ob der Kunde den Bon annimmt oder nicht. Das war auch schon vor 2020 so.

Wer aber als Verkäufer eines Kleinbetriebs an seinem Stand nach alter Sitte weiter auf eine „offene Ladenkasse“ – also ohne Technik – setzt, muss seine Einnahmen wie bisher schriftlich und nachvollziehbar dokumentieren. Für viele Marktstände und Imbissbuden ändert sich also nicht viel. Will der Kunde einen Beleg, müssen auch diese Händler eine Quittung ausstellen.

Petra Siebert von Benings Fischstand vom Wittensee zuckt gelassen die Schultern. Auch an ihrem Tresen spuckt die Kasse nach jedem Kauf einen Bon aus, und das nicht erst seit gestern. Mancher Kunde nimmt ihn, die meisten lassen es.

„Vielleicht ändert es sich ja wieder, sodass man nicht auch für ein Brötchen den Beleg angeboten bekommt“, ist sie optimistisch. Viel interessanter findet auch sie, „dass immer mehr Kunden beim Einkauf von Fisch, Fleisch und Käse ihre Dosen mitbringen“. Das sei zwar noch nicht in jedem Betrieb abgesichert und offiziell zugelassen.

„Aber ich bin sicher: Der eigene Behälter setzt sich durch.“ Die beiden Frauen am Gemüsestand aus Dätgen helfen da gern ein bisschen nach: Ihre Kunden bekamen zu Weihnachten Gemüsenetze geschenkt. Und bevor sie Tüten füllen, fragen sie immer, „ob’s auch ohne geht“.

Wochenmarkt Gettorf: Fußgängerzone Eichstraße, Kirchhofsallee, Markt, Dienstag 8-14 Uhr, Freitag 8-12 Uhr (April bis September ab 7 Uhr)

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