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Eckernförde Einmal falsches Parken: 288 Euro
Lokales Eckernförde Einmal falsches Parken: 288 Euro
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16:46 09.07.2019
Von Christoph Rohde
Wenige Minuten Parken, die teuer geworden sind: Catharina Friedrichs aus Eckernförde ist sauer über hohe Forderungen eines Inkasso-Unternehmens. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

Was war geschehen? Friedrichs wollte eine Sendung aus einem DHL-Paketshop in der Gaehtjestraße in Eckernförde abholen. Da das Paket unhandlich war, parkte sie ihr Auto in einem Hof hinter dem Gebäude. Ein fataler Fehler. Denn sie hatte das Schild mit der Aufschrift „Privatparkplatz, kein Parken/Halten, kostenpflichtig“ übersehen. Sie bestreite nicht ihr Fehlverhalten, räumt die Eckernförderin ein. Doch sie habe niemanden zugeparkt, nur kurz ihr Auto abgestellt und sei davon ausgegangen, dass der Hof zum Paket-Shop gehöre. Das Verbotsschild sei relativ klein gewesen.

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Worüber Friedrichs sich ärgert, ist die Methode und die Höhe der Zahlungsforderung. Die Autofahrerin fiel aus allen Wolken, als sie von dem Unternehmen Euro Collect eine Rechnung über 141 Euro bekam. 40 Euro werden für den Parkverstoß berechnet, die übrige Summe für „außergerichtliche Rechtsverfolgungskosten und Halterermittlungskosten“. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Catharina Friedrichs hat inzwischen eine Rechtsberatung eingeschaltet

Nachdem Friedrichs eine Stellungnahme zum Vorfall abgeschickt hatte, erhielt sie von der Rechtsanwaltsgesellschaft Lectio eine Zahlungsaufforderung über weitere 147 Euro und soll eine Unterlassungserklärung unterzeichnen. „Auf meine Stellungnahme wurde gar nicht eingegangen“, beklagt sie.

Knapp 300 Euro für wenige Minuten falsches Parken? „Das kann nicht sein“, sagt Catharina Friedrichs, die inzwischen eine Rechtsberatung eingeschaltet hat. Mit ihrer Geschichte möchte sie andere warnen, nicht in eine ähnliche Falle zu tappen. „Denn ich bin sicher nicht die Erste und die Letzte, der das passiert.“ In diesem Fall war der Parkraum-Überwachungsdienst Park Collect genutzt worden. Das Prinzip ist einfach: Parkplatz-Eigner schließen mit dem Dienst einen Vertrag und melden per App und Handyfoto einen Parkverstoß. Alles weitere übernimmt das Inkasso-Unternehmen Euro Collect.

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Eckernförde: Private Stellplätze wurden immer wieder zugeparkt

Gunnar Lentz, Büroleiter der Firma Lentec, die die Parkplätze im Hof gemietet hat, empfindet die Zahlungsforderung von Euro Collect auch als hoch. Doch sei das Verfahren über die Park-Collect-App, das einzige, das funktioniere. Seit drei Jahren gibt es auf dem Hof keine Kundenparkplätze mehr. Doch wurden die privaten Stellflächen immer wieder widerrechtlich zugeparkt. „Zeitweise hatten wir hier sechs Schilder hängen“, sagt Lentz.

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Im vergangenen Jahr sei es dann eskaliert. Mitarbeiter seien nach dem Hinweis auf den Privatgrund von Autofahrern zunehmend angepöbelt worden. Ein Lkw mit Ware konnte den zugeparkten Hof nicht anfahren. „Wir haben viel versucht, haben viel geredet“, so Lentz. Aber letztlich habe sich die Situation erst durch die Park-Collect-App spürbar gebessert. „Das war die einzige Alternative, die wir hatten. An dem Betrag kann ich nichts ändern.“ 

Strafen fürs Parken

Verbraucherzentrale verweist auf unterschiedliche Rechtsprechungen

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erhält regelmäßig Anfragen zu privaten Strafzetteln mit hohen Summen. Justiziar Dr. Boris Wita weist darauf hin, dass es unterschiedliche Rechtsprechungen gibt. Deshalb bestehe ein gewisses Risiko bei Klageverfahren. Ein wichtiger Punkt sei ein deutlich wahrnehmbares Hinweisschild auf ein Parkverbot und die Kosten für Verstöße. Auch die Höhe der Zahlungsforderung sei ein Kriterium.

Strafen fürs Parken sollten sich an dem orientieren, was auch im normalen Straßenverkehr üblich sei. Betroffenen, die einen Rechtsschutz besitzen, rät Wita, sich rechtlich beraten zu lassen. Auch die Verbraucherzentrale könne für eine Rechtsberatung in Anspruch genommen werden.

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