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Eckernförde Turn-Silke hat jetzt den Führerschein
Lokales Eckernförde Turn-Silke hat jetzt den Führerschein
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13:16 27.07.2019
Von Jan Torben Budde
Besser spät als nie: Silke Wichmann hat mit 55 Jahren den Führerschein gemacht. Quelle: Jan Torben Budde
Neuwittenbek

 Grund für Silke Wichmanns Kraftakt waren weder Bequemlichkeit noch ein plötzliches Verlangen nach Lenkrad und Fahrersitz im Auto, sondern private Umstände. „Bisher brauchte ich keinen Führerschein“, sagt Silke Wichmann. Ihre vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten lassen sich auf dem Fahrrad oder zu Fuß erledigen.

Engagiert im Dorf Neuwittenbek

Sie engagiert sich schon lange Jahre im TSV Neuwittenbek, leitet das Kinderturnen des Vereins und organisiert den Herbstferienspaß in der Gemeinde. Alles aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Für ihre Verdienste erhielt „Turn-Silke“ sogar schon die Sportverdienstnadel des Landes Schleswig-Holstein.

Den Führerschein hat sie nie vermisst. „Es war dafür auch nie Geld da“, erinnert sich Silke Wichmann. Als Lehrling fuhr sie im Bus oder mit der Bahn nach Kiel. Nach der Ausbildung war der Verdienst als Konditoreiverkäuferin in einem Café nicht gerade üppig.

"Turn-Silke" war immer nur Beifahrerin

Später reichte der Hausfrau und Mutter die Rolle als Beifahrerin von Ehemann Peter Wichmann. „Im Dorf kann man ansonsten alles auf dem Rad erledigen“, sagt sie. Finanziell sei der Führerschein auch in den vergangenen Jahren nie drin gewesen: „Entweder braucht man gerade Geld für ein neues Haushaltsgerät oder das Auto.“ Ihr Mann, ein Trockenbauer, sei der Alleinverdiener im Haus.

Das Dilemma ist nun: Peter Wichmann stehen gleich zwei Knie-Operationen bevor. Er fällt als Autofahrer aus. Ihr Vater Rolf Krabbenhöft, der auch mal einsprang, ist mittlerweile 77 Jahre. „Es geht gar nicht so sehr um die Fahrten zum Supermarkt“, erklärt Silke Wichmann. Vielmehr muss jemand ihren Sohn Fynn (28), der krank ist und zu Hause bei seinen Eltern in Neuwittenbek lebt, zu Arztterminen bringen. Auch der Weg zu ihrer Schwiegermutter, die im Alten- und Pflegeheim in Lindau wohnt, wäre selbst der sportlichen „Turn-Silke“ ohne Auto zu weit. Was tun?

Helfer finanzierten den Führerschein

Der Führerschein musste her. Eine Bekannte von Silke Wichmann zapfte Geldquellen an. Und tatsächlich sagten Sigrid-Köhler-Stiftung (Sitz in Neuwittenbek), Bürgerstiftung Dänischer Wohld, Gemeinde und TSV Neuwittenbek ihre finanzielle Unterstützung zu. „Sogar die Fahrschule Lemke hat geholfen“, erzählt Silke Wichmann.

Im Sommer legte sie mit dem Führerschein in Gettorf los. „In der Fahrschule saß ich plötzlich inmitten von ehemaligen Turnkindern“, erinnert sich Silke Wichmann schmunzelnd an die überraschten Gesichter. Auf dem Weg zur theoretischen Prüfung wurde die Neuwittenbekerin gefragt, ob sie Sohn oder Tochter abholen wolle. „Ich habe die Prüfung am Computer innerhalb von sieben Minuten mit null Fehlern bestanden“, erzählt Silke Wichmann.

Projekt lag acht Monate auf Eis

Im Herbst vergangenen Jahres geriet das Führerschein-Projekt jedoch ins Stocken. Wegen Todesfällen in der Familie lag es acht Monate auf Eis. Erst im Juni legte sie wieder los – und hat den Führerschein nun in der Tasche. Den Unterstützern ist Silke Wichmann dankbar: „Aus eigenen Mitteln hätten wir den Führerschein nicht bezahlen können.“

Nach Einschätzung von Frank Walkenhorst, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbandes Schleswig-Holstein, sinkt die Zahl der Frauen aus der Ü-50-Generation, die den Pkw-Führerschein machen. „Das wird weniger“, sagt der 57-Jährige. Er ist seit 35 Jahren Fahrlehrer. „Früher gab es einen gewissen Nachholbedarf“, erinnert er sich. So manche Frau aus der Nachkriegsgeneration habe nach dem Tod des Ehemannes noch den Führerschein gemacht, um mobil zu sein.

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