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Eckernförde Fällarbeiten gefährden Jungtiere
Lokales Eckernförde Fällarbeiten gefährden Jungtiere
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06:00 26.02.2019
Von Christoph Rohde
Junge Eichhörnchen sind schutzlos, wenn sie bei unbedachten Gehölzarbeiten aus dem Nest fallen. Quelle: eye
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Eckernförde

Hilfe verspricht die Schutzstation. Schon das vergangene Jahr war ein Rekordjahr. 187 verwaiste oder verletzte Eichhörnchen musste die dem Umwelt-Info-Zentrum in Eckernförde angegliederte Einrichtung 2018 aufnehmen. „Normal sind 150 bis 165“, sagt Station-Leiterin Moni Rademacher.

Der späte Kälteeinbruch im vergangenen Frühjahr, aber auch der heiße Sommer hatten den Eichhörnchen die Aufzucht erschwert. Ist nicht genug Nahrung da, werfen die Mütter mitunter sogar schwächere Junge aus dem Nest, damit die anderen überleben.

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Die Hälfte waren Opfer von Baumfällarbeiten

Derzeit bringen die Eichhörnchen ihre neuen Jungen zur Welt. Der Eckernförder Station wurden zwar noch keine „Findelkinder“ zugetragen. „Deutschlandweit sind aber schon viele Tiere aufgenommen worden, etwa die Hälfte waren Opfer von Baumfällarbeiten“, weiß Rademacher.

Aufgrund des relativ milden Winters sind kleine Hörnchen teils schon im Januar geboren worden. Die Schutzstation ruft deshalb dazu auf, bei Spaziergängen, aber auch auf Balkonen und in Gärten auf verwaiste Jungtiere zu achten.

Besonders bei Baumfällarbeiten und Heckenschnitten kann es durch Unachtsamkeiten dazu kommen, dass die in Ästen und Knicks gut versteckten Kobel, die Nester der Eichhörnchen, übersehen, mit abgesägt werden und zu Boden fallen.

Die Kobel ähneln einem geschlossenen Vogelnest

Für die Jungtiere bedeutet dies bei den aktuell noch niedrigen Temperaturen zumeist das Todesurteil. Die Kobel ähneln einem Vogelnest, sind jedoch rundherum geschlossen. Von den Elterntieren werden sie immer wieder abgedichtet.

Derartige Nester finden sich laut Rademacher vor allem in Nadelbäumen, aber auch in Knicks und sogar auf Balkonen. Als Nistmaterial verwenden die unter Artenschutz stehenden Kletterkünstler unter anderem Heu, Stroh und Moos sowie zur Stabilität kleine Ästchen.

Bevor Gartenbesitzer die Säge ansetzen, sollten sie darauf achten, ob sich in Baum oder Gehölz nicht bereits ein Kobel oder ein Vogelnest befindet. Auch die Igel schlafen jetzt noch. Die Eichhörnchen-Expertin rät grundsätzlich dazu, im Garten Laub- und Buschwerk in einer Ecke zu belassen, damit Wildtiere Unterschlupf finden.

Weniger Nahrung für Wildtiere in der Agrarlandschaft

Eichhörnchen können Laut Rademacher ganzjährig zugefüttert werden, da sie draußen oft nicht mehr genügend Nahrung finden. Wie andere Wildtiere auch drängen sie vermehrt aus der immer artenärmeren Agrar-Landschaft in die Städte. Doch auch hier werden Gärten zunehmend steriler gestaltet.

Wer ein verwaistes Eichhörnchen-Junges entdeckt, sollte sich bei der Schutzstation Eckernförde unter der Notfallnummer 0173/9549042 melden. Weitere Infos unter www.eichhoernchen-eck.de

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