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Eckernförde Freude mit Bussen und Bahn ab Gettorf
Lokales Eckernförde Freude mit Bussen und Bahn ab Gettorf
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16:45 11.10.2019
Von Cornelia Müller
Hat eine freudige Bahn- und Bus-Geschichte am 3. Oktober in Kiel und Gettorf erlebt: Walter Friedrich aus Revensdorf. Quelle: Cornelia D. Mueller
Gettorf

3. Oktober 2019. Walter Friedrich aus Revensdorf will sich die große Feier in Kiel nicht entgehen lassen. Der 77-jährige ist passionierter Autofahrer. Im Zug saß er „das letzte Mal vor 30 Jahren“. Trotzdem soll ihn sein Auto heute nur bis zum Bahnhof in Gettorf bringen. „Ich bekomme in Kiel ja keinen Parkplatz“, vermutet er.

Schon in Gettorf ist es drängelig. Die einzige freie Parklücke vor dem Bahnhof befindet sich zwischen fünf Polizeiwagen. Mutig stellt er sein Auto hinein, keiner meckert. Die Regionalbahn Richtung Kiel fährt ein und ist schon rappelvoll.

„Auf dem Bahnsteig standen aber jede Menge Fahrgäste. Da stieg der nette Zugführer aus, ging zu den Türen und schaffte es, alle irgendwie noch im Wagen unterzubringen, sodass die Türen wieder schließen konnten“, erzählt Friedrich.

„Das ging an allen Haltestellen so. Tolle Leistung! Nur in Kronshagen war nichts mehr möglich. Der wartende Rollstuhlfahrer passte wirklich nicht mehr hinein.“

Aus Gettorf in Kiel angekommen, erwarten die Auswärtigen überall Menschenmassen

In der Landeshauptstadt empfangen den Revensdorfer noch größere Menschenmassen. Er bummelt zum Kleinen Kiel, stellt beim Politik-Quiz fest, dass er alle Bundeskanzler in der richtigen Reihenfolge aufzählen kann, gewinnt ein Buch.

Dann heißt es Schlange stehen auf der Ländermeile. Am Stand von Nordrhein-Westfalen ergattert er nach langem Warten Grünkohl. „Anders als bei uns hier. Ein bisschen matschig, aber lecker“, stellt er fest. Der Trubel macht ihm allmählich Spaß. Allmählich macht er sich auf den Rückweg.

„Da ging’s gleich wieder los“, sagt er schmunzelnd. „Vorm Landeshaus fuhr gar kein Bus. Fahrgäste wurden zur Feldstraße/Ecke Waitzstraße geschickt. Da kam ein proppenvoller Bus an.“ Auch dieser Fahrer ist unkompliziert, lässt Friedrich trotzdem noch einsteigen und fährt zum Hauptbahnhof.

Am Hauptbahnhof Kiel ist der Bahnsteig gesperrt. Geht überhaupt noch was?

Hier ist vor dem Bahnsteig abgesperrt. Davor Menschen über Menschen, mittendrin ein DB-Mann, der von allen Seiten gelöchert wird. Nach Husum sollte es angeblich über Neumünster gehen, nach Heide über Lübeck. „Und wie komme ich nach Gettorf?“, fragt Friedrich. Antwort: „Vielleicht in einer Stunde. Aber vor dem Bahnhof steht ein Bus nach Eckernförde...“

In einer Menschentraube saust auch der Revensdorfer dorthin. Der Bus ist  leider schon voll besetzt. Davor warten um die 100 Frustrierte. Doch da wendet sich das Blatt. Ein zwei Meter großer Mann sagt laut: „Alle mitkommen!“

Er führt die Gruppe durch den Bahnhof, winkt die „Schäfchen“ von der Bahnhofstreppe aus zusammen, lotst sie zu einem leeren Gelenkbus, schließt auf, lässt alle einsteigen. „Habt ihr alle einen Sitzplatz?“, fragt er launig. „Ich fahre euch nach Eckernförde, halte nur in Suchsdorf und Gettorf. Wenn einer anderswo aussteigen will, nimmt er den nächsten Bus. Aber der kommt nicht!“

Der Busfahrer bringt die Gäste auf dem Weg nach Gettorf zum Kichern

Die Fahrgäste kichern schon. In Suchsdorf hält er. „Dann stoppte er an der Rollschuhbahn Gettorf“, erzählt Friedrich weiter. „Er wolle uns einen Gefallen tun, sagte er. Die Haltestelle am Bahnhof sei für seinen Bus zu eng. Die Buhrufe ertrug er schmunzelnd, er wollte uns ja nur ein bisschen auf den Arm nehmen. Als wir am Bahnhof ankamen, bekam er Applaus.“

Und der Fahrer reagiert prompt: „Ist ja wie im Billigflieger. Ich halte vor der Bahnhofskneipe, da könnt ihr weiter feiern. Und kommt später alle gut nach Hause!“ 

Walter Friedrichs Augen leuchten, als er den 3. Oktober Revue passieren lässt. „Danke, lieber Fahrer des Busses Nummer 17420“, sagt er an die Adresse des humorvollen Chauffeurs. „Du hast aus 100 genervten Menschen eine fröhliche Busgemeinschaft gemacht.“

Dass sein eigenes Auto an dem Abend immer noch gut bewacht von der Polizei in der Parklücke steht, macht diesen besonderen Tag der Einheit komplett.

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