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Eckernförde Eine Kirchengemeinde im Aufbruch
Lokales Eckernförde Eine Kirchengemeinde im Aufbruch
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17:09 13.06.2019
Von Cornelia Müller
Das Eivind-Berggrav-Zentum Altenholz-Stift ist 50 Jahre alt. Die kantige Kirchenarchitektur aus Beton und Glas hat starke Symbolkraft. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Altenholz

Genau 50 Jahre alt ist diese Kirche am Ortseingang von Stift, deren betongraue Kantigkeit für manchen immer noch Stein des Anstoßes ist. Heute gilt dies – immerhin – nur noch für ihre Gestalt.

Das Jubiläumsjahr feiert die Kirchengemeinde Altenholz hingen bunt mit großem Fest für alle am Wochenende, 15. und 16. Juni.

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„Vielfalt, Begegnungen, Nachdenkliches, Anregendes, Impulsgebendes, Lebensstiftendes“, haben sich die Pastoren Dirk Große und Okke Breckling-Jensen sowie der Gemeinderat fürs Wochenende auf die Fahnen geschrieben.

1969 weihte die Kirchengemeinde Altenholz die Kirche aus Beton ein

Dieses Motto hätte genauso zur Einweihung dieses ungewöhnlichen Gemeindezentrums 1969 gepasst.

Gebaut ist es auf einen Grund, der Festgefügtes bewusst auflösen will: Vielfalt statt Uniformität, Offenheit statt Enge, Ermutigung zu eigener Glaubenshaltung anstatt normativer Kirchendoktrin.

„Das sind die wesentlichen Zutaten unseres Eivind-Berggrav-Zentrums“, bekennen beide Pastoren im Vorwort des zum Jubiläum zusammengestellten Buchs „Glaubensschätze“.

Wie passt das zu einem Bauwerk, das etliche als „Bunkerarchitektur“ brandmarken, obwohl der Kieler Architekt Klaus Hertzsch Preise damit gewann?

Auch Flüchtlingsarbeit ist im Eivind-Berggrav-Zentrum zu Hause

Große lächelt. „Bunker sehe ich in dem Zusammenhang positiv“, sagt er. „Schutzraum geben vor Angriffen, Beschuldigungen, Vorurteilen: Das ist unser Credo. Das ist christliche Lehre.“

Die Flüchtlingsbetreuung im EBZ ungeachtet der Religionen, die Kirchenleute und andere Bürger hier unermüdlich leisten, passt beispielsweise in dieses Bild.

Der Architekt, für den sich die junge Gemeinde damals nach kontroversen Debatten entschied, nahm eher die Offenheit zum Leitmotiv.

Offen im Sinne von Vereinigung kirchlichen, weltlichen, kulturellen Lebens an einem Ort, dessen Türen sich vor keinem verschließen und dessen dennoch massive Bauart jeder Erschütterung standhält.

Das weite Foyer, gleichsam selbstständiger Veranstaltungsraum mit abzweigenden gleichberchtigten Räumen, die anfangs sogar die Gemeindebücherei beherbergten, lädt unübersehbar ein.

Stühle statt Kirchenbänke gab es in Altenholz-Stift von Anfang an

Glastüren, statt Kirchenbänken je nach Zweck verrückbare Stühle, keine Kanzel, sondern ein kleines flaches Rund mit Rednerpult, statt Altar ein wandhohes Betonrelief, das den Lebensweg Jesu zeichnet, die Orgel skulptural hinter Glas statt im Gehäuse – „das war revolutionär und trägt uns heute noch weit“, merkt Große an. 

Dennoch musste Architekt Hertzsch in seinem puristisch angelegten Werk, dessen Beton selbst Abdrücke der rohen Schalbretter ins Konzept nimmt, Abstriche dulden.

Die Gemeinde ließ statt der riesigen transparenten Fensterfront von dem gebürtigen Kieler Ernst Günter Hansing farbstarke Bleiglasfenster einbauen und ein knallrotes Altarkreuz entwerfen.

Im Kontrast zur wertfreien Grauheit sind sie, bei Tageslicht, wie leuchtende Ausblicke in die Welt, für die die Kirchengemeinde Altenholz sich stark macht.

 

So feiert Altenholz das Jubiläum

Wer war Eivind Berggrav? Die Altenholzer nahmen den norwegischen Bischof, der von den Nationalsozialisten verfolgt wurde und ihnen trotzte, zum Namensgeber. Der Lutheraner war Brückenbauer, Friedensstifter, Versöhner, der nur ein Jahr nach dem zweiten Weltkrieg auf die Deutschen zuging. Er starb 1959.

Auch in seinem Geist wird am 15. und 16. Juni in Stift gefeiert. Am Sonnabend gibt es ein Musikereignis, das Weltliches und Kirchliches in ungewohnter Weise vereint. Das „Sacred Concert“, komponiert und dreimal aufgeführt von Jazz-Größe Duke Ellington, beginnt um 19 Uhr. Akteure sind die Stifter Kantorei, die Bigband Jazzigs, Gesangsolistin Katharina Schwerk und Stepptänzerin Cordula Decker. Karten kosten 10 Euro und können in der Buchhandlung im Wohld sowie an der Abendkasse gekauft werden.

Am Sonntag beginnt um 10 Uhr der Festgottesdienst „Schätze heben“ mit Beiträgen beider Pastoren, von Kirchengemeinderatsmitgliedern, einer 17-jährigen Schülerin und kurzen Lesungen, die Flüchtlinge halten, sowie Bildpräsentationen. Auch Propst Sönke Funck spricht zu den Gästen.

Anschließend gibt es bis zum Nachmittag Musik der Downstairs-Dixieland-Company, Kinderspiele, Speis und Trank, Mitsingeaktionen mit Kantorin Susanne Schwerk, Führungen durch die Kinderkrippe, Zauberkunststücke. Vorgestellt wird das Jubiläumsbuch „Glaubensschätze“, das Altenholzer mit ihren Beträgen gefüllt haben.

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