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Eckernförde Erschütterung im Dienst der Wissenschaft
Lokales Eckernförde Erschütterung im Dienst der Wissenschaft
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07:00 12.04.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Mal was anderes als Büroarbeit: Raphael Kahn (links) und Martin Thorwart haben Spaß am Außeneinsatz am Surendorfer Strand. Dabei müssen sie nach einem Ausfall der Hydraulik nach jeder Messreihe die Bodenplatte per Hand hochkurbeln - ganz schön kräftezehrend! Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Schwedeneck

Es sirrt, dann piepst es zweimal – klack, ein dumpfer Plumps. Und tatsächlich: Auch in etwa zehn Metern Entfernung ist eine kleine Erschütterung in den Füßen spürbar. Ausgelöst durch ein 300 Kilogramm schweres Gewicht, das der Geophysiker Dr. Martin Thorwart (44) gerade wieder hat zu Boden fallen lassen. Im Wechsel mit Master-Student Raphael Kahn wird er das an diesem Abend bei eisiger Kälte noch oft machen – je mehr Messungen, desto genauer das Ergebnis.

Studierende helfen beim Projekt

Der 27-jährige Student ist begeistert vom praktischen Einsatz: „Super – das ist echt spektakulär, so was mal mitzumachen!“ Und das, obwohl er mittlerweile nach jeder Messstelle die mindestens 40 Kilo schwere Bodenplatte per Hand nach oben kurbeln muss: Der elektrische Antrieb ist ausgefallen.

Den Trecker, der das zwei Tonnen schwere Fallgewicht über den Strand in Surendorf zieht, stellte übrigens das Uni-Versuchsgut Lindhof in Lindhöft unkompliziert zur Verfügung. Am Steuer sitzt Geophysik-Studentin Stine Hildebrandt. „Toll, wenn man nicht immer nur die Theorie hört“, sagt die 24-Jährige. Das Treckerfahren lernt sie gleich dazu. Neben ihr sitzt Studienkollegin Caroline Reimers: Die 23-Jährige notiert die Zeiten, in denen das Fallgewicht aufkommt – wichtig für die Auswertung.

Geophone messen Erschütterung

Mit Hilfe der Reflexionsseismik untersucht die Uni Kiel den Untergrund am Strand bis in etwa einen Kilometer Tiefe. Dafür stecken im Boden auf einer Länge von etwa zwei Kilometern über 200 Geophone. Die kleinen Computer mit Sensoren messen jede Erschütterung im Sand. Die durch das Fallgewicht ebenso wie die Auswirkung der kräftigen Brandung. Oder die Schritte von Menschen am Strand.

Seismische Messungen werden zum Beispiel bei der Erdölsuche oder für die Geothermie angewandt, erklärt Wolfgang Rabbel. Dabei breiten sich die Erschütterungswellen im Untergrund aus – ähnlich wie Schallwellen. Ein Teil wird an Schichtgrenzen im Untergrund reflektiert, kehrt zur Erdoberfläche zurück und wird von den Geophonen aufgezeichnet.

Es geht um die Messtechnik

Um Erdöl geht es diesmal allerdings nicht in Schwedeneck: Die Uni Kiel möchte das Messverfahren selbst verbessern, erklärt Martin Thorwart: „Wir wollen etwas Neues entwickeln.“ Die Wissenschaftler möchten den tieffrequenten Bereich nutzen, um noch mehr über die Eigenschaften der Störungen im Untergrund zu erfahren. Man misst hier, weil in Schwedeneck Verwerfungen oberhalb eines Salzstocks bekannt sind. Die Lagerungsstörungen können zu einem Versatz der Bodenschichten führen.

Diese Störungen stellen einen Versatz der Bodenschichten dar. Dadurch könnte Grundwasser aus größeren Tiefen aufsteigen. Bei dem Projekt Angus II, an dem die Kieler sich beteiligen, geht es auch um die Auswirkungen, die bei einer unterirdischen Speicherung von saisonal anfallender Energie wie Wärme auftreten könnten. Derartige Speicher dürfen allerdings keinen Kontakt zum Grundwasser haben. In Surendorf ist kein Speicher geplant.

Einsatz in Eiseskälte

Vor den Messungen am Strand waren die Kieler auch schon auf Schwedenecker Straßen unterwegs, mit einem Spezialfahrzeug. Da erzeugte ein Vibrator die seismischen Wellen. „Die ersten Daten sehen vielversprechend aus“, sagt Martin Thorwart. Er freut sich über den Außeneinsatz: „Man arbeitet ja doch zu 80, 90 Prozent im Büro.“ Der eisige Wind, der von der Ostsee herüberbläst, scheint ihn nicht zu stören.

Dabei ist es in Surendorf selbst dem Schmierfett irgendwann zu kalt: Der Schlitten, der das Fallgewicht immer wieder nach oben zieht, klemmt plötzlich. Doch Geophysiker sind handfest, müssen auch mal was reparieren. Und so hat Raphael Kahn schnell die Ursache für das Hakeln ausgemacht. Martin Thorwart beschließt, das Fallgewicht ab jetzt nur noch acht statt 16 Mal pro Station zu Boden sausen zu lassen. Weiter geht’s am Strand, während es langsam dunkel wird.

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