Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Eckernförde Klimaschutz fordert Bauwirtschaft heraus
Lokales Eckernförde Klimaschutz fordert Bauwirtschaft heraus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:14 28.03.2019
Von Christoph Rohde
Christian Schmieder (BDA, v. li.), Sören Vollert (KAplus), Tobias Goldschmidt (Ministerium) und Jörg Probst (Hochschule Bochum) eröffnen die 22. Fachtagung „Gebäude energetisch optimieren“ in der Eckernförder Stadthalle. Quelle: Christoph Rohde
Anzeige
Eckernförde

Die Resonanz wächst: 377 Teilnehmer kamen zum größten Expertentreff seiner Art in Schleswig-Holstein. Vor allem Architekten, Ingenieure und Vertreter öffentlicher Bauverwaltungen nutzen den vom Eckernförder Ingenieur-Büro KAplus organisierten Erfahrungs- und Informationsaustausch. „Der Klimaschutz ist für die Bauwirtschaft eine Mega-Herausforderung“, sagte Tobias Goldschmidt, Staatssekretär im Umweltministerium, im Vorfeld beim Pressgespräch. Wenn Deutschland 2050 klimaneutral werden wolle, seien alle Sektoren gefragt – auch der Gebäudebestand.

Auf dem Weg dahin fördert das Land im Wohnbereich vermehrt nicht mehr Einzel-, sondern ganze Quartierskonzepte. Goldschmidt verweist zudem auf die Unterstützung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW-Kredite). Und Schleswig-Holstein setze sich dafür ein, dass erneuerbarer Strom stärker in der Wärmeversorgung zum Tragen kommt.

Anzeige

Wärmepumpen bieten noch ungenutzte Potenziale

In diesem Zusammenhang spielt die Wärmepumpe eine immer wichtigere Rolle. Für Einfamilienhausgebiete sind laut Sören Vollert von KAplus vor allem „kalte“ Nahwärmenetze interessant, die weniger Verluste beim Transport haben und deren Energie über Wärmepumpen gezogen wird. Auf andere Art lässt sich Wärme auch über eine Erdsonde gewinnen.

Mit dem Blick auf Bestandsgebäude fordert Christian Schmieder, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (BDA), eine ganzheitliche Betrachtung. So vernichte der Abriss eines Gebäudes Energie, die einmal für seinen Bau aufgewendet wurde. Gleichzeitig müssten die gewachsenen Strukturen mit oft hoher architektonischer Qualität gesehen werden, so Schmieder. Auch Professor Jörg Probst (Menschen und Unternehmen GmbH) wünscht sich eine „Stoffbilanzierung von Gebäuden“.

Venlo hat ein komplett recycelbares Rathaus errichtet

Einen konsequenten Weg ging hier die niederländische Stadt Venlo. Sie baute ein 100-prozentig recycelbares Rathaus, das auf 50 Jahre Nutzung angelegt ist. Danach lässt es sich komplett wiederverwerten. „Die Stahlträger sind schon verkauft“, sagt Probst. Und die gemietete, mit 200 Quadratmetern größte Grünfassade Europas werde von einem Gärtner betrieben.

Die Tagung in Eckernförde zeigt, dass sich die Anforderungen aus der derzeitig gültigen Gesetzgebung für energieeffizientes Bauen problemlos einhalten lassen. „Im Gegenteil: Oft wird ein deutlich verbesserter Energiestandard umgesetzt“, sagt Vollert. Daneben sei gerade bei komplexen Ausführungen eine gutes Einregulierung der Technik wichtig. Für viele Gebäude könne aber auch ein technisch einfaches Energiekonzept sinnvoll sein. Denn: Nicht immer führt das Ausreizen des technisch Machbaren zum gewünschten Erfolg.

Tilmann Post 28.03.2019
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 28.03.2019
Rainer Krüger 28.03.2019