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Eckernförde Glas löst das Plastikproblem nicht immer
Lokales Eckernförde Glas löst das Plastikproblem nicht immer
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18:16 27.03.2018
Von Cornelia Müller
Am Wochenende wird in den Kommunen und an Stränden Frühjahrsputz gemacht. Besonders dem Plastikmüll müsste das Hauptaugenmerk aber ganzjährig gelten: Was in der Natur herumliegt, wird irgendwann Mikroplastik und Gift in der Nahrungskette. Quelle: Felix Paulin
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Eckernförde

Cornelia Müller, Redakteurin der Kieler Nachrichten in Eckernförde, lotet bei ihrer Aktion „Sieben Wochen möglichst ohne Plastik“ die eigene Verantwortung aus.

Plastik – schon das Wort elektrisiert mich jetzt. Der meiste Einkauf klappt mittlerweile in mitgebrachten Behältern und Taschen. Für mein Lieblingsmilchprodukt Hüttenkäse gilt das leider nicht. Schlimm? Verzicht aus Protest?

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Die nachhaltig arbeitende Firma ist auf Plastik umgestiegen

Bei der nachhaltigen Kosmetik, die in Kiel aus in der Ostsee gezogenen Laminaria-Algen nach strengsten Kriterien hergestellt wird, habe ich zunächst solch eine Entscheidung getroffen. Es wird sich herausstellen, dass ich sie nochmals überdenke.

Von Opalglas-Flaschen und -Tiegeln, in denen ich nach Aufbrauchen des Inhalts zum Beispiel Gewürze lichtdicht aufbewahrte, hat die Firma von Meeresbiologin Inez Linke auf Wegwerfspender aus Polypropylen (PP) umgestellt.

Opalglas-Behälter hatten eine schlechtere Ökobilanz

„Die Tiegel und Flaschen waren nicht nachhaltig genug“, erläutert mir Biologin Martina Mühl von dem Unternehmen in Kiel-Holtenau. „Opalglas wird unter großem Energieaufwand hergestellt und praktisch nicht recycelt. Und es ist schwer, sodass der Transport anteilig zu viel Treibstoff erfordert.

Der Kunststoff, den wir jetzt nutzen, ist ein Monomaterial und wird professionell wiederverwertet, wenn er im gelben Sack landet. Unverpackt könnte man Produkte mit Meerwasser und Algen aus hygienischer Sicht nicht anbieten – im Gegensatz zu Ölen.“

Aus Körperpflege ist Mikroplastik längst noch nicht verschwunden

Dass kein Mikroplastik aus diesen Spendern auf die Haut und ins Abwasser gelangt, versteht sich. Mikroplastik findet sich dagegen immer noch in vielen Produkten der Körperpflege.

Die teils weit unter 0,5 Millimeter großen Teilchen werden als Schleifpartikel, Füllstoffe und Filmbildner eingesetzt. Einzig zertifizierte Naturkosmetik und eigens plastikfrei deklarierte Produkte bieten bisher Garantie, das sich wirklich kein Mikroplastik versteckt.

Im Meer gerät Mikroplastik mit Umweltgiften in die Nahrungskette

Ein Filtern der Kleinstpartikel in Kläranlagen ist bislang nicht möglich. Das trifft auch für winzige Fasern aus elastischer Kleidung oder Fleece zu – und erst Recht für jedes fossile Kunststoffteil, das in Gänze in die Umwelt gelangt, durch Sonne und Luft brüchig und später vom Meer zu Mikroplastik zermahlen wird.

Problem: Kleinstpartikel bleiben dauerhaft in den Gewässern und lagern weitere Umweltgifte an, die so in die Nahrungskette gelangen. Tragen diese Kunststoffe auch noch Weichmacher in sich, haben sie sogar eine hormonartige Wirkung. Die Folgen sind noch unabsehbar.

Bei Kunststoffen lohnt die differenzierte Betrachtung. Sie sollten mehrfach verwendet und mehrfach recycelbar sein. Sie gehören in den gelben Sack oder auf den Recyclinghof. Plastik, das beim Verbrennen Dioxin freisetzt, ist zu meiden.

Hier gibt es mehr Informationen

Beim NABU gibt es viele Details rund um die Themen Plastik und Recyling. Mikroplastik identifiziert im Handumdrehen die Handy-App Codecheck. Eine aktuelle Liste von Produkten, die Mikroplastik enthalten, bietet der BUND.

Hier finden Sie mehr Folgen der Serie "Fasten für die Umwelt":

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