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Eckernförde Vermietern drohen hohe Strafen
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12:47 11.02.2020
Von Tilmann Post
„Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen“: Die Wohnung von Gesine Ryll-Nissen und Harald Nissen an der Hafenspitze darf nur noch dauerhaft vermietet werden. Quelle: Tilmann Post/Jens Kalaene/dpa
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Eckernförde

„Wir haben Nutzungsuntersagungen für uns bekannte Ferienwohnungen versendet“, bestätigt Bauamtsleiter Timm Orth auf Nachfrage. „Darin weisen wir darauf hin, dass sie nicht genehmigt sind, da nach unseren Unterlagen dort Wohnnutzungen vorliegen.“

35 Eigentümer von Wohnungen in den neuen Gebäuden an der Hafenspitze sind Orth zufolge am 7. Januar angeschrieben worden. Wer die Ordnungsverfügung missachtet, muss mit einem Zwangsgeld von 5000 Euro rechnen, steht in dem Brief.

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„Das ist wirklich ärgerlich“, sagt Harald Nissen (71), der 2015 gemeinsam mit seiner Frau Gesine Ryll-Nissen (65) eine der Wohnungen an der Ecke vom Jungfernstieg zur Schiffbrücke gekauft hatte. Das Ehepaar aus Quarnbek hatte damals ausdrücklich vor, das Apartment an Feriengäste zu vermieten.

Das ist die Eckernförder Hafenspitze in Bildern.

Ziel der Stadt Eckernförde: Weniger Ferienwohnungen an der Hafenspitze

„Wir waren beide beruflich selbstständig und wollen damit unsere Altersvorsorge sichern“, so der Arzt im Ruhestand. „Wenn infrage gestanden hätte, dass sich die Wohnung an Urlauber vermieten lässt, hätten wir sie nicht gekauft“, so Gesine Ryll-Nissen, die als Ergotherapeutin tätig war.

Dass die Stadt nun das scharfe Schwert des Verbots schwingt, hat eine lange Vorgeschichte. 2011 hatte sie mit der Firma Penta Nord, dem Investor der Hafenspitze, einen städtebaulichen Vertrag geschlossen.

Darin ist festgelegt, dass für das gesamte Gebiet mit mehr als 100 Wohnungen nicht mehr als insgesamt 750 Quadratmeter zur Ferienzwecken genutzt werden dürfen – in etwa zehn Prozent. Ausgenommen ist das Boardinghaus mit dem markanten Segel direkt am Sportboothafen, dort waren von Anfang an 42 Apartments für Urlauber vorgesehen.

Hafenspitze Eckernförde: 35 Apartments für Urlauber genutzt

Als später 39 Eigentümer gesammelt über die Penta Nord bei der Stadt beantragten, ihre Wohnungen in Feriendomizile umzuwidmen, wurde die Ratsversammlung hellhörig. Im Juni 2018 beschloss sie einstimmig eine Veränderungssperre, um zu verhindern, dass Ferienapartments zulasten von Dauerwohnungen eingerichtet werden.

„Zusätzlicher Druck auf den Wohnungsmarkt“ sollte verhindert werden, hieß es damals. Die Sperre gilt für zwei Jahre. Damit verschafften sich die Politiker Zeit, um den Bebauungsplan für das Gebiet zu ändern. Darin soll gerichtsfest niedergelegt werden, was bereits im städtebaulichen Vertrag steht.

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Laut Timm Orth fand die Stadt jedoch in der Zwischenzeit heraus, dass mindestens 35 der Wohnungen, für die Nutzungsänderungen beantragt wurden, längst als Feriendomizile genutzt werden. „Es kann sein, dass sich im Laufe des Verfahrens herausstellt, dass noch weitere hinzukommen“, so Orth.

Lesen Sie auch: Kritik an vielen Ferienwohnungen in Eckernförde

Vermieter legen Widerspruch gegen Ordnungsverfügung ein

Harald Nissen wundert das nicht. „Wir haben nie etwas verschwiegen“, sagt er. Die Wohnung sei sofort nicht nur für die Umsatzsteuer angemeldet worden, sondern zur Vermietung auch bei der Eckernförder Touristik- und Marketinggesellschaft (ETMG), die das Urlaubsdomizil angeboten, vermittelt und die Schlüsselübergaben organisiert hat.

„Wenn die Stadt Eckernförde von Anfang an nicht wollte, dass hier Ferienwohnungen entstehen, weshalb übernimmt der stadteigene Betrieb, deren Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgermeister ist, dann die Vermittlung? Und behauptet jetzt, nichts von der Feriennutzung gewusst zu haben?“, fragt Gesine Ryll-Nissen ungläubig.

Sie und ihr Mann haben Widerspruch gegen die Ordnungsverfügung eingelegt und hoffen auf einen Kompromiss vor Gericht.

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