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Eckernförde Fernwärme: Willkür in Altenholz?
Lokales Eckernförde Fernwärme: Willkür in Altenholz?
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06:25 26.07.2019
Von Tilmann Post
Fernwärme gelangt in die Häuser durch Rohre mit großem Durchmesser, wie sie auch in Kiel-Suchsdorf unter der Erde verbaut wurden. Quelle: Stadtwerke Kiel
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Altenholz

Grund für die Aufregung ist die Umstellung der Fernwärme in dem beschaulichen Viertel im Norden von Altenholz mit 360 Haushalten. Als die Häuser dort vor 25 Jahren entstanden waren, legte sich die Gemeinde darauf fest, dass das Baugebiet mit Fernwärme versorgt werden soll.

Der Vorteil: Dazu konnte die Abwärme der Firma Dataport genutzt werden. Das ist nun vorbei, denn das Unternehmen baut um, die Stadtwerke können nicht mehr auf die Abwärme zurückgreifen.

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Deshalb sind die Menschen am Freesenberg bereits vor mehreren Jahren darüber informiert worden, dass die Heizenergie ab 2020 auf andere Weise produziert wird. Das geht mit höheren Preisen einher.

Stadtwerke Kiel schätzten Heizwert fast 40 Prozent höher ein

Jörg Schilbach und seine Frau Monika ärgert jedoch, dass die Stadtwerke den Heizwert ihres Hauses im neuen Vertrag um fast 40 Prozent überschätzt haben. „Wir sind seit 25 Jahren Kunden, die Stadtwerke müssten also wissen, was wir verbrauchen“, sagt Jörg Schilbach.

Das meldete er dem Unternehmen, reichte den Energieausweis und ein Heizgutachten ein, um die Anpassung des Leistungsbedarfs und damit geringere monatliche Abschläge ab kommendem Jahr zahlen zu müssen. Doch das reichte nicht: Die Stadtwerke verlangten eine Heizlastberechnung eines Sachverständigen.

Zähneknirschend folgten Schilbachs und ihre Nachbarn mit baugleichen Häusern. Jede Partei legte 200 Euro dafür auf den Tisch. Ergebnis: Der Gutachter errechnete eine Gesamtleistung von fünf Kilowatt, während die Stadtwerke von acht Kilowatt ausgegangen waren.

Vermutung: Der gesamte Freesenberg in Altenholz ist betroffen

Damit reduziert sich der Rechnungsbetrag um knapp 192 Euro auf 335 Euro jährlich, also um mehr als ein Drittel. „Zwei weitere Anwohner mit Mehrfamilienhäusern hatten ebenfalls Erfolg mit ihren Gutachten“, berichtet Jörg Schilbach. Das lasse vermuten, dass der gesamte Freesenberg mit seinen 360 Haushalten betroffen sei.

Die überhöhten Heizwerte bezeichnet er als Willkür. „Wo haben die die Werte her? Sollte damit die neue Fernwärme-Anlage subventioniert werden?“ Die Kosten für das Gutachten sollten von den Stadtwerken erstattet werden.

Damit aber kann Schilbach vermutlich nicht rechnen. „Eine Heizlastberechnung durch einen Gutachter steht jedem Kunden frei“, teilte Britt Mielke von den Stadtwerken Kiel auf Nachfrage mit.

Neue Heizzentrale auf Dataport-Grundstück

Das Unternehmen habe den Kunden eine Liste mit in Frage kommenden Gutachtern zur Verfügung gestellt, da es sich bei dem von den Stadtwerken errechneten Heizwert lediglich um einen Vorschlag handle, der per Näherungsverfahren auf Grundlage der vorliegenden Durchschnittsverbräuche entstanden sei.

Wer diesen Vorschlag akzeptiere, spare die Kosten für einen Gutachter. Die Stadtwerke seien sich jedoch bewusst, dass der neue Leistungsbedarf „zumeist geringer“ ausfalle, weil die Werte „in der Vergangenheit eher pauschal und mit Sicherheitsaufschlag“ ermittelt worden seien.

Frust um Fernwärme-Verträge der Stadtwerke Kiel gibt es nicht zum ersten Mal. Das Unternehmen errichtet derzeit eine neue Heizzentrale auf einem gepachteten Dataport-Grundstück.

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