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Eckernförde Stillstand beim barrierefreien Bahnsteig
Lokales Eckernförde Stillstand beim barrierefreien Bahnsteig
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08:00 06.07.2019
Von Cornelia Müller
Wieder leer ausgegangen: Gerd Finke, Vorsitzender des Seniorenbeirats Gettorf, ist genauso sauer wie die Politiker, dass die DB den barrierefreien Umbau des Mittelbahnsteigs verschiebt. „Gerade älteren Menschen macht die Bahn das Umsteigen vom Auto auf den Zug schwer“, sagt er. „Absolut kontraproduktiv.“ Quelle: Cornelia D. Mueller
Gettorf

Bürgermeister Hans-Ulrich Frank (CDU) schäumt „auch angesichts der großherrschaftlichen Informationspolitik“. Er sagt: „Betroffene erfahren es wieder zuletzt.“ Seit Jahren verspricht die Deutsche Bahn Gettorf den Umbau des Mittelbahnsteigs oder beider Bahnsteige, verschob die Maßnahme aber immer wieder.

„Solange ich denken kann, ist vom barrierefreien Ausbau die Rede“, echauffiert sich der Bauausschussvorsitzende Marco Koch (CDU). „Die Politik hat 2018 in ihrer positiven Stellungnahme auch eine Umbauvariante akzeptiert, die uns noch nicht zufrieden stellt.

Aber wir wollten die Arbeiten auf keinen Fall verzögern. Dass jetzt trotzdem nichts passiert, enttäuscht riesig. Aber dafür ist die Bahn ja bekannt“, macht er dem Frust Luft.

Der Bahnsteig in Gettorf ist tabu für Rollstuhfahrer

Darum geht es: Gehbehinderte Menschen und Eltern mit Kinderwagen können in Gettorf nicht einfach in die Regionalbahn einsteigen. Bisher geht das nur, je nach Fahrtziel Kiel oder Eckernförde, mit Überquerung von Gleis eins über eine provisorisch angebrachte Holzstufe. Über diese Hürde müssen Fahrdienstleiter oder Mitreisende den Betroffenen helfen.

Rollstuhlfahrern ist der Überweg ganz versperrt. Nach Gettorf kommen sie nur per Taxi und notfalls mit dem Bus, wenn sie kein Auto besitzen. Grundsätzlich ist der Übergang zum Mittelbahnsteig (Gleis zwei) mit einer Kette gesperrt. Der Fahrdienstleiter öffnet sie nach Ankunft der Züge.

Züge aus beiden Richtungen begegnen sich auf der eingleisigen Strecke immer in Gettorf. Plan der DB war der Ausbau des Mittelbahnsteigs in Gettorf, den Reisende über eine s-förmige, barrierefreie Rampe mit Gleisquerung erreichen. Ihn sollen künftig alle Fahrgäste nutzen.

Rampe macht in Eckernförde Zugang zur Bahn barrierefrei

So einen Bahnsteigübergang mit Schranke gibt es zum Beispiel in Eckernförde. Für den aufwändigen Bau in Gettorf sollte die aktuelle Sperrung der Regionalstrecke bis zum 18. August 2019 genutzt werden. Der Bahnverkehr ruht gerade aufgrund von Arbeiten an der alten Levensauer Hochbrücke.

„Die Gemeinde hat parallel das Verlegen von Abwasserrohren am Bahnübergang Bergstraße geplant, damit nicht zweimal gesperrt wird“, sagt Frank. „Nur durch den Hinweis der Baufirma haben wir kürzlich erfahren, dass die Bahn gar nicht bauen will. Das kann’s doch nicht sein!“

Erst jetzt liege auch die Erklärung der DB vor. Die Verärgerung sei nachvollziehbar, sagt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst vom Regionalbüro Hamburg auf Anfrage der Kieler Nachrichten. „Allerdings haben wir selbst bis zuletzt angenommen, dass das Eisenbahnbundesamt – die Behörde, die Baumaßnahmen genehmigt – noch grünes Licht gibt. Daher konnten wir nicht früher informieren.“

Deutsche Bahn prüft noch den geplante Bahnsteigzugang in Gettorf

Entgegen aller Erwartungen sei die Bauerlaubis aber nicht erteilt worden. „Eine andere DB-interne Stelle, die Sonderfälle wie die Gleisquerung beurteilt, hat ihre Prüfung noch nicht abgeschlossen“, sagt Brunkhorst. „So sind nicht alle Voraussetzungen, die die Genehmigungsbehörde fordert, erfüllt. Ich gehe davon aus, dass sie nur verzögert erteilt wird.“

Von der zweiten Gleisquerung hinter der Mühle, auf die Gettorf dringend hofft und für die der Verkehrsverbund Nah SH mitkämpft, ist da nicht mal die Rede. Sie würde den Weg zum Zug für die Fahrgäste stark abkürzen. Die Sprecherin: „Das hat vielleicht in einem späteren Verfahren Chance.“

Das aktuelle Argument der Bahn AG: Man müsste Gleis drei queren. Sollte auf dem ein Zug ohne Halt durchfahren, müsste er langsam passieren. Das gebe der dicht getaktete Verkehr nicht her. Nah SH hat ausgerechnet, wie viele Züge das betrifft: 0,0 bis 0,3 Prozent.

Lesen Sie auch: Kommentar von Cornelia Müller zum Bahnhof Gettorf

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