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Eckernförde „Hatte Angst, dass die Stimmung kippt“
Lokales Eckernförde „Hatte Angst, dass die Stimmung kippt“
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14:32 09.11.2019
Von Jan Torben Budde
Schilderten persönliche Erlebnisse aus der Zeit vor dem Mauerfall: Pastor Dirk Schulz (von links), der als westdeutscher Schüler auf Studienreise hinter dem "Eisernen Vorhang" war, sowie die vier ehemaligen DDR-Bürger Sigrid Querhammer, Heinz Karstädt, Katrin Sohrweide und Frank Ginnow - moderiert wurde die Gesprächsrunde von Journalist Gerhard Müller.  Quelle: Jan Torben Budde
Gettorf

Wo sich Heinz Karstädt am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, aufhielt? „Ich stand in einer Schlange“, erzählte der 80-Jährige in der Gesprächsrunde im Kubiz und schob schmunzelnd nach, „aber nicht wegen Bananen.“ Ihm ging es um einen Stempel im Ausweis, um in den Westen zu reisen. Er hatte das Leben im „Tal der Ahnungslosen“ satt. „Wir waren eingesperrt“, nannte der frühere Studentenwohnheim-Leiter in Greifswald ein großes Problem, das für Unzufriedenheit sorgte. In Häfen waren Schiffe zu sehen, doch ans Mitfahren war nicht zu denken. „Weil die Staatsführung Angst hatte, dass wir nicht zurückkommen.“
Auf einer Fahrt zu Freunden in Duisburg – gleich nach dem Mauerfall - sah Karstädt die DDR-Grenzsicherungsanlagen: „Ich war erschüttert.“

Leiterin der Volkshochschule hat Veranstaltung organisiert

Die Idee zur Gettorfer Festveranstaltung „30 Jahre Mauerfall“ stammte von Bodil Busch, Leiterin der Volkshochschule. Sie stellte die Aktion mit dem Gettorfer Bündnis für Demokratie, dem die vier Parteien in der Gemeindevertretung (SPD, CDU, Grüne und FDP) angehören, sowie der Unterstützung des Landesbeauftragten für Politische Bildung auf die Beine. Dessen Stellvertreter Hauke Petersen ermutigte während der Festveranstaltung zur „Erinnerungsarbeit“: „Die Meinungsfreiheit, wie wir sie heute kennen, gab es in der DDR nicht.“ Doch für Jugendliche heutzutage sei „Erich Honecker so weit weg wie Napoleon“. Auch deshalb fand der Gettorfer das Engagement des Bündnisses so lobenswert, wovon es im Land gern mehr geben dürfe.

Im Kubiz-Foyer präsentierten Oberstufenschüler der Isarnwohld-Schule auf Schautafeln, was ihnen bei Recherchen zu DDR, Grenzanlagen, Flucht und Mauerfall in die Hände gefallen war. „Es ist schon krass, dass Menschen damals erschossen wurden und es dafür sogar noch Orden gab“, stellte Lukas Manke fest.
Zeitzeugin Sigrid Querhammer stellte in der Gesprächrunde dar, wie das DDR-Regime kritische Bürger unter Druck setzte. Stasi-Schergen, Sowjet-Waffen oder linientreue Genossen? „Eine abweichende politische Meinung war nicht erwünscht“, so die 60-Jährige, die sich vom Staat nicht verbiegen lassen wollte und ein Erlebnis aus dem Jahr 1984 im Erzgebirge schilderte.

DDR-Kindheit in Erinnerung geblieben

Ihre Kindheit in der DDR ist Katrin Sohrweide in guter Erinnerung geblieben: „Es hat mir damals an nichts gemangelt.“ Sie sah sogar West-Fernsehen. „Man durfte in der Schule natürlich nicht darüber sprechen“, so die 51-Jährige. Ihre Erinnerung an die Montagsdemos 1989, als DDR-Bürger auf der Straße protestierten: „Ich hatte Angst, dass die Stimmung kippt und es nicht friedlich bleibt.“ Der Mauerfall habe sich dann „unwirklich“ angefühlt. Nach der Wende folgte Arbeitslosigkeit: „Auf dem Amt fühlte ich mich als Bittstellerin.“ Bis ihr ein Berufswechsel gelang, seit den 1990er-Jahren ist sie Zollbeamtin.

Frank Ginnow erlebte den Mauerfall bei der Nationalen Volksarmee (NVA). „Wir hatten keine Ahnung von der Lage außerhalb der Kaserne“, dachte der 49-Jährige zurück. Als die Nachricht von der Grenzöffnung kam, hieß es: „Die Mauer ist zwar offen, aber nicht für euch.“ Als Ginnow später in den Westen fuhr, investierte er sein Begrüßungsgeld in eine Jeanshose.

Gettorfs Bürgermeister unter den Gästen

Zu den Gästen gehörten auch Gettorfs Bürgermeister Hans-Ulrich Frank und sein Amtskollege aus der Partnerstadt Marlow in Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Schöler, sowie Pastor Dirk Schulz von der Kirchengemeinde Gettorf, die ebenfalls Erinnerungen beitrugen.

Im Anschluss an die Gesprächrunde bestand bei Sekt und Canapés noch Gelegenheit zum Austausch über Mauerfall und Wiedervereinigung. „Wir wollen das Ende der Teilung feiern“, sagte VHS-Leiterin Bodil Busch.

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