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Eckernförde Das grüne Klassenzimmer blüht wieder auf
Lokales Eckernförde Das grüne Klassenzimmer blüht wieder auf
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08:10 25.05.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Spannend: Die Forstwirte zeigen dem Nachwuchs, wie eine umsturzgefährdete Weide gefällt wird. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
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Schwedeneck

„Ein bisschen weiter zurück“, sagt Forstwirt und Waldpädagoge Michael Wauer zu den aufgeregt herumquirlenden Drittklässlern im Schulwald an der Seestraße. Kein Wunder, denn wann darf man schon mal dabei zuschauen, wenn eine umsturzgefährdete Weide gefällt wird?

Forstwirte arbeiten im Schulwald

Als die Mädchen und Jungen weit genug entfernt sind, setzt Forstwirt Boy Struck die Motorsäge am Stamm an. Zunächst für Sohle und Dach des Fallkerbs, jener Einkerbung, die die Fallrichtung vorgibt. „Aaach-tung“, ruft er dann. Die Weide neigt sich langsam, wird im Fall aber abgebremst durch Äste von Nachbarbäumen. Boy Struck gibt dem Stamm noch einen Stupser mit der Hand – dann gleitet die Weide langsam zu Boden. Kätzchenflaum schwebt durch den Wald, die Kinder klatschen begeistert. 

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Der etwa 2000 Quadratmeter große Schulwald an der Seestraße wurde schon 1996 auf einer Fläche der Gemeinde angelegt, erklärt Rektorin Jessica Knop. Bereits seit den 1980er herrschte an der Schule ein besonderes Interesse an Wald und Natur, auch gefördert durch eine häufig erfolgreiche Teilnahme an den Jugendwaldspielen. Bis 2004/5 gab es an der Grundschule sogar wöchentlich eine Stunde für den Schulwald und eine Schulwald-AG.

Unterstützung durch die Schutzgemeinschaft deutscher Wald

Über ein Jahrzehnt ruhte das Projekt, bis es 2018 von der kommissarischen Schulleiterin Lisanne Reigber und Schulsozialarbeiterin Maike Doerenberg wieder angeschoben wurde. Man nahm Kontakt auf zur Schutzgemeinschaft deutscher Wald (SDW), die die Reaktivierung vernachlässigter Schulwälder fördert. Als eine von zwei Schulen im Land wird die Schwedenecker Grundschule in diesem Jahr von der Schutzgemeinschaft mit 1000 Euro für die Waldpädagogik unterstützt.

Ein wichtiges Ziel der Schutzgemeinschaft ist es, insbesondere Kindern und Jugendlichen Wald und Umwelt näher zu bringen. Dazu startete der Naturschutzverband 2015 eine Bildungsoffensive Wald, zu der das „grüne Klassenzimmer“ als Lernort in der Natur gehört. 

Unterschiede bei Land- und Stadtkindern

Und die Landesforsten Schleswig-Holstein fördern das Projekt durch handfeste Unterstützung: Die drei Forstwirte Struck, Wauer und Klaus Kühl kommen einen ganzen Tag lang, um unter anderem totes Strauchwerk zu entfernen und das Eingangstor zum Schulwald zu erneuern. „Die Arbeit mit den Schülern ist etwas Besonderes“, sagt Kühl, der ebenfalls Waldpädagoge ist. Zwischen Land- und Stadtkindern gibt es beim Wissen über die Natur deutliche Unterschiede, erklärt sein Kollege Wauer. Bei Stadtkindern „freut man sich, wenn sie am Ende des Tages den Unterschied zwischen Laub- und Nadelbaum kennen.“

Er holt sich eine Baumscheibe der gefällten Weide und fragt den Nachwuchs: „Wie alt mag die sein?“ Mit den Kindern zählt der Waldpädagoge die Jahresringe. Fasziniert schauen die Kinder sich das frisch geschnittene Holz an. Und weil jeder eine Scheibe als Erinnerungsstück haben möchte, schmeißt Boy Struck noch mal die Säge an.

Kinder haben Nistkästen gebaut

Neele (8) gefällt das grüne Klassenzimmer, in dem es zum Sitzen auch Holzklötze geben wird: „Da findet man viel über Bäume raus und ist in der Natur.“ Regelmäßig geht die Klasse in den Wald, erzählen Jon und Tade (beide 9). „Im Prinzip wöchentlich“, sagt Jessica Knop. Man spürt man beim Nachwuchs, wie fesselnd ihr „grünes Klassenzimmer“ wirkt. So haben sich die Drittklässler auch schon bei Christopher von Dollen, dem Leiter des Hegelehrreviers Grönwohl, schlau gemacht, was man für Tiere im Wald tun kann. Der Jäger hat die Kinder auch beim Bau von Nistkästen unterstützt, erzählen sie. 

Trend zu mehr Waldarbeit

Ionut Huma, Pressesprecher der Landesforsten, erklärt, dass es einen Trend zu mehr Waldarbeit bei Schulen gibt: „Denn man schätzt nur, was man selber kennt – und wir müssen Wald und Natur schützen. Auch er selbst ist immer mal bei Schulwald-Projekten dabei: „Es ist toll zu sehen, wie die Kinder sich begeistern können“. Das zu fördern, sei ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. 

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