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Eckernförde Handarbeit am Weihnachtsbaum im Sommer
Lokales Eckernförde Handarbeit am Weihnachtsbaum im Sommer
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07:00 20.07.2018
Von Cornelia Müller
Wolf-Oliver Graf von Baudissin und Ehefrau Rixa bauen auf Gut Augustenhof in Osdorf Nordmanntannen an. Das gesamte Jahr brauchen sie intensive Pflege von Hand. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Osdorf

Ortstermin in einer sechs Hektar großen Nordmanntannen-Kultur. Geradezu übersichtlich ist sie angesichts der Tatsache, dass Wolf-Oliver Graf von Baudissin auf 60 Hektar seiner Ländereien Nadelbäume großzieht.

Trotzdem sieht der Laie den Wald vor lauter Bäumen nicht. Nicht etwa, weil diese 35000 Bäumchen erst 1,40 Meter Höhe messen. Es sind einfach zu viele, um im grünen Meer durchzublicken.

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Durch Handarbeit bekommt jeder Weihnachtsbaum die gewünschte Struktur

„Struktur“, sagt der Herr der Weihnachtsbäume mit Nachdruck, „die Struktur ist es, worauf es mir ankommt. Beim jedem Baum. Die haben wir im Blick, die beeinflussen wir gezielt. Sonst gäbe es all die schönen, schlanken, vollen Weihnachtsbäume gar nicht.“

Der Gutsherr und Ehefrau Rixa sind so mit dem Werden und Wachsen der Bäume verbunden, dass man die vierjährigen Setzlinge von 20 Zentimeter Höhe, die Baumschulen liefern, als Babys bezeichnen möchte. Die Zuwendung hört nicht auf, bis die Baumkinder zehn Jahre später mannshoch sind und auch auf dem eigenen Weihnachtsmarkt zum Verkauf kommen.

Die Pfahlwurzel der Nordmanntanne ist 1,5 Mal so lang wie der Baum

Aber wie bringt der Gutsherr seinen Zöglingen Struktur bei? „Im Januar schreiten wir die Kulturen ab und sägen heraus, was keine schöne Tanne mehr werden kann. Um Pilzbefall zu verhindern, der das Wachstum junger Bäume bremst, bleibt dort nichts liegen."

Auf abgeernteten Flächen folgt im März/April die Neupflanzung per Maschine. Damit das Bäumchen anwächst, muss das Loch tief sein: Die Pfahlwurzel der Nordmanntanne ist 1,5 Mal so lang wie der Baum. Ein Zaun schützt jungen Kulturen. Hasen würden die zarten Terminalknospen der Spitze abknabbern.

Snippen und Kneifen bringt Zweige und Spitze während des Wachstums in Form

Und Rehfraß? Von Baudissin: „Der betrifft beim höheren Baum nicht mehr die Spitze. Und an Fraßstellen weiter unten bilden sich Knospen nach, der Ast verzweigt sich. Er wird dichter.“ Das machen sich von Baudissin und Team selbst zunutze.

„Snippen“ heißt es, wenn sie Zweige so in Form schneiden, dass sich jedes Bäumchen „zur schlanken Pyramide mit Fülle“ auswächst. Ab viertem Standjahr in der Kultur wird der Terminaltrieb – der obere senkrechte Trieb – mit einer Zange „gekniffen“.

„Die Rindenverletzung behindert den Saftstrom und das Längenwachstum. Der Baum würde sonst zu licht.“ Viele weitere Schritte folgen noch im Laufe des Jahres. Dass jede Nordmanntanne in der Standzeit bis zur Ernte 40 Mal begutachtet worden ist, ahnt kaum einer.

Hier sehen Sie mehr Bilder von der Arbeit an den Weihnachtsbäumen im Sommer.
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 19.07.2018
Christoph Rohde 19.07.2018
Cornelia Müller 19.10.2018