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Eckernförde Vom Mut, über den Tod zu sprechen
Lokales Eckernförde Vom Mut, über den Tod zu sprechen
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08:27 05.12.2019
Von Christoph Rohde
Krankenhausseelsorgerin Bettina Röhlk (links)und Ursula Bruhn-Rath mit ihrem Team der Hospiz-Initiative des Kirchenkreises Eckernförde stehen Sterbenden und deren Angehörigen zur Seite. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

Wenn ein Mensch im Sterben liegt, tauchen viele Fragen auf. Im Krankenhaus ist nicht die Zeit, sie alle zu beantworten und begleitend zur Seite zu stehen. Die Hospiz-Initiative des Kirchenkreises Eckernförde ist dann eine wertvolle Ergänzung und Fortführung. „Sowohl Schwerkranke selbst als auch Angehörige kommen auf uns zu“, sagt Koordinatorin Ursula Bruhn-Rath. „Manchmal sind es sogar die Angehörigen, die stärker begleitet werden müssen, als der Sterbende.“ Es gibt Menschen, die verdrängen den Tod – und dann wird es schwierig für den Ehepartner, die Tochter oder den Sohn, darüber zu reden.

Gutes Tun im Advent: Über die letzten Schritte reden

„Schwerkranke wollen oft keine Belastung sein und andere zusätzlich mit Tränen beladen“, sagt Krankenhausseelsorgerin Bettina Röhlk. Dabei ist der Wunsch, über die letzten Schritte zu reden, oft von beiden Seiten vorhanden. „Nur traut sich keiner, es anzusprechen“, sagt Bruhn-Rath. Manchmal gelingt es dann, zu vermitteln. Sodass ein Austausch darüber entsteht, welche Wünsche der Sterbende hat, wo und wie er beispielsweise beerdigt werden möchte. Die Trauerbegleiter unterliegen der Schweigepflicht. Die ihnen anvertrauten Sorgen und Nöten bleiben stets vertraulich.

Der Tod wird oft verdrängt

Was die Ehrenamtler der Hospiz-Initiative tun können, ist Mut zu machen. Mut, Dinge anzusprechen und offen darüber zu reden. „Das eigene Leid wird oft ferngehalten von anderen“, sagt Bruhn-Rath. Besonders Männern fällt es nach ihren Erfahrungen schwer, über die emotionale Seite zu sprechen. Was wird aus der Familie, wenn es mich nicht mehr gibt? Das zu verdrängen, sei zutiefst menschlich, so die Koordinatorin. Auch die Angehörigen stünden oft hilflos davor. In Zeiten, in denen die Großfamilie zur Ausnahme geworden ist, fehlt es an Erfahrung, mit dem Tod als Teil des Lebens umzugehen.

Bis zum Ende gemeinsam aushalten

„Manche fürchten sich vor dem, was auf sie zukommt“, sagt Bruhn-Rath. Sie fragen sich, ob sie das bis zum Ende aushalten können. Was ist richtig, was falsch, wenn es dem Sterbenden immer schlechter geht. „Dann können wir da sein, mit aushalten und erklären, was getan und bedacht werden muss.“ Da wird manchmal nur schweigend gesessen, manchmal aber auch gelacht. „Wir sprechen nicht nur über den Tod, sondern über das, was anliegt und was die Menschen wollen“, so die Koordinatorin. Die Trauerbegleiter hören zu, wenn Angehörige berichten, was sie in der Nacht am Sterbebett erlebt haben. Wenn sie bei einem Außenstehenden, der sich auskennt, loswerden möchten, was sie bedrückt.

Manchmal reicht eine Handynummer

Manchmal übernehmen sie auch eine Nachtwache, um Angehörige zu entlasten. Da wieder mehr Menschen zum Sterben in die vertrauten vier Wände zurückkehren möchten, kann unter bestimmten Bedingungen vom Arzt auch ein sogenanntes SAPV-Team für spezielle, ambulante palliative Versorgung verordnet werden. „Die Hospiz-Initiative ist ein Teil davon“, sagt Bruhn-Rath. Das Team im Hintergrund gibt Sicherheit. „Manchmal reicht schon die Gewissheit, eine Handynummer zu haben.“

Keine Angst vor dem Wort Hospiz

Wünschen würden sich Bruhn-Rath und Röhlk, dass mehr Menschen, die die Hospiz-Initiative brauchen könnten, auch von ihr erfahren. Und dass das Wort Hospiz weniger Ängste auslöst, sondern dafür steht, eine erfahrene Begleitung und Stütze an der Seite zu haben, wenn es darum geht, einem Lebensende entgegen zu sehen und behutsam Abschied zu nehmen. 

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Engagement seit 1998

Die Hospiz-Initiative des Kirchenkreises Eckernförde wurde 1998 gegründet. Derzeit umfasst sie rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle eine Ausbildung in Trauerbegleitung absolviert haben. Aktuell läuft ein neuer Kursus mit sechs Teilnehmern. Er besteht aus der Vermittlung grundlegender Kenntnisse, einer Praktikumsphase und einem Aufbaukursus. Wer möchte, kann dann in die ehrenamtliche Trauerbegleitung einsteigen. Das Angebot der Hospiz-Initiative zur Trauerbegleitung ist unentgeltlich und geschieht unabhängig von Weltanschauung und religiöser Überzeugung. Die Initiative kümmert sich um schwerkranke und sterbende Menschen, um ihre Angehörigen und Freunde sowie um Menschen, die sich für die Hospiz-Arbeit interessieren. Auch eine Beratung ist möglich. Kontakt über die Koordinatorin und Palliativ-Care-Fachkraft Ursula Bruhn-Rath, Tel. 04351/713115, sowie unter: www.hospiz-initiative-eckernfoerde.de.

„Es ist tröstlich, dass es anderen ähnlich geht“
Das Trauercafé in der Cafeteria des Altenhilfe-Diakonie-Zentrums St. Martin bietet Austausch

Seit rund 15 Jahren betreibt die Hospiz-Initiative das Trauercafé in der Cafeteria des Altenhilfe-Diakonie-Zentrums St. Martin. Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sich hier zwischen 16 und 18 Uhr Angehörige oder Partner von Gestorbenen. Hier können Menschen, die einen Verlust erlitten haben, darüber reden und sich mit anderen Betroffenen austauschen. Dabei fließen manchmal auch Tränen. „Doch es ist tröstlich zu erfahren, dass es anderen ähnlich geht“, sagt Krankenhausseelsorgerin Bettina Röhlk. Wenn der Schmerz nicht mehr so tief sitzt, lasse sich an anderen, die ein Stück weiter sind, erkennen, dass man auch ohne den verlorenen Partner oder Angehörigen neu in die Zukunft blicken und wieder Freude empfinden könne. „Wenn es optimal läuft, bilden sich sogar Freundschaften“, sagt Ursula Bruhn-Rath, Koordinatorin der Hospiz-Initiative.

Das Trauercafé wird in der Regel von zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern der Hospiz-Initiative begleitet. Das Altenhilfe-Diakonie-Zentrum St. Martin findet sich in Eckernförde in der Margarethe-Kruse-Straße 6-8.

Gutes Tun im Advent: Wir sammeln für die Hospizarbeit

Der Verein „KN hilft“ sammelt in diesem Jahr Spenden für die Hospizarbeit in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön, Segeberg sowie in den Städten Kiel und Neumünster und bittet um Ihre Mithilfe. Ein Spendenkonto bei der Förde Sparkasse ist eingerichtet. Unter dem Stichwort „Gutes tun im Advent“ können Sie spenden auf das Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00. Möchten Sie nicht, dass Kieler Nachrichten oder Segeberger Zeitung Sie als Spender erwähnen, so schreiben Sie bitte hinter den Verwendungszweck den Hinweis „kein Name“. Spenden können Sie bis zum Ende des Jahres.

Zusätzlich unterstützen die Kieler Nachrichten die Sammelaktion: Von jeder Ausgabe, die der Verlag am 21. Dezember im Einzelhandel verkauft, fließen 20 Cent direkt auf das Spendenkonto. Außerdem geht der Gewinn aus dem Verkauf der KN-Adventskalender-Lose an den Hospizverband.

Stege und Kaimauern - Sanierungsbedarf im Innenhafen

Die Stadtwerke als Betreiber des Eckernförder Hafens müssen den Innenhafen anpacken. Laut SWE-Chef Dietmar Steffens besteht dringender Sanierungsbedarf nicht nur für die Steganlagen auf der Nordseite. Auch zerstörte Regeneinläufe müssen erneuert und die marode Kaimauer instandgesetzt werden.

Christoph Rohde 07:42 Uhr

Der Mast ist schon von Borby aus zu sehen. 32 Meter ragt er über dem Jaich-Hafen auf. Grazil und trimmbar – das lässt auf eine Regattajacht schließen. In diesem Fall ist es sogar eine Besondere: Die „CJ Legend“, eines der wenigen noch segelnden Boote der berühmten Whitbread-Regatta um die Welt.

Christoph Rohde 06:48 Uhr
Schwedeneck/Surendorf - Hundestrand bekommt einige Strandkörbe

Das dürfte Hundebesitzer freuen: Die Touristik Schwedeneck plant, 2020 auch am Hundestrand Strandkörbe aufzustellen. „Wir wollen das mal probieren“ erklärt Touristikchef Manfred Mallon. Mit diesem Angebot reiht sich die Gemeinde bei bekannten Orten wie St. Peter-Ording ein.

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