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Eckernförde Im Handwerk steht eine Rentenwelle bevor
Lokales Eckernförde Im Handwerk steht eine Rentenwelle bevor
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15:01 04.06.2019
Von Tilmann Post
Schweißen will gelernt sein - und ist ein wichtiges Merkmal von Fachkräften im Metallbaugewerbe, sagt Kreishandwerksmeister Thomas Wriedt. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen die Betriebe nicht nur in Lehrlinge investieren, sondern auch in die Qualifikation der gesamten Belegschaft, so Wriedt. Der gelernte Schmied muss es wissen, er führt seinen Rendsburger Betrieb in vierter Generation. 2020 wird die Neuwerker Schmiede und Bauschlosserei 100 Jahre alt. Quelle: Tilmann Post
Rendsburg/Eckernförde

Wie sieht die Fachkräftesituation im Kreis aus?

Thomas Wriedt: Man kann nicht alle Branchen über einen Kamm scheren. Während die Lehre zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker sehr beliebt ist, hat es das Bauhauptgewerbe schwer. Und bei uns Metallbauern sieht es auch düster aus, etwa wenn es um spezielle Fähigkeiten wie die CNC-Ausbildung bei Werkzeugmachern oder im Rohrleitungsbau geht. Denn Fachkräftemangel – wie wir ihn erleben – bezieht sich auch auf weiterqualifizierte Handwerker.

Wie ist das zu verstehen?

Die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns unsere Mitarbeiter aussuchen konnten, auch wenn im Kammerbezirk Nord in diesem Jahr bereits mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden als 2018. Die Betriebe müssen selbst in ihre Gesellen investieren, indem sie sie qualifizieren. In meinem Fall also ein ausgelernter Metallbauer, der an speziellen Schweißkursen teilnimmt. Wenn der das Unternehmen verlässt, bleibt erst einmal ein großes Loch.

Inwiefern macht dem Handwerk der demografische Wandel zu schaffen?

Sehr, die Belegschaften sind überaltert. Viele Mitarbeiter gehen bald in den Ruhestand. Dadurch verschwindet viel Wissen aus den Werkstätten. Außerdem stehen 30 Prozent der Firmen in den nächsten Jahren zur Übergabe bereit, weil die Inhaber sich aus dem aktiven Berufsleben verabschieden. Doch für die Nachfolge gibt es zu wenige Betriebsleiter und Unternehmer. Das hat auch mit dem lange propagierten Wahn zu tun, dass die jungen Leute unbedingt das Abitur ablegen und studieren sollen. Die fehlen uns jetzt. Die Gymnasien sind gefordert, ihren Schülern zu zeigen, dass es – überspitzt gesagt – noch andere Berufswege gibt als Rechtsanwalt und Arzt.

Was können Sie den Gymnasiasten denn anbieten?

In vielen Gewerken lässt sich die betriebliche Ausbildung mit einem Studium verbinden. Ich zum Beispiel arbeite gerne mit Ingenieuren zusammen, die auch eine Lehre gemacht haben. Die wissen, wovon sie reden.

Vorhandene Kräfte werden also qualifiziert, was tun Sie aber für die Nachwuchsgewinnung?

Ich bin froh, dass die bundesweite Kampagne „Das Handwerk“ jetzt Früchte trägt. Die spricht junge Bevölkerungsschichten an und hat das Handwerk erst einmal wieder in die Köpfe zurückgebracht.

Und was ist Ihre Meinung, weshalb jemand einen Handwerksberuf ergreifen sollte?

Vom ersten Tag an gibt es Geld. Ein Rechtsanwalt muss hingegen erst viele Jahre Schule und Studium aufholen. Außerdem die Liebe zum Beruf: Als Handwerker gibt es so gut wie keine Probleme, die man nicht bewältigen kann. Ich rate jedem, bei der Berufswahl auf sich selbst zu hören. Ich kenne etwa eine mit Preisen ausgezeichnete Konditorin, die durch Zufall zu dem Beruf kam. Prompt tauschte sie ihr Jura-Studium gegen die Lehre.

Müssen Bewerber unbedingt den Mittleren Schulabschluss vorweisen?

Ich nehme auch Leute mit dem Ersten allgemeinbildenden Abschluss – früher Hauptschule. Nach dreieinhalb Jahren Lehre haben die auch die mittlere Reife, wenn sie einen bestimmten Notendurchschnitt erreichen. Das ist aber zu schaffen. Und bei mir hat noch jeder die Gesellenprüfung bestanden. Das ist der Vorteil am Handwerk: Man kann alles direkt mit den Händen begreifen. Bei so viel Praxis fällt auch schulmüden Lehrlingen die Theorie kaum auf.

Spielen Flüchtlinge auf dem Lehrstellenmarkt eine nennenswerte Rolle?

Nein, um Fachkräfte zu gewinnen, können wir kaum auf Flüchtlinge setzen, weil sie Deutsch in Wort und Schrift beherrschen müssen. Im Betrieb lässt sich die Arbeit vielleicht noch mit Händen und Füßen erklären, aber viele scheitern trotz vieler Förderungen in der Berufsschule.

Welche direkten Auswirkungen erwarten Sie durch den Fachkräftemangel?

Die Bevölkerung kann sich darauf einstellen, dass die Preise für Handwerksleistungen steigen. Denn Bewerber können unter mehreren Arbeitgebern wählen, wobei sicher auch die Höhe des Lohns ausschlaggebend ist. Zudem werden Aufträge länger dauern. Das ist nicht wie beim Schuhkauf im Internet – heute bestellt, morgen da. Handwerk braucht seine Zeit, gerade mit weniger Mitarbeitern.

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