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Eckernförde Wo Anderssein ganz normal sein darf
Lokales Eckernförde Wo Anderssein ganz normal sein darf
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11:40 15.05.2019
Von Cornelia Müller
Grit Petzold (links), Leiterin der Fachpflegeeinrichtung Haus Dänischer Wohld in Osdorf, und Hauswirtschaftsleiterin Susanne Burtscheidt blicken der Eröffnung des Neubaus freudig entgegen. 7,5 Millionen Euro investiert eine private Eigentümergemeinschaft in das Haus. 158 Bewohner können betreut werden. Quelle: Cornelia D. Mueller
Osdorf

Der gläserne Gang in den runden Neubau im Garten ist noch mit Holzwänden verstellt. In die Gänge des Altbaus dringen Geräusche vom Hämmern und Schleifen. Und trotzdem gibt es viele strahlende Gesichter bei der Belegschaft.

Auch Grit Petzold, Leiterin der Fachpflegeeinrichtung Haus Dänischer Wohld – so heißt es korrekt – lächelt offen, obwohl sie gerade richtig Stress hat. „Kurz vor der Fertigstellung kommt eben alles auf einmal“, sagt sie. „Aber Freude und Aufregung überwiegen.“

Neubau des Pflegeheims in Osdorf wird eingeweiht 

Das private Haus hat Großes vor und ist auf der Zielgeraden. Die Einrichtung erhält ein zweites Gebäude mit großen, lichten Einzelzimmern für Menschen mit gerontopsychaitrischen Erkrankungen, eine Station mit 17 Betten für Palliativpflege, die Schwerstkranken eine Art Pause von ihrem sonstigen Pflegealltag gibt, sowie eine Pflegeoase für acht Bewohner.

Letztere ist eine Wohngemeinschaft mit offenen Türen und großem Gemeinschaftsraum. Hier dürfen Menschen im letzten Stadium der Demenz so intensiv wie möglich Leben spüren. Licht, Klang, Aromen werden ihnen helfen – bis zum letzten Moment.

180 Pflegekräfte und Mitarbeiter für 158 Bewohner

105 Bewohner leben heute in der Einrichtung, 158 werden es kurz nach dem Einweihungstag sein. Das Team der 112 Mitarbeiter wächst dann zunächst auf 140 und binnen der nächsten Monate auf 180.

„Und“, sagt die 53-jährige Leiterin, die lange Intensivkrankenschwester war, , „wir könnten das Haus dreimal belegen. Die Nachfrage ist riesig, aus allen Teilen der Republik“.

Nicht ohne Grund. Das Haus Dänischer Wohld hat sich vor allem auf die intensive Betreuung von Menschen spezialisiert, die unter sehr ausgeprägter Demenz leiden. Menschen, mit denen sich viele weniger spezialisierte Senioreneinrichtungen überfordert sehen müssen, finden in Osdorf ihr Zuhause. Das Motto ist Programm: „Hier darf jeder sein, wie er ist.“

Demenzkranke werden in diesem Heim nicht eingesperrt

Anderssein ist das Normale und kein Grund, Menschen zu fixieren, Türen abzusperren, Bewohner vom Spaziergang, der wie ein Irrweg anmutet, abzuhalten. Dass jeder wieder nach Hause findet, ist Sache der Betreuer.

„Wir nehmen Menschen ernst. Das macht mir größte Freude“, sagt Petzold nach neun Jahren Einrichtungsleitung und Neuausrichtung des Pflegeheims. „Von unseren Bewohnern bekommen wir sofort direkte Rückmeldung, ohne Höflichkeiten, Vorsicht, Floskeln. Du weißt gleich, was jemand will oder hasst, was er oder sie fühlt."

Hier sehen Sie mehr Bilder vom Neubau des Pflegeheim in Osdorf.

"Damit umzugehen und darauf zu reagieren, muss man lernen. Aber es macht Bedürfnisse sonnenklar. Diese Authentizität ist für mich das Menschsein pur.“ Dafür braucht es Toleranz, viel Schulung, Teamgeist.

Es gibt auch eine Ausbildungsstation für Pflegekräfte

Petzold: „Wir haben keine ausgeprägte Hierarchie, auch den Bewohnern gegenüber nicht. Wir haben sogar eine eigene Ausbildungsstation für den Nachwuchs, der gern auch älter sein darf. Und die Azubis bleiben nach dem Abschluss gern.“ Auch bei der Werbung um Pflegepersonal ging die Leitung neue Wege.

Gesucht werden mehr Mitarbeiter für das besondere Pflegeheim

„Blind Dates“ im öffentlichen Raum, in denen sich das Team Interessenten bei Kaffee und Eis vorstellt, bescherte dem Haus Dänischer Wohld binnen kurzem 30 neue Mitarbeiter. Auch sie warten jetzt gespannt auf den Einweihungstag.

Haus Dänischer Wohld

Die Fachpflegeeinrichtung Haus Dänischer Wohld ist ein privates Haus. Träger ist die Altenwohn- und Pflegeheim Haus Dänischer Wohld GmbH und Co. KG. Dahinter steht eine Eigentümergemeinschaft, die in Osdorf ansässig ist. Intensivkrankenschwester Grit Petzold (53) übernahm die Leitung vor neun Jahren. In den Neubau, der 49 zusätzliche Betten haben wird, wurden 7,5 Millionen Euro investiert. Die Investition in mehr Personal und Ausbildung „statt in verzichtbarer Details“ gehört laut Petzold zum Konzept. Für Angehörige gibt es Beratung, Begleittagebuch, Selbsthilfegruppen. Leitziele sind unter anderem „Wertschätzung, Ehrlichkeit, Respekt, Offenheit“.

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