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Eckernförde Honig ungenießbar: Bienen flogen auf Jakobskreuzkraut
Lokales Eckernförde Honig ungenießbar: Bienen flogen auf Jakobskreuzkraut
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14:25 26.08.2016
Von Birgit Johann
Ein Jammer: Mit diesem Honig wird jetzt eine Biogasanlage gefüttert. Der finanzielle Verlust des Imkers liegt bei mindestens 5000 Euro. Quelle: Birgit Johann
Windeby

Denn zwei Probenentnahmen ergaben Laborwerte von 220 und 420 Mikrogramm an Pyrrolizidinalkaloiden (PA) pro Kilogramm Honig. Der gängige Orientierungswert liegt bei maximal 140 Mikrogramm. Aufgrund seiner Erfahrungen vor zwei Jahren hatte Jazdzejewski sich wegen seiner Proben nicht übermäßig gesorgt. Damals hatte er die Untersuchung selber in Auftrag gegeben und vom Labor eine unauffällige PA-Belastung bescheinigt bekommen. In diesem Sommer nahm Jazdzejewski das Angebot der Stiftung Naturschutz wahr, die Imkern im Falle einer freiwilligen Überprüfung die Laborkosten erstattet.

 Pyrrolizidinalkaloide dienen bestimmten Pflanzen zum großen Teil zur Abwehr von Verbiss. Etliche PA gelten als leberschädigend und stehen im Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein. Dennoch ist kein Imker verpflichtet, seinen Honig testen zu lassen. Die Wissenschaft hat inzwischen rund 500 PA entdeckt und in puncto Schädlichkeit in drei Klassen eingeteilt.

Jakobskreuzkraut wurde nicht rechtzeitig abgemäht

Gleich mehrere der als besonders gefährlich eingestuften PA enthält das gelbblühende Jakobskreuzkraut (JKK), das sich in Schleswig-Holstein seit über 20 Jahren stark ausbreitet. Nach Einschätzung von Aiko Huckauf vom JKK-Kompetenzzentrum der Stiftung wird der Korbblütler sich vermutlich innerhalb der nächsten zehn Jahre wieder rarer machen, da solch invasives Verbreiten oft in 30-Jahres-Zyklen geschieht.

 Das hilft Jazdzejewski wenig. In unmittelbarer Nähe von mindestens einem seiner Stände ist ein größeres Feld, auf dem sich JKK in großer Zahl wohl fühlt. Die Extensivfläche gehört ausgerechnet der Stiftung und wurde durch unglückliche Umstände von ihrem Pächter nicht rechtzeitig abgemäht.

Schaden beträgt 5000 Euro

 Jazdzejewski ist seit 35 Jahren Berufsimker, Probleme sind ihm nicht fremd – Beispiel Faulbrut. Doch diesmal geht es tiefer. Der finanzielle Verlust von mindestens 5000 Euro ist das eine, das Bewusstsein, dass Tausende von Bienen und er umsonst gearbeitet haben, das andere. 640 Gläser Honig hatten er und seine Frau Erika bereits in Gläser gefüllt. Diese haben sie jetzt in ihrer Sauna angewärmt und in einen großen Behälter gegossen. Da der Honig auf über 40 Grad erhitzt wurde, bleibt er flüssig. Die noch stärker belastete zweite Charge ist noch im Großgebinde und wird von Jazdzejewski täglich gerührt, um sich gut entsorgen zu lassen.

 Denn in diesem Punkt lässt der Imker nicht mit sich reden. Er steht in engem Austausch mit Huckauf, der für die Stiftung auch das Imkertelefon in Sachen JKK bedient. Laut Huckauf wäre ein Verkauf des Honigs eventuell sogar noch denkbar gewesen, nach Rücksprache mit dem Kreisveterinäramt und entsprechendem PA-Hinweis auf dem Etikett. Doch das will Jazdzejewski auf keinen Fall, und das Verfüttern an die Bienen ist für ihn auch keine Alternative.

Grenzwert sollte niedriger angesetzt werden

 Der Windebyer kritisiert den Mangel an klaren behördlichen Ansagen in Sachen PA. Die Untersuchung des Sommerhonigs sollte seiner Ansicht nach Pflicht sein. Es sollte einen bindenden Grenz- und nicht nur einen Richtwert geben. 140 Mikrogramm sieht er als viel zu hoch an. Der Wert geht auf die Empfehlung vom Bundesinstitut für Risikobewertung zurück, täglich nicht mehr als maximal 0,007 Mikrogramm PA pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen und legt darüber hinaus den Tagesverzehr von drei Gramm Honig bei 60 Kilogramm Körpergewicht zu Grunde.

 Diese geringe Menge sei lachhaft, sagt Jazdzejewski. Er selber esse mindestens ein Pfund Honig pro Woche, jetzt nur noch von seiner Raps- und Frühlingsernte. „Meine Forderung: Der Grenzwert muss so niedrig angesetzt werden, dass ein Kind ohne Bedenken zwei Scheiben Honigbrot pro Tag essen kann.“

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