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Eckernförde Mit 29 Jahren begleitet Kim Göring Todkranke
Lokales Eckernförde Mit 29 Jahren begleitet Kim Göring Todkranke
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10:03 14.12.2019
Von Cornelia Müller
Kim Göring aus Eckernförde ist Hospizbegleiterin. „Dieses Ehrenamt macht mich sehr dankbar und lässt mich mein eigenes Leben intensiver erfahren“, sagt sie. Im Hospizverein Dänische Wohld in Gettorf ist die 29-Jährige die Jüngste in diesem Amt. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Eckernförde

Kim Göring öffnet die Wohnungstür mit strahlendem Lächeln. Umzugskartons stehen im Flur. „Wir sind schon mittendrin, wir ziehen um in ein Einfamilienhaus“, klärt sie auf. „Mein Mann ist gerade dort und werkelt.“

Ihre positive Ausstrahlung springt gleich über: Aufbruch, Neubeginn, Perspektiven. „Das Jahr war ereignisreich“, setzt sie hinzu. „Wir haben erst vor ein paar Monaten geheiratet. Alles ist noch ganz frisch.“

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Wie kommt eine fröhliche junge Frau, die beruflich bei der Bundeswehr Personalfeldwebel ist, zu solch einer Aufgabe in ihrer Freizeit? Einer so schwierigen, wie die meisten denken. Den Satz „Das könnte ich nicht!“ hört Kim Göring oft von Freunden und Bekannten. Dann schwingt auch Bewunderung mit.

Die Eckernförderin hat die Ausbildung beim Hospizverein in Gettorf gemacht

Gern erzählt sie dann etwas darüber. Das bringt Licht in ein vermeintlich düsteres Thema, das nach dem Gespräch auf einmal natürlich geworden ist. „Ich habe mich 2017 für die Ausbildung beim Hospizverein Dänischer Wohld in Gettorf entschieden“, erzählt sie.

„Meine Mutter ist dort im Ehrenamt. Und es gab Anlass: Meine Oma war gerade gestorben. Meine Mutter und ich waren am Lebensende bei ihr. Das hat meinen Wunsch geweckt, mehr über die Begleitung zu erfahren. Ich hatte dieses schöne Gefühl, dass man nicht nur etwas schenkt mit seiner Anwesenheit. Man bekommt auch etwas zurück, das Freude auslöst.“

Ganz unbefangen ging Kim Göring nicht in die einjährige Schulung. „Ich dachte, ich würde nicht hinein passen, ich sei zu jung. Aber ich wurde ermutigt durch das Praktikum an der Seite einer erfahrenen Kraft“, blickt sie zurück.

Hospizbegleiter helfen Todkranken mit ihrer Anwesenheit und Gesprächen

In der Ausbildung lernte sie auch etwas über Krankheiten und Hilfsmittel, die Sterbende womöglich brauchen. „Aber darum geht es nachher nicht. Wir leisten keine Pflege, keine Hilfe im Haushalt. Wir sind für das Gespräch da. Wenn mehr nötig ist, kann der Verein vermitteln.“

Hospizliche Begleitpersonen müssen zuerst selbst lernen, die Lage ihres Gegenübers zu akzeptieren. Kim Göring: „Du kannst ja nichts verändern. Wer am Ende des Lebens steht, hat sich damit auseinandergesetzt.“

Gleichwohl war sie aufgeregt, als Koordinatorin und Ausbilderin Martje Manthee 2018 den Kontakt zu einem älteren Herrn herstellte. Gemeinsam mit ihr fand das erste Treffen statt. Patient und Helferin fanden gleich: „Das passt.“ Sie vereinbarten wöchentliche Besuchstermine. 

Die junge Eckernförderin ermutig auch andere zur Hospizarbeit

„Das Besondere ist, dass sein Leben doch noch nicht zu Ende ist. Wir wissen ja nicht, wann es geschieht. Für jede Stunde, die ich da sein kann, bin ich dankbar. Und ihm hilft es sehr, dass er nicht vergessen ist, wie er sagt“, zieht sie Zwischenbilanz nach anderthalb Jahren.

„Er hat auch viel aus meinem Leben mitbekommen: Mein Freund trennte sich von mir. Ich lernte meinen heutigen Ehemann kennen. Das ist jetzt fast wie eine Freundschaft.“ Rückt man da zu nah zusammen?

Kim Göring überlegt kurz. „Ich werde trauern. Trotzdem kann ich immer wieder voll in mein Leben eintauchen, wenn ich vom Besuch nach Hause komme. Ein kleines Ritual hilft mir dabei. Auch das lernt man. Ich möchte andere jüngere Menschen ermutigen, auch die Ausbildung zu machen.“

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat ihr Engagement im April gewürdigt. Als eine von 100 Hospizbegleiterinnen und -begleitern erhielt sie die Urkunde für das Ehrenamt in der Hospizarbeit.

Spendenaktion "Gutes tun im Advent"

Der Verein „KN hilft“ sammelt Spenden für die Hospizarbeit in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön, Segeberg sowie in den Städten Kiel und Neumünster. Ein Spendenkonto bei der Förde Sparkasse ist eingerichtet. Unter dem Stichwort „Gutes tun im Advent“ können Sie spenden auf das Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00.

Möchten Sie nicht, dass Kieler Nachrichten oder Segeberger Zeitung Sie als Spender erwähnen, so schreiben Sie bitte hinter den Verwendungszweck den Hinweis „kein Name“. Spenden können Sie bis zum Ende des Jahres.

Zusätzlich unterstützen die Kieler Nachrichten die Sammelaktion: Von jeder Ausgabe, die der Verlag am 21. Dezember 2019 im Einzelhandel verkauft, fließen 20 Cent direkt auf das Spendenkonto. Außerdem geht der Gewinn aus dem Verkauf der KN-Adventskalender-Lose an den Hospizverband. Der Verband wird das Geld an Einrichtungen und Vereine im Verbreitungsgebiet von Kieler Nachrichten und Segeberger Zeitung weiterleiten.

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