Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Eckernförde Imkerei in Lindhöft ist Bienen-Paradies
Lokales Eckernförde Imkerei in Lindhöft ist Bienen-Paradies
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 23.05.2019
Von Cornelia Müller
Frank Metasch aus Eckernförde, von Beruf Landschaftsplaner, imkert seit 1998 auf dem Lindhof der Uni Kiel in Noer. Seine Bienenvölker leben paradiesisch. Quelle: Cornelia D. Mueller
Noer

Ein Morgen mit Nebel. Von üppig Baumvielfalt und Obstblüten, unter denen 28 Bienenkästen scheinbar wuselig organisierte Staaten beherbergen, tropft es. „Kein Flugwetter“, sagt Metasch.

Er lächelt vielleicht gerade deshalb. Dieser Tag verspricht ein besonderes Ereignis, wenn die Bienen stillhalten. „Ein Volk hat sich geteilt. Mit neuer Königin sind etwa 4000 Bienen ausgeschwärmt, um sich neu zu organisieren“, klärt er auf.

„Ich werden versuchen, ihnen ein Heim zu bieten – Bienenstock Nummer 29.“ Die neue Heimat, im Fachjargon Beute, ist schon mit Holzrähmchen für die Waben auf ihre Staatsform zugeschnitten. 

Imkerei Lindenwohld ist seit 1998 auf dem Lindhof in Noer

Seit 1998 imkert der Landschaftsplaner auf dem Lindhof. „Imkerei Lindenwohld“ steht auf dem kleinen Bauwagen. Idyllisch fügt er sich ein ins Grün am Wanderweg vom Gutshaus zur Ostsee.

Ein Stück weiter liegt versteckt die Welt der Honigbienen. „Litauen“, Orkney-Inseln“, „Lettland“ steht an den mehrstöckigen grünen Styropor-Kästen. Die Landesflaggen sind drangepinnt. „War eine Idee meiner Kinder“, sagt er. „Ich fand das pfiffig.“

Ein neues Bienenvolk etabliert sich gerade auf dem Lindhof

Dass ein Zehntel des Volks „Brasilien“ offenkundig eine eigene junge Königin inthronisiert hat und mit ihr aus dem Flugloch ausgebüxt ist, begeistert den Imker. Weit oben im Ahornbaum hängt eine große dunkle Traube. Dem Laien lässt der Anblick kurz den Atem stocken: Der schwarzbraune Riesenzapfen besteht aus tausenden Bienen, die auf Flugwetter warten.

Was wäre, wenn man dem Schwarm in die Quere käme? „Ich werde das neue Volk einfangen mit dem Eimer und ihm nach einer Beruhigungsphase im dunklen Raum eine neue Beute anbieten“, erläutert Metasch, als sei es das Einfachste der Welt. Er deutet auf einen engmaschigen Metallpapierkorb mit Deckel.

„Darin erleben sie eine ruhige Nacht im Keller, bevor ich ihnen einen Bienenkasten hier draußen anbiete.“ Dann wäre diese versteckte Welt um das Volk „Argentinien“ reicher. Garantiert ist das allerdings nicht. „Manchmal fliegt der Schwarm wieder aus und lebt eine Zeitlang wild weiter.“

Frank Metasch imkert extensiv auf dem Öko-Versuchsgut der Uni Kiel

„Extensives Imkererei“ nennt Metasch sein Hobby, das mehr als das ist. Sein Herzblut steckt darin. Bei Sabine Mues, die für die Universität Kiel das ökologische Versuchsgut in der Gemeinde Noer aufgebaut hat und leitet, rannte er vor gut 20 Jahren offene Türen ein. Er suchte nach der Imkerausbildung einen Platz für seine „Honigfabrik“.

Nachdem er als Student in Kassel einen Kursus bei einem Bio-Imker absolviert hatte, war er Feuer und Flamme für Honigbienen. Als passionierter Naturbeobachter konnte er jetzt den ökologischen Kreislauf aus nächster Nähe nachvollziehen: Staatsform, Aufzucht, Blütenbestäubung, Werden und Wachsen von Früchten, einer Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier.

Auf die Zertifizierung als Bio-Imker hat der 49-Jährige mit Imkerausbildung bisher verzichtet. „Das Verfahren ist kompliziert und teuer“, sagt er. Trotzdem setzt er keine Chemie ein, folgt ökologischen Prinzipien. Die Eindämmung des Schädlings Varroa-Milbe, der heute in jedem Bienenvolk stört, gelingt ihm mit Ameisen- und Oxalsäure ausreichend. Und die abertausend Arbeiterbienen finden massig Nektar vor der Haustür, den vielfältigen Ökoflächen des Lindhofs. 

30 Kilo Honig entnimmt der Imker von Lindhöft einem Bienenvolk

Ihr Meister schleudert pro Volk im Frühling und Sommer nur 30 Kilogramm der enzymreichen Leckerei. Metasch: „So ein Volk produziert und verbraucht 160 Kilogramm durch mehrschrittiges Verarbeiten des gesammelten Nektars. Der Imker ersetzt entnommenen Nahrungsüberschuss und Honig, der als Wintervorrat dient, durch Zuckerwasser. Ich habe diesmal drei Völker nur mit Eigenhonig gut überwintert – ein Experiment.“ 

Arbeiterinnen, die sich um Aufzucht der Larven aus den Eiern der Königin in den Wachs-Brutzellen kümmern und Vorräte im oberen Stockwerk – einer Zarge – anlegen, sind nach zwei Wochen Flugdienst erledigt. Und so währt das Leben ihr Leben insgesamt nur sechs Wochen. Dann springt der Nachwuchs ein.

Das neue Bienenvolk lässt sich vom Imker willig einfangen

„Hunderte Jungbienen schlüpfen in jedem Volk täglich“, rechnet er vor. Und was ist mit den männlichen Drohnen, die nur bis zu fünf Prozent ausmachen? „Sie kümmern sich um die Nachzucht von Königinnen, die mehrere Jahre alt werden. Etwa 15 Königinnenzellen legen sie an. Wenn der Staat überquillt, wandert eine Truppe mit einer jungen Chefin aus.“

Wie jetzt gerade. Am Nachmittag kann Metasch die dicke Bienentraube tatsächlich von der Leiter aus „pflücken“, wie es in der Fachsprache heißt. Ganz ruhig nimmt „Argentinien“ auch den nächtlichen Zwischenstopp im Drahtkorb hin. Bleibt abzuwarten, ob ihnen das neues Zuhause unter Apfelbäumen zusagt.

Mit dem Imker den Lindhof selbst entdecken

Imker Frank Metasch ist ehrenamtlich auch für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Eckernförde tätig. Am Sonntag, 26. Mai, führt er bei der Nabu-Ganztagsexkursion zum Lindhof in Lindhöft über die Flächen, erläutert Imkerei, Tierhaltung des Hofes (Jerseyrinder, Angler Sattelschweine, Hühner), Landbau, natürliche Fauna und Flora. Auf Insektizide verzichte das ökologische Versuchsgut der Uni Kiel. Auch dank vieler Schmetterlingsblütler ist Insektenvielfalt allgegenwärtig, viele Vögel finden Nahrung.  Rohrweihe, Turmfalke, Mäusebussard, Feldlerche brüten hier. Die 6,5 Kilometer lange Wanderung führt vom Lindhof über die Imkerei zum Strand und an der Steilküste vorbei zum Hegenwohld. Proviant, robuste Kleidung und, wenn vorhanden, Ferngläser wie Bestimmungsbücher sind mitzubringen.Treff für die ganztägige Exkursion ist um 9 Uhr der Parkplatz Grüner Weg an der B76 in Eckernförde. Es gibt Fahrgemeinschaften. Die Teilnahme ist kostenlos. Den Lindenwohld-Honig gibt auch zu kaufen. Darüber hinaus führt ihn der Hofladen des Lindhofs.

Hier lesen Sie mehr Nachrichten aus der Region Eckernförde.

Hier sehen Sie mehr Bilder von der Imkerei auf dem Lindhof.

Die Gemeinde Altenholz soll im Norden wachsen: Darin sind sich die politischen Fraktionen – mit Ausnahme der Grünen – einig. Im Bauausschuss am Dienstag stellten Planer weitere Details zum vorgesehenen Baugebiet südlich des Postkamps und westlich des Freesenbergs vor.

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 23.05.2019

Der Masterplan Gettorf wird Wirklichkeit. Und es soll einer werden, den im Wesentlichen die Bürger entwerfen - unterstützt vom Planungsbüro AC Planer aus Itzehoe. Startschuss ist Montagabend, 27. Mai, bei der Einwohnerversammlung um 19.30 Uhr im Hotel Stadt Hamburg.

Cornelia Müller 23.05.2019

Vor gut einem Jahr stellten Stadtplaner Stefan Escosura (AC Planergruppe) und der Kieler Architekt Maik Loss in Altenholz den Siegerentwurf für die neue Stifter Ortsmitte vor. Über das Konzept wird intensiv diskutiert. Ein Knackpunkt: die vorgeschlagene Verschwenkung der Straße Ostpreußenplatz.

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 22.05.2019