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07:40 10.01.2020
Von Jan Torben Budde
Eine gelbe Muschel auf blauem Grund weist Jakobspilgern den Weg: Barbara Neusüß aus Gettorf präsentiert das Wegweiser-Symbol als Aufkleber. Auch bei ihr finden Pilgerer eine Unterkunft für die Nacht. Quelle: Jan Torben Budde
Gettorf

Seit 2009 bietet Barbara Neusüß erschöpften Pilgern ein Bett für die Nacht an. Die Gettorferin wandert selbst gern. In Etappen pilgerte sie schon von Flensburg bis Lübeck. „Ich war auch viel im Nahen Osten unterwegs, wo die Gastfreundschaft groß ist“, erzählt die 77-Jährige.

Unterkunft am Jütländischen Pilgerweg

Aus der Zeitung erfuhr sie, dass Pilgerunterkünfte am Jütländischen Jakobsweg benötigt werden. Seitdem stellt sie in ihrem Reihenhaus zwei Zimmer für Pilger bereit – im Laufe der Jahre waren mehr als 100 Wandersleute bei ihr zu Gast. Ihre Entscheidung hat Barbara Neusüß bisher nicht bereut: „Ich habe durchweg gute Erfahrungen gemacht.“

Paar auf Hochzeitsreise und Seemann aus Hamburg

Bei ihr übernachtete ein Seemann aus der Hamburger Gegend, der ihr von Erlebnissen aus Südamerika berichtete, ein dänischer Ingenieur, der eine Flasche Rotwein aus seinem Rucksack zog, eine Frau, die sich gleich nach dem Biervorrat im Haus erkundigte, und ein frisch verheiratetes Paar, das auf Hochzeitsreise war.

Nach ihrer Erfahrung sind die Pilger meist von April bis Ende Oktober auf dieser Route unterwegs. „Einmal kam im Winter ein junges Mädchen mit Liebeskummer vorbei, die wohl Künstlerin war“, erinnert sich die Gettorferin. Zum Dank für ihre offenen Ohren bekam Barbara Neusüß später ein Bild zugeschickt. Bislang lehnte sie bloß einen Besucher ab, weil er ihr unsympathisch war. Ihr kamen Zweifel, ob er tatsächlich eine Pilgerreise unternahm.

Kontakt mit vielen Lebenswegen

„Man lernt viele verschiedene Lebenswege kennen“, ist Barbara Neusüß von dem oft eindrucksvollen „Blick über den Tellerrand“ begeistert, den ihr die Beherbergung der Wanderer beschert.

Seit 2012 bieten auch Adelheid und Manfred Lais aus Gettorf einen Schlafplatz für Pilger an. Auf die Idee kam das Ehepaar, als es einen Aufruf im Gemeindegruß der Kirchengemeinde Gettorf las. „Wir hatten schon immer gern ein offenes Haus“, betont der 70-Jährige. Nun stellen Adelheid und Manfred Lais in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung ein Gästezimmer zur Verfügung. Sonst ist die Doppelbettcouch für Familienbesuch gedacht.

Manche sagen sich an, manche stehen vor der Tür

Im Jahr beherbergt das Ehepaar zehn bis 16 Pilger in seinem Zuhause. Einige Gäste fragen bereits ein halbes Jahr im Voraus an – per E-Mail oder telefonisch. „Andere rufen erst zwei Tage vor ihrer Ankunft an oder stehen sogar schon an der St.-Jürgen-Kirche“, berichtet Adelheid Lais.

Das Altersspektrum ihrer Pilgergäste reicht von Menschen Ende 20 bis zur Ü-70-Generation – darunter sind Alleinreisende, Eheleute oder Pärchen, Pastoren, Pfleger, Beamte, Pädagogen, Drechsler und Bankleute. Alle müssen Pilgerausweis und Personalausweis vorlegen, zudem tragen sie sich in ein Gästebuch ein.

Erfrischungsgetränk auf der Terrasse

Dann zeigen Adelheid und Manfred Lais ihnen zunächst Gästezimmer und Bad. „Im Sommer bieten wir gern ein Erfrischungsgetränk auf unserer Terrasse an“, sagt die 69-Jährige. Selten ziehen sich Pilger gleich auf ihr Zimmer zurück, stattdessen sprudeln meist die Erlebnisse aus ihnen heraus. Diese Erfahrungsberichte möchte das Ehepaar nicht missen.

Eine Bambergerin war von Flensburg bis Konstanz ohne einen Cent unterwegs. „Hatte sie Hunger, bat sie bei einem Schlachter oder einer Dönerbude um etwas zu essen“, so Manfred Lais. Einmal war eine Nonne bei ihnen zu Gast – sogar in ihrer Tracht gekleidet „Sie hat geredet wie ein Wasserfall“, erinnert sich Manfred Lais schmunzelnd. Was die Pilger antreibt? „Viele reizt das Neue, manche bewältigen eine persönliche Krise, andere wollen die Natur hautnah erleben“, sagt seine Frau. Einige verbringen so ihren Urlaub, andere verwirklichen einen lang ersehnten Traum im Ruhestand.

Viele sind mit Schlafsack unterwegs

„Bei uns sollen sich die Pilger wie zu Hause fühlen“, betont die Gettorferin, „wir bieten allen an, an unseren Mahlzeiten teilzunehmen.“ Das gelte für Abendbrot und Frühstück. Das Ehepaar stellt bei Bedarf auch Bettwäsche zur Verfügung. „Viele haben aber einen Schlafsack dabei“, so Adelheid Lais. Für die Übernachtung nimmt das Ehepaar einen Obolus von fünf Euro, genau wie Neusüß.

Vor dem Antritt einer Pilgerreise rät Barbara Neusüß zur Vorbereitung. Was oft unterschätzt werde: „Man muss sich auf das Notwendigste reduzieren und den Rucksack allein tragen“, so die 77-Jährige. „Und manchen Leuten fällt es schwer, allein zu pilgern, weil sie niemanden zum Reden haben oder die Orientierung verlieren.“

Jütländischer Jakobsweg

Der Jütländische Jakobsweg

Der Jütländische Jakobsweg (Via Jutlandica) ist der nördlichste unter den deutschen Jakobswegen - und ein Teil des Geflechtes von historischen Pilgerwegen in Europa. Er gilt als Brücke von den skandinavischen Ländern zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela in Spanien. Der Jütländische Jakobsweg beginnt an der deutsch-dänischen Grenze und führt zunächst nach Schleswig. Dort bieten sich zwei Möglichkeiten: Pilger können über Rendsburg und Glückstadt nach Stade in Niedersachsen wandern. Oder sie wählen die östliche Route, die über Eckernförde, Gettorf, Kiel und Plön nach Lübeck führt. Weitere Infos gibt es unter www.caminotogo.de und www.jakobsweg.de Einen Bildervortrag über den Jakobsweg in Schleswig-Holstein gibt es am Freitag, 13. März, in Gettorf. Beginn der VHS-Veranstaltung ist um 19 Uhr in der Mühle „Rosa“. Anmeldungen unter Tel. 04346/602925 oder E-Mail vhs@gemeinde-gettorf.de

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