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Eckernförde Traumnote 1,0 im Abi - was kommt jetzt?
Lokales Eckernförde Traumnote 1,0 im Abi - was kommt jetzt?
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15:56 14.07.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Bereit fürs Abenteuer Kanada: Einser-Abiturientin Carolin Hars fliegt noch im Juli nach Nordamerika, um dort ein knappes Jahr in einer Familie als Au-pair zu arbeiten. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Altenholz

Es ist ja nicht so, dass Jannick Janssen keine Hobbys hätte. Der 18-Jährige spielt in der A-Jugend-Oberliga des TSV Altenholz Handball, trainierte bisher oft viermal die Woche Sport. Fährt gerne Longboard oder skatet. Spielt Gitarre. Betrieb schon früher mit Kumpels einen Youtube-Channel, dreht jetzt mal wieder Filme dafür. Dennoch schaffte er sein Abitur mit der Traumnote 1,0. Mit 861 Punkten war er nicht nur bester Schüler des Gymnasiums Altenholz, sondern auch im Altkreis Eckernförde. Wie geht das?

Sein Ziel: Medizin studieren - ohne Wartezeit

Jannick – sportlicher Typ, braune Augen, Strubelfrisur – hatte ein Ziel, schon seit einigen Jahren: Er möchte Medizin studieren. Gleich nach dem Abi, ohne Wartezeit. Und er hatte ein Vorbild: seine Schwester Leoni. Auch die heute 20-Jährige absolvierte ihr Abitur am Gymnasium Altenholz mit der Traumnote von 1,0.

Das motivierte den Bruder, der von sich sagt: „In der fünften bis siebten Klasse war ich noch ein Durchschnittsschüler.“ Während Leoni, die jetzt in Kiel Lehramt studiert, immer schon zielstrebig gewesen sei. Bei Jannick wuchs der Ehrgeiz erst ab der achten Klasse – auch motiviert durch zwei Lehrer, die er sehr lobt. 

Seine Strategie: strukturiert lernen

Klar, die nötige Intelligenz muss einem dafür auch in die Wiege gelegt sein, weiß Jannick. Aber er habe irgendwann auch gelernt, sich so zu strukturieren, „dass ich für die Aufgaben gewappnet bin“. Und er merkte: Es bringt etwas, sich anzustrengen, diszipliniert zu sein – „ein cooles Gefühl“.

Er habe schon immer viele Fragen gestellt: „Und in der Naturwissenschaft werden die beantwortet.“ Seit der zehnten Klasse hatte er den festen Vorsatz, sein Abi mit einem Schnitt von 1,0 zu machen. Damit das mit dem Medizinstudium gleich im Anschluss klappt. 

Er hat sich an der Uni Kiel beworben

„Dafür muss man auch Opfer bringen“, sagt der Altenholzer. Er fehlte dann mal beim Training, traf sich nicht immer mit Freunden, erzählt er. Sondern lernte lieber, für sein Ziel. Gerade hat er sich in Kiel an der Christian-Albrechts-Universität beworben, will auch in die Stadt ziehen. Aber, sagt er überzeugend: „Ich bin kein Streber, ich bin strebsam.“ 

Auch die guten Berufschancen locken

Jannick erzählt viel, erzählt schnell. Auch das Studium möchte er stringent durchziehen: „Es ist ein schönes, erfüllendes Gefühlt, alles zu geben.“ Er habe seinen Berufswunsch auch hinterfragt, erzählt er. Ob er vielleicht nur Medizin studieren möchte, weil er den Schnitt dafür hat, oder wegen des Geldes.

Doch es reizt ihn, zu wissen, warum Dinge sind, wie sie sind: Und als Arzt „kann man wirklich Menschen helfen“. Aber auch die guten Berufschancen und die Lebensqualität hätten eine Rolle gespielt, erklärt er. Der Vater ist ebenfalls Arzt, arbeitet als Pathologe.

Er jobbt als Kellner, gibt Nachhilfe

Weil Jannick nach der Schule aber „auch mal was Praktisches machen will“, jobbt der 18-Jährige jetzt in einem Kieler Restaurant. Und ist begeistert: „Das Kellnern macht mir so viel Spaß!“ Das liegt auch am Team – vor allem Studierende. Zudem hat der Altenholzer sich Nachhilfeschüler gesucht: „Es macht mir Freude, Dinge zu vermitteln. Und ich weiß, wie man sich eine Struktur schafft beim Lernen.“ In der Schule sei vieles „nicht anwendungsorientiert“.

Die Familie ist schon viel gereist

Viele seiner Mitschüler zieht es nach dem Abi erst mal in die Ferne, die Welt entdecken – wie zum Beispiel Mitabiturientin Carolin Hars, die ebenfalls einen Abischnitt von 1,0 erreichte. Jannick sagt: „Ich fühl mich auch zu Hause wohl.“ Allerdings reisten die Eltern Janssen mit ihren Kindern auch regelmäßig in den Ferien: in die USA, nach Indonesien, auf die Malediven, nach Mauritius, auch innerhalb von Europa.

Ihm ist schon klar, dass es ein Privileg war, so aufgewachsen zu sein. „Ich habe teilweise gesagt: Vielleicht können wir mal nicht in Urlaub fahren“, erinnert sich Jannick. Obwohl: Um noch mal vor dem Studium runterzukommen, will er sich jetzt noch zwei Wochen am Gardasee gönnen. Auslöser war ein Youtube-Video über Klippenspringer dort: „Und ich will da auch mit dem Sportboot rumfahren.“

Carolin Hars geht ein Jahr nach Kanada

Auf Carolin Hars (18) warten jetzt: acht Stunden Zeitunterschied, zwei kleine Kinder und eine durch Ölsand-Fracking groß gewordene Gemeinde mitten in Kanada. Ende Juli fliegt die 18-Jährige für ein knappes Jahr nach Fort McMurray. Hinter ihr liegt das Abi am Gymnasium Altenholz mit der Spitzennote 1,0 – vor ihr die Erfüllung des Au-pair-Traums, knapp 6600 Kilometer entfernt von Altenholz.

Au-pair-Tradition liegt in der Familie

Mit ihrem Aufenthalt in der Provinz Alberta führt die Altenholzerin sogar eine Familientradition fort: Denn schon ihre Mutter und ihre Großmutter lebten als Au-pair bei Familien im Ausland. „Und ich habe schon immer gerne auf Kinder aufgepasst“, erzählt die zierliche 18-Jährige begeistert.

Für den Nachwuchs der kanadischen Familie – ein knapp einjähriger Junge und ein dreijähriges Mädchen – hat sie sich schon allerlei Beschäftigungen überlegt. „Ich plane sehr gerne“, sagt Carolin. Sie ist froh, dass die Kinder noch so jung sind: Denn Fahrdienst für ältere Schüler – darin sollte ihr Alltag in Kanada nicht bestehen. 

Sie weiß, dass viel Arbeit auf sie zukommt

Ostern skypte Carolin Hars erstmals mit der Gastfamilie aus Fort McMurray, für die sie das erste Au-pair sein wird. „Die planen gleich einen Ausflug in einen Nationalpark für mich“, erzählt die Altenholzerin lächelnd. Und schiebt trocken hinterher: „Und dann hat man eine 45-plus-Stundenwoche.“

Sie wirkt gut geerdet. Ahnt, was an Arbeit auf sie zukommt. Freut sich auf eine intensive Zeit in Kanada. Abnabeln, selbstständig werden, allein in der Gastfamilie. Wobei: Schon den Au-pair-Aufenthalt mit vielen Anforderungen hat sie selbst über eine Agentur organisiert: „Das war echt aufwändig.“ Auch das Geld fürs Auslandsjahr verdiente Carolin Hars sich selbst. Dafür jobbte sie seit etwa eineinhalb Jahren in einem Restaurant in Kiel-Schilksee. „Wenn man was machen will, muss auch Geld reinkommen“, sagt sie nüchtern.

Engagement auch jenseits der Schule

So strukturiert, wie sie das Abenteuer Kanada anging, so gut hat sie sich auch in der Schulzeit organisiert. Sie lernte viel, klappte aber zum Beispiel vor Klausuren bewusst um 18 Uhr die Bücher zu und ging zum Sport. Früher nahm sie als DLRG-Schwimmerin an Wettbewerben teil, heute trainiert sie Fitness an der Kieler Uni. Carolin Hars war zudem lange in der Kinder- und Jugendgruppe der Kirche aktiv und engagierte sich eine Wahlperiode im Altenholzer Kinder- und Jugendbeirat.

Spitzennote trotz Lese-Rechtschreibschwäche

Ihre Noten waren immer gut – die Traumnote 1,0 im Abi überraschte dennoch „total“. Zumal ihr Weg zur Spitzenschülerin kein selbstverständlicher war: Denn Carolin Hars arbeitete sich mit einer Lese-Rechtschreibschwäche durch das Schulleben. „Das Schreiben fiel mir schwer“, sagt sie schlicht zu dem Handicap. Und ihre Eltern hätten sie schon früh und vielfältig gefördert.

Dafür war die Altenholzerin „schon immer“ in Mathe und Naturwissenschaften gut. Ihr Lieblingsfach in der Oberstufe war dennoch die Philosophie: „Ich mag es, mich mit Dingen auseinanderzusetzen, zu diskutieren.“ Dabei sei es auch nicht schlimm, „dass man nicht ,die’ Antwort finden kann“.

Ab 2020 plant sie Psychologiestudium

Wichtig war der Altenholzerin bei ihrem Abi-Schnitt allerdings stets, „dass ich studieren kann, was ich will“. Nämlich Psychologie: „Das ist die perfekte Kombination aus Naturwissenschaft und gesellschaftlichen Fragen.“ Losgehen soll es zum Wintersemester 2020. Welche Richtung Carolin Hars in ihrem Studienfach einschlagen wird, das ist noch offen, ebenso der Studienort. Kiel? Lübeck? Hamburg? Oder ganz woanders? Mit ihrem Abi kann sie überall hingehen – nur in Deutschland soll es ein, erklärt die Altenholzerin.

Hoffen auf ein Stipendium

Wie Jannick Janssen wurde auch sie für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen. Doch sie wird sich zur Sicherheit um Alternativen bemühen. Carolin Hars möchte später auch eine Familie haben. Gute Job- und Aufstiegsschancen sind ihr wichtig, „auf der ganzen Welt – und familienfreundlich“. Die Schule hat Carolin Hars zwar immer Spaß gemacht: „Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dass etwas anderes kommt.“

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