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Eckernförde Green Screen: Der Marathon der Jury
Lokales Eckernförde Green Screen: Der Marathon der Jury
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15:32 29.04.2019
Von Christoph Rohde
Foto: Die Nominierungs-Jury von Green Screen bei der Arbeit: (v. re.) Bettina Witte, Petra Löttker, Michael Beier, Mi-Yong Brehm, Tim Boehme, Heike Haedeke und Michael Packschies.
Die Nominierungs-Jury von Green Screen bei der Arbeit: (v. re.) Bettina Witte, Petra Löttker, Michael Beier, Mi-Yong Brehm, Tim Boehme, Heike Haedeke und Michael Packschies. Quelle: Christoph Rohde
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Eckernförde

Dann geht der Film-Marathon zu Ende. Jeweils drei Produktionen werden für 13 Preiskategorien aufgestellt.

Lap-Tops reihen sich auf den Tischen. Davor ein großer Monitor, auf dem die Filme gemeinsam begutachtet werden. Die Luft ist spürbar dicker geworden, da kommt das Pressegespräch als willkommene Unterbrechung gerade recht. Heike Haedeke, Cutter-Spezialistin aus Mainz, Tim Boehme, Filmemacher aus Kirchbarkau, Mi-Yong Brehm, Redakteurin und Autorin aus Heidelberg, Petra Löttker, Produzentin aus Münster, Bettina Witte, Redakteurin aus Wiesbaden, Michael Beier von der Heinz-Sielmann-Stiftung aus Duderstadt und Michael Packschies, Naturschutzexperte der Stadt Eckernförde, haben schon leicht eckige Augen bekommen.

Die Qualität ist dieses Jahr noch gewachsen

Zehn Stunden pro Tag Filme von Kollegen aus 74 Ländern zu sehen und zu bewerten, ist schon eine Leistung. Doch den Jury-Mitgliedern ist auch die Begeisterung für die eingereichten Naturdokumentationen anzumerken. „Es ist unglaublich, was da passiert. Die Qualität ist sehr groß“, sagt Boehme. Und Haedeke spricht von einer enormen Bandbreite an Inhalten und Umsetzungen. „Morgen wird für uns der schwerste Tag“, sagt sie. Dann muss die Jury die Arbeiten auswählen, die für einen Preis nominiert werden.

Dabei hat die Technik inzwischen gewaltige Sprünge gemacht. „Gerade im Naturfilmbereich ist die Entwicklung rasant“, sagt Brehm. Hochwertige Luftaufnahmen per Drohne gehören heute ebenso zum guten Ton wie hoch aufgelöste Unterwasserbilder. „Die sind inzwischen kristallklar“, schwärmt Witte. Geht es nach der Jury, verspricht Green Screen 2019 ein Feuerwerk der Naturbilder zu werden. Doch die Technik ist nur eine Seite der Medaille. Die andere sind die Inhalte. Auch hier gibt es neue Trends.

Der Naturfilm kann nicht nur von schönen Bildern leben

„Man glaubt immer, alles ist schon gezeigt, aber das stimmt nicht“, sagt Brehm. Viele Filmemacher richten ihre Kamera inzwischen auf Bekanntes, um es in einem neuen Licht zu zeigen. Da werden Schwein und Kuh zu Leinwand-Protagonisten, von denen bislang unbekannte Seiten beleuchtet werden. Auch der kritische, umweltpolitische Film ist zunehmend im Kommen. Bei Green Screen zeigte die preisgekrönte Doku „Ivory Game“ schon im vergangenen Jahr die brisanten Machenschaften des Elfenbeinhandels auf – und stieß auf große Resonanz.

„Der Artenschutz wird immer wichtiger“, sagt Beier als Vertreter der Sielmann-Stiftung. Dabei gehe es in den Filmen nicht mehr nur darum, den Verlust der biologischen Vielfalt anzuprangern, sondern auch Lösungsansätze zu präsentieren. „Der Naturfilm kann nicht nur von schönen Bildern leben“, so Beier. Festival-Beiträge legten den Finger verstärkt auf bedrohte Arten, die Folgen industrieller Landwirtschaft und den Nutzungsdruck vor allem in den Ländern Afrikas. „Da haben wir diesmal einige schöne Beispiele dabei.“ Für die Biodiversität, mahnt der Stiftungsvertreter, sei es Fünf nach Zwölf.

Kritische Dokus sind noch ein zartes Pflänzchen bei TV-Anstalten

Hier kommt dem Naturfilm eine bedeutsame Aufgabe zu. Das setzt sich langsam bei den Auftraggebern der Produktionen durch. Auch wenn die kritische Dokumentation noch ein „zartes Pflänzchen“ bei den den Öffentlich-Rechtlichen sei, wie Beier bedauert. Nach wie vor gilt: Bilder, Geschichte und Musik gemeinsam machen den preiswürdigen Film aus. „Wenn alles zusammenfindet, ist es ein Kunstwerk“, sagt Witte. Laut Packschies sind auch Dokus mit Relevanz für Eckernförde dabei: beispielsweise über Moore als CO2-Speicher, Pestizidverzicht in der Landwirtschaft und Verbesserungen aus der Kreuzschifffahrt. Und was gibt es bei Green Screen zu verbessern? Ein Kino, lautet die einhellige Meinung der Jury. Und das müsse keines mit acht Sälen sein. 

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