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Eckernförde Der Kirchturm wird begehbares Denkmal
Lokales Eckernförde Der Kirchturm wird begehbares Denkmal
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06:03 08.05.2019
Von Cornelia Müller
Oben angekommen, blicken Turmbezwinger aus Schwindel erregender Höhe auf Gettorf und den Dänischen Wohld hinab. Bisher war der Aufstieg ein höchst mühsames Unterfangen und unsicher. Deshalb waren die Holzleitern längst für die Öffentlichkeit gesperrt. Nun lohnt das Klettern bald wieder. Quelle: Cornelia D. Mueller
Gettorf

Als sich der Kirchbauverein vor einem Jahr den Einbau einer sicheren Treppe in das 64 Meter hohe historische Bauwerk mit dem mächtigen Turmhelm vornahm, mag mancher an Größenwahn gedacht haben.

Aber der rührige Verein wäre nicht er selbst, wenn er nicht binnen eines Jahres 50000 Euro zusammen brächte, um wieder mal einen guten Plan schnellstens umzusetzen.

Der Kirchbauverein Gettorf hat in einem Jahr 50000 Euro angespart

Tatsächlich liegt die Summe komplett auf dem Konto, wenn Zimmerleute und Metallbauer das Innenleben des Kirchturms im Herbst und Winter um ein Aluminiumskelett ergänzen. Die seit längerem gesperrten Holzleitern und Stiegen müssen dafür weichen.

Darum ist es nicht schade: Selbst Bauexperten und Vorstandsmitgliedern war zuletzt mulmig auf den nicht sehr stabilen Stiegen mit unterschiedlichen Neigungswinkeln und Spossenabständen - ohne Geländer wohlgemerkt.

 "Senkrecht und trittsicher steigt man später in einem schützenden Korb, der die Leitern umgibt, von Plattform zu Plattform", erläutert Diplom-Ingenieur Torben Delfs vom Büro WDK Architekten und Ingenieure in Rendsburg.

Kirchturmbesucher klettern sicher von Plattform zu Plattform

Das Gute im Fall Gettorf: Das historische Balkentragwerk des Kirchturms besitzt mehrere Plattformen. Pro Leitersegment brauchen Turmbesucher daher nur maximal sechs Meter aufsteigen, bevor sie, vom Geländer gesichert, auf festem Boden kurz verschnaufen können.

Am Montagabend, am 6. Mai, stand Delfs Rede und Antwort vor den versammelten Mitgliedern des Kirchbauvereins im Gemeindehaus der Kirche und überzeugte mit dem Vorschlag auf ganzer Linie.

Das Leitersystem aus der Industrie und kommt erstmals im Kirchturm zum Einsatz

Es handelt sich um ist ein normiertes, auf seine Sicherheit geprüftes und auch für ungeübte Gesunde geeignetes Leitersystem aus dem Industrie, das sich millionenfach bewährt hat. Es kommt fast immer außen an Gebäuden und Hallen zum Einsatz. Einbauten in Kirchtürme gibt es bisher aber nicht.

"Wir haben es getestet und alle für gut befunden", resümieren die Vereinsvorsitzende Hannelore Struve und ihre Vorstandskollegen. "Nur im ersten Moment erschreckt man, weil es senkrecht hoch geht."

"Aber man stößt sich nicht, nichts wackelt. An die Längsstreben kann man sich sogar lehnen, wenn man eine Pause braucht. Es fühlt sich rundum viel sicherer an als auf den alten schrägen Leitern." Der Vorstand durfte vorab mit Delfs den Aufstieg an der Käserei Holtsee testen.

Kirchenverwaltung und Denkmalschutz befürworten die Metallleitern im Kirchturm

Im Sauerland klettern Urlauber ganz selbstverständlich auf Industrieleitern auf Aussichtstürme. Das berichtete ein Vereinsmitglied, von dort stammend, bei der Versammlung. "Diese Türme werden nicht einmal beaufsichtigt. Das System scheint wirklich sicher."

Das wird in Gettorf anders sein. Nur mit einem ehrenamtliche Kirchenführer vom Verein soll es Besichtigungen des Turms nach Absprache und unter Aufsicht geben. Grünes Licht haben auch schon der Denkmalschutz und der Sicherheitsbeauftragte der Kirchenbauverwaltung gegeben.

Feuerwehrleute könnten innerhalb des Korbs um die Leitern sogar eine Rettungstrage abseilen, falls ein Gast sich verletzt oder eine Schwächeanfall erleidet. Bisher wäre eine Rettung innerhalb des Turms kaum möglich gewesen.

Der Kirchbauverein St. Jürgen bemüht sich auch um Zuschüsse

Die Mitgliedersammlung des Kirchbauvereins hat das Projekt einstimmig abgesegnet. Der Förderbetrag für die Leitern ist zunächst auf 50000 Euro gedeckelt. Die Summe hatte Delfs, der auch die Ausschreibung schon vorbereitet hat, als Nettokosten errechnet.

Steuern und Mehrkosten für Reinigung und Aufbereitung historisch bedeutsamer Details im Turminneren kommen gegebenenfalls auf die Kirchengemeinde zu. "Möglicherweise können wir auch noch Zuschüsse einwerben", bestätigt Tomas Bahr vom Vorstand des Kirchbauvereins.

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Hier sehen Sie mehr Bilder zu den Treppenplänen für den Kirchturm St. Jürgen in Gettorf.
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