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Eckernförde Kirchen setzen Zeichen gegen den Hass
Lokales Eckernförde Kirchen setzen Zeichen gegen den Hass
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15:16 01.11.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Setzten ein Zeichen für Zusammenhalt in der Gesellschaft: die geschätzt mehr als 700 Besucher, die am Reformationstag auf Einladung von sechs Kirchengemeinden an der Holzbrücke zusammenkamen. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Eckernförde

„Die Brücke leuchtet und klingt“, lautete das Motto des Abends. Dazu hatten erstmals alle sechs Kirchengemeinden des Ostseebades eingeladen: Borby, Danske Kirke, Freikirche, Gemeinschaft in der ev. Kirche, Pfarrei St. Ansgar/St. Peter und Paul sowie St. Nicolai.

Schon deutlich vor Beginn der Veranstaltung in Eiseskälte füllte sich nach und nach der Platz vor der Holzbrücke am Hafen. Viele Besucher brachten, wie erhofft, Windlichter und Laternen mit, für eine Botschaft der Hoffnung. Musik gab’s von der Jugendband plan-los und den Posaunenchören Borby/St. Nicolai.

Jeder kann kleinen Beitrag leisten

„Wir haben gelernt, uns mit Respekt und auf Augenhöhe zu begegnen“, sagte der katholische Pfarrer Wolfgang Johannes zum Verhältnis der Kirchen untereinander. Pastor Philipp Bömer von der Freikirche erklärte, wenn viele Menschen an vielen Orte viele kleine Dinge anders machten, dann könne jeder etwas bewirken. Gerade die Deutschen müssten doch wissen, wohin Zerstörung und Hass führen können.

Er erinnerte an die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale. In Zeiten wie diesen sei es wichtig, Zeichen zu setzen gegen Anfeindungen und für einen Umgang miteinander in Liebe, Würde und Respekt. „Wir dürfen den anderen niemals entmenschlichen – auch wenn er eine ganz andere Meinung als ich vertritt“, betonte er. 

Helfer erfahren Beleidigungen und Aggression statt Respekt

Pastor Michael Jordan (St. Nicolai) verwies auf eine Umfrage, nach der schon jeder zweite Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes einmal angegriffen wurde. Daher hatte die Kirchen Vertreter von Berufsgruppen eingeladen, die in der Öffentlichkeit stehen. Simon Preuß, Leiter der Rettungswache Gettorf und Eckernförde, sprach davon, dass Beleidigung und Aggression bei Einsätzen schon Alltag seien. Grund seien oft enttäuschte Erwartungen.

Auch der Respekt fehle häufig. Sanitäter würden während einer Hilfsaktion auch schon mal angesprochen, ihren Rettungswagen umzuparken. Zum Glück seien körperliche Auseinandersetzungen aber „absolute Einzelfälle“. 

Polizist wünscht sich mehr Vertrauen

Jochen Vick, Polizeihauptmeister im Revier Eckernförde, berichtete, dass auch die Polizei im Einsatz öfter nicht ernst genommen würde. Leute hinterfragten Dinge oder machen Videoaufnahmen. Gerade wenn Alkohol im Spiel sei, kippe eine friedliche Stimmung schon mal schlagartig um. Er wünschte sich mehr Toleranz und Vertrauen in die Arbeit der Polizei

Rathaus schützt die Mitarbeiter

Der Eckernförder Bürgermeister Jörg Sibbel, erklärte, auch im Rathaus sei rüder Umgangston Thema. Schon vor einigen Jahren haben man Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen. Diesen biete man auch Seminare in Selbstverteidigung an. „Ziemlich erschreckend“, fand Pastor Jordan. Jörg Sibbel erklärte, er selbst habe in seinen 13 Jahren als hauptamtliche Bürgermeister noch nichts Schlimmes erlebt. Das sei bei Kollegen im Land aber durchaus anders.

Es gebe zum Beispiel persönliche Angriffe in den sozialen Medien und Vandalismus. „Die Bereitschaft, zuzuhören, sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, hat sich zurückentwickelt.“ Deshalb müsse man sich auch bemühen, die Bürger mehr mitzunehmen: „Auch die Leisen, die nicht mit dem Lautsprecher unterwegs sind.“ Pastor Michael Jordan fand: „Wir hier sind vielleicht auch nicht die Lauten – aber heute setzen wir ein lautstarkes Zeichen!“

Dankzettel und ein Zeichen der Stille

Statt Denkzettel wollte Carola L‘hoest von der Gemeinschaft in der ev. Kirche denn auch gerne einmal „Dankzettel“ verteilen – zum Beispiel „danke für jede notwendige Straßensperrung“. Doch Simon Preuß und Jochen Vick waren schon wieder unterwegs: ein Notfall. Was kann jeder einzelne für eine gute Gesellschaft tun: Zum Nachdenken darüber luden zwei Minuten der Stille an diesem Abend ein – mit vielen erhobenen Windlichtern.

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