Mahnfeuer in Neudorf-Bornstein: Bauernprotest an der B76
Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Eckernförde Mahnfeuer: Bauernprotest an der B76
Lokales Eckernförde Mahnfeuer: Bauernprotest an der B76
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:24 07.12.2019
Von Jan Torben Budde
Der Nieselregen ließ die Landwirte kalt: Aus Protest gegen die Agrarpolitik des Bundes entzündeten Bauern auf einem Acker an der Bundesstraße 76 in Neudorf-Bornstein ein Mahnfeuer, um auf ihre schwierige Lage aufmerksam zu machen. Quelle: Jan Torben Budde
Anzeige
Neudorf-Bornstein

„Ein Feuer ist gut sichtbar, denn auf vielen Höfen brennt es auch - die Lage ist angespannt“, ging Landwirt Timo Gravert aus Lindau auf die Symbolik hinter der mehrstündigen Aktion ein.

Ziel der Kritik ist ein Agrarpaket des Bundes, wobei es um Insektenschutz, Düngemittel-Einsatz und Tierwohl geht. „Es drohen deutlich schärfere Auflagen“, befürchtet der Milchbauer.

Anzeige

Dabei erfülle die Lebensmittelkontrolle hierzulande schon hohe Ansprüche. Zugleich habe die Landwirtschaft mit niedrigen Erzeugerpreisen und hohen Investitionskosten zu kämpfen. Gravert: „Gerade für Familienbetriebe wird die Situation immer schwieriger.“

Er rechnete vor: Der durchschnittliche Milchpreis, den ein Landwirt bei der Meierei erzielt, liegt bei etwa 33 Cent pro Liter. „Wenn man gut davon leben möchte, sollten es aber 40 Cent sein“, bilanzierte der Vater. Wenn die Verbraucher günstige Produkte aus dem Discounter bevorzugten, erzielten die Erzeuger unterm Strich kaum auskömmliche Preise.

Landwirtschaft soll so wahrgenommen werden, wie sie ist

Daher wollen die Landwirte auf ihre Lage aufmerksam machen und mit Bürgern ins Gespräch kommen. Erst Ende November hatte es eine Trecker-Demo in Berlin gegeben. Bei dem Mahnfeuer handelte es sich erneut um eine bundesweite Protestaktion.

Dahinter steckt die Initiative „Land schafft Verbindung“, der sich Gravert zufolge auch rund 80 Landwirte aus der Region verbunden fühlen. „Wir wollen dafür kämpfen, dass die Landwirtschaft wieder öffentlich so wahrgenommen wird, wie sie wirklich ist, und nicht – wie so oft – als Umweltverschmutzer und Tierquäler dargestellt wird“, so der 40-Jährige.

Er kündigte weitere Aktionen der regionalen Landwirte an: Für Sonnabend und Sonntag, 14. und 15. Dezember, wollen sie auf dem Weihnachtsmarkt auf Gut Augustenhof in Osdorf einen Info-Stand aufbauen, um dort mit Besuchern ins Gespräch zu kommen. Er kündigte Aufklärungsarbeit und Diskussionsbereitschaft an.

Vorstellbar ist für Gravert zudem, dass Landwirte künftig Schulklassen auf ihre Höfe einladen, um über ihre Arbeit zu informieren.

07.12.2019
Zwei Millionen Defizit - Politik stellt sich Armutszeugnis aus
07.12.2019
Christoph Rohde 06.12.2019