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Eckernförde Brennend interessiert an Pyrotechnik
Lokales Eckernförde Brennend interessiert an Pyrotechnik
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07:01 26.05.2018
Eine Explosion fast wie im Actionfilm: Mit der Zündanlage zersprengt Pyrotechniker Marco Pinkowsky eine Gaskartusche in einem Fass. Quelle: Jan Torben Budde
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Osdorf

Seine Leidenschaft entdeckte der 48-Jährige als Aktiver bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er wollte den Übungen einen Schuss mehr Dramatik einhauchen. Seit etwa zehn Jahren ist Pinkowsky bei der Feuerwehr Osdorf. „Mir fiel irgendwann auf, dass die Übungen etwas mehr Schwung gebrauchen könnten“, erinnert sich der Gruppenführer, der im Hauptberuf selbstständiger Installateur und Heizungsbaumeister ist. Löschangriffe im Disco-Nebel erfüllten zwar durchaus ihren Zweck. „Doch irgendwann gehen einem die Ideen aus“, sagt Pinkowsky. Warum also die Übungen nicht mit Pyrotechnik „interessanter gestalten“?

Für Pyrotechniker gibt es klare Vorschriften

Es gebe allerdings „scharfe Vorschriften“, wie der Feuerwehrmann betont. Also ließ Pinkowsky sich zum Spezialisten ausbilden, besuchte in Bayern, Sachsen und Thüringen Lehrgänge für Bühnenpyrotechniker, Großfeuerwerker und Waffenmeister und hat nun unter anderem den SFX-Schein, der den Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen in Film- oder Fernsehproduktionsstätten erlaubt. Seit etwa sechs Jahren ist der Installateur auch selbstständiger Pyrotechniker.

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Um Spezialeffekte zu erzeugen, musste Pinkowsky auch in die Ausrüstung investieren: so etwa in eine Zündanlage, mit der er über Funk spektakuläre Effekte wie Explosionen, Theaterblitze, Feuerbalken oder brennende Fässer auslösen kann.

Bei der Feuerwehr stieß sein Handwerk schnell auf Interesse. So gebe es für Grundschüler jedes Jahr eine Vorführung mit einer Fettexplosion. Davon habe die Jugendfeuerwehr schon profitiert, was die Mitglieder angehe. Seine Spezialeffekte faszinierten aber auch Eltern, so Pinkowsky, der sich bei größeren Projekten gern von Pyrotechniker-Kollegen unterstützen lässt. „Wir wollen ja auch Erwachsene für die Feuerwehr gewinnen.“

Per Knopfdruck Autos in Brand setzen

Seine Arbeit ist nicht nur in Osdorf gefragt. Er war schon bei einer Übung auf dem Flugplatz „Hungriger Wolf“ in Hohenlockstedt im Einsatz, wo brennende Autos für einen simulierten Unfall benötigt wurden. „Pkw kann man mit der Zündanlage per Knopfdruck in Brand setzen“, erläutert er. Zur Sicherheit habe das Pyrotechniker-Team stets einen 1000-Liter-Wasser-Tank auf einem Anhänger sowie einen 50-Kilo-Pulverlöscher in der Nähe.

„Bei uns soll es möglichst gefährlich aussehen, aber es darf nie gefährlich sein“, betont Pinkowsky. Dabei könne es durchaus mal passieren, dass ein Spezialeffekt nicht zünde, „weil vielleicht jemand über ein Kabel gelatscht ist“, räumt der Pyrotechniker ein. Von einem Unfall blieb er selbst bisher glücklicherweise verschont. „Man muss eben alles fünfmal überdenken“, betont der Osdorfer. Die Planung für einen Auftrag beginne daher Wochen im Voraus. „Vor Ort bleiben meist nur vier bis fünf Stunden Zeit, um alles aufzubauen“, so der Pyrotechniker.

Es geht um die perfekte Illusion

Ihm sind allerdings auch Grenzen gesetzt. „Autos darf ich in die Luft jagen“, sagt er augenzwinkernd, von der Sprengung eines Gebäudes müsse er dagegen die Finger lassen. Die perfekte Illusion zu erzeugen, ist für Pinkowsky ein großer Anreiz. Einmal wollte die Bundeswehr einen Flugzeugabsturz simulieren. „Wir haben dafür eine Explosion inszeniert“, blickt er auf ein Highlight seiner Laufbahn zurück. „Aber eigentlich bringt alles irre viel Spaß“, sagt der Pyrotechniker. Als die Feuerwehrunfallkasse für einen Film schwarzen Rauch brauchte, steuerte er die Spezialeffekte bei. Er bekomme zudem auch Angebote aus der TV-Branche.

Seine Trickkiste ist vielfältig. Zur Veranschaulichung steckt Pinkowsky seinen linken Arm in Brand, wofür er kurz zuvor den Jackenärmel mit einer Brennpaste eingeschmiert hat. Sein dringender Appell an alle: „Bitte nicht nachmachen!“ Dabei liefert er keineswegs nur Spezialeffekte für Unfälle oder Katastrophen: Zu freudigen Anlässen wie Geburtstagen, Hochzeiten oder Firmenjubiläen zündet der Pyrotechniker gern ein Feuerwerk.

Von Jan Torben Budde

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 25.05.2018
Christoph Rohde 25.05.2018
Jürgen Griese 25.05.2018
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